Glen Elgin 16 Jahre, 58,5%

Glen Elgin 16 Jahre, 58,5%

Dieser Glen Elgin war ein echter Blindkauf, den ich auf unzählige Empfehlungen in diversen Foren und Facebook-Gruppen hin gemacht habe. Über ein Jahr hat es schließlich gedauert, bis ich eine Flasche dieser limitierten Originalabfüllung zu einem noch anständigen Preis ergattern konnte.

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Von Glen Elgin gibt es nur wenige Originalabfüllungen, das allermeiste landet in Blend-Whiskys oder in Flaschen von unabhängigen Abfüllern, die dafür sorgen, dass auch eher unbekanntere Destillerien zu ihrem Recht als hervorragende Whiskyproduzenten kommen. Da konnte mich schon dieser Glen Elgin aus einem sehr frischen Amarone-Fass überzeugen!

Knapp 10.000 Flaschen wurden von diesem Batch abgefüllt, leider kühlfiltriert und gefärbt, aber immerhin in Fassstärke mit 58,5%.

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Auge

tja – schwer zu beurteilen, welchen Anteil E150a an der schönen, leicht stumpfen kastanienbraunen Farbe hat… Die dünnen Beinchen versprechen zumindest ein intensives Mundgefühl.

Nase

Schon nach dem Einschenken ist kurzerhand der ganze Raum mit den Aromen geflutet – das fällt selbst meiner ansonsten überhaupt nicht whisky-affinen Frau positiv auf. Was für ein präsenter Whisky!
Kandierte Orangen, dass es einem den Mund wässert, saftige süße Mandarinen, Erdbeerpüree mit Vanillezucker und weiche Backpflaumen sind die ersten Eindrücke, die mir entgegenströmen. Dazu malziger dunkler Demerarazucker. Süßer Pfeifentabak steigt aus dem Glas empor, ich sehe meinen Vater paffend und Rauchkringel blasend auf dem Sofa sitzen. Der Mief einer speckigen alten Lederjacke und altes muffiges Eichenholz fügen dem Geruchsbild schöne trockene würzige Akzente hinzu.

Gaumen

Im Mund gleich ein schönes Trio aus wärmender Schärfe, trockenem Eichenholz und fruchtiger Honigsüße. Dann wieder die saftigen Orangen und Mandarinen, diesmal untermalt mit Gewürznelken und Zimtstangen. Unter der mächtigen Süße lauert aber eine kräftige herber Eiche, es prickelt und geht richtig ab auf der Zunge. Die sherry-typischen Trockenpflaumen und Rosinen sind ebefalls sehr präsent. Und dann werden die kräftigen europäischen Eichenfässer immer dominanter. Herb und wuchtig sorgen sie für eine feucht-muffige Trockenheit und einen leichten Pelz auf der Zunge, wie die Tannine eines richtig trockenen Rotweins.

Abgang

Der eher mittellange und sherrytypische Abgang ist warm und wird von schönen Gewürzen wie Zimt und Nelken bestimmt. Süße Trockenpflaumen, dunkler Rohrzucker und die starken Eichenfässer sorgen für weitere Würze.

Kommentar

Ein richtig schöner und voller Sherry-Whisky mit genügend Eigencharakter, vor allem die Orangennoten in vielen Facetten können hier begeistern und ihn von vielen und mittlerweile schon fast beliebig gewordenen Sherrywhiskys deutlich abheben. Komplex und mit 16 Jahren sehr schön gereift zeigt sich hier ein weiteres Mal, welche Perlen sich hinter kaum bekannten Whiskydestillerien verstecken können, die in erster Linie für die Blend-Industrie produzieren. Das hat sich mittlerweile auch bei Sammlern und Genießern herumgesprochen und diese limitierte Abfüllung ist schon lange nicht mehr auf dem freien Markt erhältlich. Mit viel Glück kann man diesen Glen Elgin noch zu einem einigermaßen vernünftigen Preis auf den bekannten Plattformen ergattern, und wenn sich die Chance bietet, sollte man nicht zögern.

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Glen Garioch 7 Jahre Red Wine Cask, 58,2%

Glen Garioch 7 Jahre Red Wine Cask, 58,2%

 

Kaum stand der 21jährige Glen Garioch von Abbey im Schrank, kam mir dieser junge, gerade mal ein drittel so alte Glen Garioch aus einem Rotweinfass unter die Finger. Er wurde vom unabhängigen Abfüller „The Creative Whisky Company“ in der Serie Exclusive Malts mit gerade mal sieben Jahren Reifezeit in die schön etikettierten und unverwechselbaren Flaschen gefüllt. Um was für ein Rotweinfass es sich handelt, erfährt man nicht, aber der Farbe nach dürfte da kurz vor der Befüllung noch Rotwein drin gewesen sein – mit reichlich Resten im Fass…
Der großartige Serge macht ja mittlerweile einen großen Bogen um solche Farbwunder-Whiskys, mich reizen sie nach wie vor. Kaum hatte ich ihn ausgepackt, musste er auch schon ins Glas.
Ach ja – Fassstärke mit 58,2%, keine zusätzliche Farbe (warum auch…) und ohne Kühlfiltration.

 

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 Auge

Dünner Hagebuttentee… Die Beinchen haben es recht eilig, die Glaswand herabzulaufen.

 Nase

Ist das noch Whisky oder schon Waldbeerbowle? Der legt der Farbe entsprechend gleich mit sehr reifen süßen Erdbeeren und Kirschen los, dazu zerdrückte herb-süße rote Johannisbeeren und püriertes Him- und Stachelbeerkompott – kurz: rote Grütze aus dem Fass. Das schmeichelt verführerisch in der Nase – einen derart aufdringlich fruchtigen Whisky hatte ich selten. Ein alter Strathclyde war so ähnlich vom Profil und den mochte ich ziemlich gern. Aber außer dieser Beeren-Invasion ist da zum Glück noch mehr zu entdecken: Rohrzucker, ein wenig alter Blechnapf aus Omas Küchenschrank und dann kommt auch noch satte Vanille. Das alles angerichtet in einer Schale aus ziemlich trockenen Eichenholz. Der Alkohol hält sich sehr angenehm im Hintergrund, sorgt allenfalls für etwas kühlende Frische in der Nase.

 Gaumen

Der erste Schluck birgt keine großen Überraschungen – süß und erdbeerig geht es nahtlos weiter, wobei es hier vor allem zuckrige Erbeermarmelade mit ordentlich Vanille ist (dazu jetzt ein Croissant mit gesalzener Butter…hmmm..) Der starke Alkohol bringt eine schöne Schärfe und Wärme mit und herbe Tannine aus dem Rotweinfass bremsen die Süße und bringen sie rasch auf ein erträgliches Maß zurück. Einen Glen Garioch vermag ich in all dem nicht herauszuschmecken. Und fast vermag ich auch keinen Whisky herauszuschmecken. Schon ziemlich strange, was da in den Flaschen gelandet ist.

 Abgang

Für das Alter länger als erwartet. Süß, zuckrig, beerig und trockener als am Gaumen mit einem leicht metallischen Nachgeschmack. Hier kommt das Rotweinfass am stärksten durch.

 Kommentar

Bei manchen Abfüllungen, die sich mit interessanten Reifungen und/oder Finishes abheben wollen, hab ich immer öfter das Gefühl, man nimmt einfach ein Fass mit viel Rest-Flüssigkeit drin, füllt den Whisky rein, schüttelt kräftig und fertig ist der Whisky-Wein-Cocktail. Dieser hier mutet mir genauso an. Ich hab einfach zuviel Ehrfurcht vor Whisky, als dass ich als Experiment einfach mal einen Schluck Wein in einen Whisky kippen würde – aber ich würde vermuten, das Ergebnis wäre ziemlich ähnlich.
Bye the way – ich hab auch Ehrfurcht vor gutem Wein. 😉
Tja, wie soll man diesen Glen Garioch nun bewerten? Er macht mächtig Eindruck in der Vitrine und wirklich übel schmeckt er nicht – sofern man keinen Whisky erwartet.

Coole Farbe, surrealer Geschmack und trinkbar. It’s your decision… 🙂

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Glen Garioch 21yo, 55%

Glen Garioch 21yo, 55%

Der Wolf im Schafspelz

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Die Whiskys von Glen Garioch finden eine immer größere Fangemeinde, vor allem der 15jährige aus Oloroso-Fässern erfreut sich noch immer großer Beliebtheit und findet schnell reißenden Absatz, wenn er mal zu vernünftigen Preisen angeboten wird. Nach und nach werden die Standard-Originalabfüllungen um besondere Abfüllungen der Renaissance-Reihe erweitert. Möchte man Abwechslung, muss man auf unabhängige Abfüller zurückgreifen – derer es viele gibt.
Dieser 21jährige wurde vom schottischen Whiskyshop Abbey in einer Rare Cask Serie herausgebracht – die geringe Flaschenzahl spricht für eine Fassteilung.
Gereift ist er in einem nicht näher definierten Hogshead ohne jedes Finish. Er kam ohne Kühlfiltration in voller Fassstärke mit 55% und ungefärbt in die Flaschen.

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 Auge

Ein helles, klares und leuchtendes Gelbgold, die Tropfen laufen sehr langsam die Glaswand herab, bilden nur harnäckig dünne Beinchen.

 Nase

Schwer und ölig schwappen da Aromen aus dem Glas, Olivenöl – aber nicht das scharfe grasige und meist grüne, sondern frisches mildes Olivenöl – lässt ihn beinahe mediterran wirken. Dazu passen die sehr kräftigen Zitrusnoten – die so intensiv und aromatisch scharf riechen wie die Hände, nachdem man eine Zitrone ausgedrückt hat.
Er offenbart auch sein Alter gleich schon in der Nase mit trockenen alten Holznoten – ein spannendes Zusammenspiel zwischen saftig-wässernden Zitrusnoten und knarztrockenem Eichenholz! Dazu umweht eine kühlende Menthol-Frische die Nase. Die aufkommende schöne Vanille hat es schon beinahe schwer, sich durch die ganzen dichten Aromen zu drängen. Ich hab mich füher gern stundenlang in muffigen Kellern von Antiquariaten herumgetrieben und den Duft nach alten abgegriffenen Büchern hab ich auch hier.  Je länger man riecht, desto mehr Aromen entfalten sich, es wird mineralisch, ja fast schon speckig-salzig. Feuchter Waldboden mit Laub, nassen Steinen und alten Baumstämmen – ich rieche jetzt schon über eine halbe Stunde und entdecke immer mehr!

 Gaumen

Kräftig, trocken und süß startet er im Mund, eine Chilinote bringt knackige Schärfe. Gezuckerte Zitronen, eine süße reife Honigmelone und eine fette Ladung Vanille sorgen für eine süße fruchtig-saure Explosion. Und dann auch gleich schon heftiges Eichenholz. Das allerdings nicht beißend und bitter, sondern sehr tief, alt und würzig mit Kardamom, Zimt und Koriander. Es wird wieder mineralisch und erdig, frischer nasser Lehmboden nach einem Gewitterregen kommt mir in den Sinn. Und immer wieder das dominante Eichenholz, alt und abgewetzt und speckig.

 Abgang

Gar nicht enden-wollend! In erster Linie schöne trockene und würzige Holznoten der Eiche, dazu grasige Frische nach getrocknetem Heu, malzige Vanillesüße und herbe Gewürze wie Nelken und Kardamom.

 Kommentar

Eine Abfüllung, die einmal mehr zeigt, dass es keine exotischen Fassexperimente oder Finishes braucht, um einen äußerst komplexen, spannenden Whisky zu bekommen – manchmal ist weniger einfach mehr. Und man soll sich nicht von der hellen Farbe täuschen lassen – dieser Glen Garioch hat es in sich und ist kein leichter Dram. Er ist direkt und geradlinig, wirkt anfangs vielleicht etwas schroff. Man muss sich Zeit nehmen und sich auf ihn einlassen, die komplexe Kraft und Tiefe hinter der anfänglichen Schroffheit erkennen, dann wird man mit einem Whisky belohnt, der einen ganzen Abend beschäftigen kann und ein befriedigendes wohliges Lächeln hinterlässt.

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Teeling Brabazon Bottling No.2, 49,5%

Teeling Brabazon Bottling No.2, 49,5%

 

Seit Ende 2015 produziert Teeling in Dublin eigenen Whiskey. Alle bislang unter diesem Namen erschienen Whiskeys stammen also aus eigenen alten Beständen, die John Teeling nach dem Verkauf von Cooley noch gebunkert hat. Damit finanzierten sie die nagelneue Destillerie und überbrücken die Leerphase zwischen Produktion und erster Abfüllung.
Neben den permanent erhältlichen Standards, wie den Single Malt, erscheinen bei Teeling immer wieder besondere Abfüllungen als Single Casks oder Batches in zum Teil extravaganter Aufmachung – siehe den Revival.
Die Brabazon-Serie kommt in gänzlich neuem Flaschendesign daher, dick und schwer und mit sehr schöner Prägung. Die No. 1 war noch dunkles Glas, diese No.2 ist Klarglas, man sieht den Whiskey hier sehr schön.
Ich möchte hier nicht mit der Geschichte der Familie Brabazon und ihren Einfluss auf die Entwicklung der Dubliner Stadtgeschichte eingehen – wen das interssiert, findet bei Google viele interessante Artikel. Das alte Haus der Brabazons liegt jedenfalls gleich neben der Destillerie und dient heute als Besucherzentrum.
Unter diesem Namen füllt Teeling Batches ganz besonders gelungener Fässer ab. No.1 kam aus verschiedenen Sherry-Fässern und diese No.2 nun aus verschiedenen Portwein-Fässern unterschiedlichen Alters und Port-Sorten. Das älteste Fass ist ganze 16 Jahre alt, das jüngste 8 Jahre. Es gibt auch eine grafische Darstellung, wieviel Prozente der jeweiligen Fässer verwendet wurden, aber so detailliert will ich das hier nicht vertiefen.
In die Flaschen kam der Whiskey mit vollen 49,5% und ohne Kühlfiltration. Über eine Färbung gibt es keine Angaben, aber bei dem schönen hellen rotbraun würde ich das anzweifeln.

 

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 Auge

Ein leuchtendes Kupfer mit einem schönen Altgold, man sieht sofort den Bezug zu den Weinfässern. Dass er nicht dunkler ausgefallen ist, mag auch an den verwendeten White-Port-Fässern liegen.

Nase

Alle Teeling/Cooley-Whiskeys, die ich bislang im Glas hatte, starteten erst mal mild und leicht zurückhaltend.
Doch der hier ist anders, der Portweineinfluss offenbart sich mir hier mit Noten von fruchtigem Leinöl in der Nase. Riecht schon mal sehr gesund! Auf diesem öligen Teppich baut sich dann gleich ein ganzer Obstkorb an Früchten auf. Frisch aufgeschnittene gelbe süße Mango und noch etwas unreife Bananen, rote Trauben und Birnenkompott. Honigsüße mit Spuren von Vanille und Karamell vertiefen die süßen Früchte noch weiter. Florale Noten nach Veilchen sind sonst nicht so mein Ding, aber hier sind sie dezent und quasi der Vorbote einer würzigen grasigen Kräuterwiese im Spätsommer, die sich bei längerem Riechen vor den Augen auftut – wirklich schön! Die zum Teil doch schon älteren Portwein-Fässer zeigen überraschend wenig Einfluss, in erster Linie hab ich frisch poliertes herbes Eichenholz und gehobelte Holzspäne.

 Gaumen

Dieser Teeling startet warm und trocken und mit nussig-öliger Textur. Es wird dann gleich auch richtig süß und fruhtig mit duftigem Akazienhonig, Heidekraut und einer wahren Fruchtexplosion mit dunklen Kirschen, frischen Erdbeeren und wieder exotischer Mango. Das Ölige lässt nicht locker, immer wieder kommen frisch zerkaute Leinsamen hoch, dazu gemahlene Pfefferkörner und Macadamianüsse. Die Süße wird weiter krautiger und es mogeln sich noch ein paar Mirabellen und süße Birnen dazu. Auch hier hätte ich mehr kräftige europäische Eiche erwartet, aber der holzige Charakter ist zwar präsent, bleibt aber eher im Hintergrund und schmeckt frisch geschlagen und poliert und leicht harzig.

Abgang

Der Abgang ist schon eine kleine Sensation! Zwar nicht übermäßig lang, dafür aber sehr aromatisch. Das Ölige hält weiter an, überreife Mirabellen, geröstete Anissamen und Haselnüsse, frisches Heu und helle Trauben sorgen für ein aromatisch-frisches Mundgefühl. Etwas herbe Eiche setzt trockene Akzente.

Kommentar

Das ist ohne Frage der ungewöhnlichste und schönste Teeling, den ich bislang hatte. Waren selbst die ziemlich teuren Flaggschiffe in den wunderschönen flachen Flaschen sehr mild und eben typisch irisch, so setzt Teeling mit dieser besonderen Abfüllungen sehr schöne Akzente. Die Portweinfässer überlagern nicht, sondern ergänzen die sonst leichten Abfüllungen vollmundig und sehr aromatisch. Der Brabazon No.2  kann mich in allen Belangen überzeugen, das wird nicht die einzige Flasche bleiben.
Ich bin schon gespannt auf die No.3!

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Sild Crannog 2014, 48%

Sild Crannog 2014, 48%

 

„Matured by the sea“

Bayerischer Inselwhisky – klingt schon ziemlich verrückt. Gebrannt in der bayerischen Destillerie Slyrs mit Gerste, die auf den Feldern im nördlichen Sylt der salzigen Meeresluft ausgesetzt war. Zum Reifen dann in kleine, nicht näher definierte Eichenfässer gefüllt und am Sylter Hafen in List unter Deck des Schiffes „Angel’s Share“ gelagert – den Gezeiten, den Wettern und Temperaturen der rauhen Nordsee folgend.
Viele Whiskys werben mit Meeresaromen, hier sollen sie nun tatsächlich enthalten sein.
Ganze drei Jahre jung und somit knapp ein Whisky wurde er mit Sylter Quellwasser auf 48% reduziert und in insgesamt 2743 Flaschen gefüllt. Ohne Farbe und ohne Kühlfiltration.
Dann mal Leinen los!

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 Nase

Da ist dem Maat wohl die brennede Pfeife in den Gummistiefel gefallen – ein Dunst von verkokeltem Schwefel und Autoreifen schreckt meine empfindsame Nase. Also erst mal stehenlassen und Zeit gönnen. An der See hat man es eh nicht eilig.
Nach einem gedanklichen Inselrundgang ist der Schwefel zwar noch da, aber deutlich angenehmer. Milder Rauch mit leicht metallischen Noten mischt sich mit hinein, unterlegt von einer wirklich schönen malzigen Süße. Und ja – eine richtig salzige Brise Hafenluft kommt da aus dem Glas geweht. An Früchten hab ich helle Pflaumen und leicht vergorene Weintrauben und ein paar Zitrusfrüchte. Alles nicht tiefer als das Hafenbecken bei Ebbe, aber – bis auf den Schwefel – durchaus gefällig.

 

 Gaumen

Sehr würzig und voll startet er durch, süßer Honig mit einer leichten Pfeffernote. Und dann auch gleich wieder der Rauch, hier schon kräftiger als in der Nase und auch wieder mit einem Hauch Schwefel versetzt. Sehr fruchtig ist er nicht mehr, dafür kommt hier die Eiche mit herben trockenen Holznoten und einer würzigen Salzkruste mit voller Breitseite zum Vorschein.

Abgang

Da bleibt bis auf den Rauch, etwas Malz und einer leichten süß-herben Gewürznelke nicht viel.

 Kommentar

Tja – alles in allem bin ich wirklich positiv überrascht. Mein erster Slyrs Whisky, und ich bin nach vielen vernichtenden Kritiken schon mit dem einen oder anderen Vorurteil an diesen Whisky gegangen. Aber die Neugier und die Liebe zu See haben gesiegt und ich hab es nicht bereut.
Kein Whisky, der lange in Erinnerung bleiben wird, aber er wirkt insgesamt älter und reifer als nur drei Jahre und bietet genug Eigenheiten, um in der Flut der Whiskys – ich kann den maritimen Metaphern hier einfach nicht widerstehen – ein Zeichen zu setzen.

 

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Deanston 2008 Bordeaux Red Wine Casks, 58,7%

Deanston 2008 Bordeaux Red Wine Casks, 58,7%

 

Inzwischen scheint es schon zur Tradition bei Deanston geworden zu sein, gegen Jahresende fast still und heimlich mit einer limitierten Sonder-Abfüllung auf den Markt zu kommen. Dieser hier tauchte nur kurz mal in einigen niederländischen Shops zu einem sehr angenehmen Preis von ca. 50 Euro auf und war so schnell wieder verschwunden, das gar keine Zeit blieb, ihn zu hypen… 😀
Mit gerade mal neun Jahren Reifezeit allerdings auch relativ weit entfernt von einem Hype-Whisky…
Aber Alter ist bei einem Whisky bekanntlich nicht alles. Ich hatte schon ziemlich alte Whiskys, die mich richtig enttäuscht zurückließen, und sehr junge Whiskys, die mich begeistern konnten – letztlich entscheidet neben anderen Faktoren vor allem die Qualität des Fasses und der richtige Zeitpunkt. Bei Deanston hat das in den letzten Jahren sowohl bei richtig alten Abfüllungen (20 Jahre) als auch bei recht jungen Abfüllungen (10 Jahre) hervorragend funktioniert. Umso gespannter bin ich auf diesen Neunjährigen, der die komplette Zeit in ehemaligen Bordeaux-Fässern reifen durfte – der Farbe nach fanden da nur wenige Refill-Fässer Verwendung.
2016 und 2017 gab es bei Deanston vor Ort auch zwei fast gleichaltrige Handfilled-Whiskys, die ebenfalls jeweils in einem Bordeaux-Fass lagerten. Ich denke, aus verbliebenen Fässern wurde dann diese offizielle Abfüllung kreiert.
In die Flaschen kam der Whisky in voller Fassstärke mit 58,7% und ist üblicherweise nicht gefärbt und nicht kühlfiltriert.

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 Nase

Noch einen guten Meter vom Glas entfernt strömen bereits schon verführerische fruchtig-herbe Rotweinnoten in Richtung Nase. Näher dran verdichtet es sich auf eingekochte rote Grütze und kräftigen Muscovado-Zucker, der Alkohol sorgt für eine minzige Frische. Völlig untypisch hab ich hier eine salzig-ölige Schinkenwürze – sehr spannend! Dann wird es auch gleich schon wieder typisch Deanston mit aromatischem Kräuterhonig und Creme Brûlée mit gekochter Birne, ganz kurz blitzt mal Möbelpolitur auf, und ein Hauch frischer schwarzer Pfeffer kitzelt in der Nase. Der starke Alkohol ist durchaus spürbar, aber erträglich.

 

 Aroma

Ein echter Deanston: fetter süßer Antritt mit würzigen Kräuterbonbons, begleitet von scharfen Chilischoten – der Alkohol zeigt volle Präsenz! Dann gleich reife Johannisbeeren und Himbeeren, Rosinen, eingelegte Amarenakirschen und Saftorangen. Die Honigsüße schmeichelt noch kurz, bevor dann rasch herbe Tannine und trockenes Eichenholz für intensive Röstaromen sorgen. Dunkler herber Kakao, grober Tabak und tiefschwarzer Espresso bestimmen mehr und mehr den Charakter und lassen diesen Deanston deutlich älter erscheinen als die neun Jahre.
Wasser bringt zwar etwas mehr Frucht, betont aber auch die bitteren Noten – neat is beat!

 

 Abgang

Im mittellangen Abgang stechen vor allem zwei Aromen heraus – karamellisiertes Fruchtkompott und herbes Holz, etwas malzige Süße und Vollmichschokolade mit einer Prise Gewürznelke verbleiben dann am längsten.

 

 Kommentar

Verglichen mit dem Handfilled aus der Destillerie ist dieser hier überraschend kantig und schroff geraten. Die europäischen Eichenfässer leisten hier ganze Arbeit und sorgen für eine Trockenheit, die einem rubinroten Bordeaux durchaus gut ansteht. Ob man das in einem Whisky so möchte, muss jeder für sich entscheiden.
Von allen bislang jährlich erschienenen limitierten Abfüllungen ist das für mich die bislang schwierigste geworden, was ihn ja wiederum auch interessant macht. Mich konnte er jedenfalls begeistern, wenngleich er nich ganz an das Neveau der Vorgänger anknüpfen kann. Aber er ist ein weiterer Deanston, der das Prädikat „Lieblingsdestille“ weiter festigen kann!

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Glenrothes 2006 Single Cask #5465, 66,8%

Glenrothes 2006 Single Cask #5465, 66,8%

 

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Nach dem zehnjährigen Single Cask, der exklusiv für Abbey-Whisky abgefüllt wurde, hier gleich schon wieder eine gleichaltrige Einzelfassabfüllung, die für den britischen Markt bestimmt ist. Das Spannende dabei: zwei fast analog gereifte Whiskys, die man wunderbar vergleichen kann, vor allem, wie sich der Einfluss des Fasses auf das Endprodukt auswirkt. Beide in Sherry-Fässern gelagert, Glenrothes nutzt meist ehemalige Oloroso-Fässer.
Die Alkoholstärke ist mit 66,8% ebenfalls sehr hoch und verspricht volle Aromen. Die natürliche Farbe ist fast identisch mit dem Abbey-Whisky, ich finde ihn einen Tacken dunkler. Ich bin sehr gespannt und kann den Vergleich kaum erwarten!

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 Nase

War das Fass #5469 eher schwer und ölig mit vielen Gebäcknoten, so ist dieses Fass #5465 eindeutig auf der fruchtigen würzigen Seite, der Einfluss des Oloroso-Fasses ist unverkennbar.
Eingedicktes dunkles Früchtekompott frisch vom Herd, aromatische getrocknete Aprikosen, dazu wunderbar würziger Muscovado-Zucker und herbsüße Orangenschale in Salzkaramell. Auch habe ich hier deutlich mehr Gewürze, vor allem herbes Kardamom, Muskat und Zimtrinde, dazu etwas Marzipan. Ich hatte in Irland einmal das Vergnügen, Mince Pie zu essen und die Nase erinnert durchaus daran. Das Fass ist auch von Beginn an spürbar und das Holz wirkt kantig und feucht. Je länger man riecht, desto tiefer wird man hineingezogen in die dunkle würzige Aromenvielfalt dieses jungen Speysiders, immer mehr verdichtet sich alles zu einer hinreißenden Kombination aus Orangenfrucht, Gewürzen und altem Holz. Ich bin immer wieder erstaunt, wie voll und reif schon so junge Whiskys sein können, wenn sie in guten Fässern ausgebaut werden – faszinierend!

 

 Gaumen

Der Gaumen gehört ganz dem Fass, und es muss ein ziemlich altes Oloroso-Fass gewesen sein. Statt der markanten Ingwerschärfe des Schwesterfasses rinnt dieser Glenrothes prickelnd und mit deutlicher Fruchtsäure über die gesamte Zunge, saftige Orangen, Mandarinen und herbe Pampelmusen – die Speicheldrüsen laufen auf Hochtouren! Auch hier dann wieder süßer Rohrzucker, aromatischer Pfeifentabak, eingelegte Rosinen und viele Gewürze wie Nelken, Zimt und Muskatnuss vertiefen das Geschmacksbild enorm. Das Fass bringt schnell auch herbe, trockene und muffig-feuchte Holznoten und bremst den Speichelfluss wieder. Schöne Tannine legen einen leichten Pelz auf die Zunge.

Abgang

Der Abgang gestaltet sich eher mittellang und ist geprägt von süßen Orangen, Trockenpflaumen, altem feuchten Eichenholz und einer malzigen herben Süße. Insgesamt fruchtig-trocken und etwas herb.

 

 Kommentar

Ich mag Whiskys, bei denen es so richtig rund geht. Und das tut es hier! So wenig ich die Einstiegs-Standards von Glenrothes mag – so sehr können mich solche Perlen aus dieser Speyside-Destillerie begeistern.
Die Abfüllungen der beiden 2006er Single Casks müssten aufgrund der nahe beieinanderliegenden Fassnummern recht zeitgleich geschehen sein und beide lagen fast gleichlang im Fass, aber es sind unter ziemlich identischen Bedingungen zwei sehr unterschiedliche Charaktere herausgekommen – ein schönes Beispiel über den wichtigen Einfluss des Fasses auf den endgültigen Whisky. Bei beiden ist der Glenrothes-Stil noch deutlich erkennbar, dieses Fass hier aber ist weniger rund, hat deutliche Ecken und Kanten, vor allem das offensichtlich alte Oloroso-Fass prägt das Gesamtbild und lässt den Whisky mit trockenen Sherryaromen und vor allem den ausgeprägt „alten“ Eichennoten älter erscheinen, als er ist. Das alte Holz des Fasses ist von der Nase bis zum Abgang präsent und macht diesen jungen Glenrothes zu einem kleinen Erlebnis. Im Abgang merkt man die Jugend, aber in der Nase und am Gaumen ist er wirklich umwerfend. Vor allem die anfängliche prickelnde Säure, das muffige Holz und die schönen Orangen haben es mir angetan!

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