Old Perth Cask Strenght No.1 Red Wine, 58,1%

Old Perth Cask Strenght No.1 Red Wine, 58,1%

Rotwein-Finish – kauf ich!
In letzter Zeit drängen mehr und mehr Whiskys auf den Markt, die am Ende ihrer Reifung noch eine mehr oder weniger lange Nachreifung in diversen Rotweinfässern erhalten haben. Bei einigen geht es durchaus mal in die Hose, aber sehr oft erweitern die Rotweinfässer die Grundstruktur eines Whiskys mit vielfältigen, oft süß-säuerlichen Fruchtnoten und es entstehen dadurch echte Perlen, die mir sehr oft besser schmecken, als Sherry-Whiskys.
So auch dieser blended Malt von Old Perth, über den ich bislang zwei Versionen der enthaltenen Malt-Whiskys finden konnte. Laut einer britischen Informationsseite sind hier Whiskys der Destillerien Aultmore, Mortlach, Tomatin und Ben Nevis enthalten. Laut Info eines großen deutschen Online-Versandhändlers sind dagegen Whiskys von Inchgower, Auchroisk, Benrinnes und Balmenach in diesem Batch verschnitten worden. Wie auch immer – entscheidend ist, was hinten rauskommt.
Der Blend reifte dann noch in Zweigelt-Trockenbeerenauslese-Fässern eines burgenländischen Winzers und kam dann in voller Stärke und ohne Farbstoff und Kühlfiltration in die Flaschen. Diese erste Ausgabe der Cask-Strenght-Reihe von Old Perth ist auf knapp 1200 Flaschen limitiert

 

unbenannt-5112-Bearbeitet-2

 

 Nase

Schon beim ersten Riechen meine ich, die dunkle Schokolade und den mineralischen Rauch von Ben Nevis zu erkennen. Und ich finde auch die typische Grasigkeit und das milde Heu des Aultmore in der Nase wieder.
Neben dem Rauch drängeln sich frischer süßsaurer Kirschsaft und auch eingelegte Kirschen Richtung Nase, cremige Vanille, süße Saftorangen, dunkler Karamell, Zartbitterschokolade. Das Eichenholz kommt mit einer schönen Würze und bringt Aromen von Zedernholz ins Spiel.
Mit etwas Wasser hab ich leichte Schwefelnoten, wer das – wie ich – nicht mag, genießt ihn besser unverdünnt.

 Geschmack

Der Alkohol kommt mit voller Wucht und füllt den Mund mit warmer und knackiger Schärfe. Und auch der milde Rauch ist gleich da, aber er weicht schnell den anderen Aromen. So strömen dann auch gleich viele süß-säuerlichen Fruchtaromen prickelnd über die Zunge, gefolgt von aromatischem Honig, Süßholz, gekochtem Beerenkompott mit Vanille und saftigen Pampelmusen. Die Fässer hinterlassen mit herben und richtig holzigen Noten schöne würzige und anhaltende Aromen.

Abgang

Im ziemlich langen Abgang verbleiben leichter Rauch, Eichenholz, süßherbe Fruchtnoten und dunkles Karamell.

Kommentar

Aus welchen Whiskys er auch immer verblendet wurde – alles ist sehr vollmundig und stimmig, wenngleich auch nicht übermäßig komplex. Die Rotweinfässer geben nicht nur optisch was her, sondern runden diesen Blend mit sehr schönen süffigen Fruchtaromen ab. Ein überzeugender und erstaunlich preiswerter blended Malt, den ich schnell zu meinem momentanen Lieblings-All-Day-Dram gekürt habe.

 

unbenannt-5771-Bearbeitet-2

Michel Couvreur ‚Cœur de Cave‘ Triple Wood, 53%

Michel Couvreur ‚Cœur de Cave‘ Triple Wood, 53%

Die Whiskys von Michel Couvreur sind schon eine kleine Besonderheit. Faktisch sind sie ein Blend aus schottischen Single Malt Whiskys, da sie aber nicht komplett in Schottland gelagert und abgefüllt wurden, dürfen sie sich nicht „Scotch“ nennen. Gelagert wurden sie zu einem Großteil nämlich in zum Teil sehr alten Wein- und Sherryfässern in noch älteren Gewölbekellern im Burgund. Ob der Ort des Lagerns sich letztendlich nachweisbar auch auf den Geschmack des Fassinhalts auswirkt, ist reine Spekulation, aber ein schönes Storytelling und die dazugehörigen Bilder im Kopf machen auch einen Großteil des Genießens aus und beeinflussen mehr oder weniger bewusst natürlich auch das Geschmacksempfinden. Nicht umsonst werden um viele NAS-Abfüllungen einprägsame Geschichten erfunden oder mystische Namen oder Orte bedient.
Die Abfüllung Overaged  aus bis zu 27 Jahre alten Single Malts verschiedener Destillerien war jedenfalls überaus gelungen.

Diese Abfüllung hier ruhte über einen Zeitraum von insgesamt 13 Jahren in drei verschiedenen Fässern – in ehemaligen Bourbon- und PX-Fässern und in einem sehr alten Oloroso-Fass. Das verspricht eine reiche Palette an Aromen.

unbenannt-3423-bearbeitet-bearbeitet

Nase

Direkt nach dem Einschenken erst mal Ernüchterug – der ist etwas flau im Glas, da kommen vor allem dumpfe erdige und etwas sprittige Töne. Ein Whisky also, dem man etwas Zeit gönnen sollte. Nach gut 30 Minuten Standzeit dann tatsächlich ein völlig anderer Whisky, da erwartet die Nase ein wunderbares Kompott aus süßsauren Früchten, richtig lange gekocht und leicht angesetzt, dazu eingelegte Rosinen, Marzipan, ein würziger Waldhonig und frischer Tabak. Und dann kommt das Holz – säuerlich-muffig, durchtränkt und erdig – als stünde man wirklich andächtig im alten Gewölbekeller der Couvreurs im Burgund und hat den Staub und die kühlen dicken Steinwände samt Spinnweben im schummrigen Licht vor Augen.

Geschmack

Im Mund zuerst eine zuckrige Süße, wieder schöner Pfeifentabak und ein ganzes Gewürzregal mit süßem Zimt und herben Nelken und Cardamom, Piment und etwas Pfeffer. Die Früchte – vor allem kandierte Pflaume und trockene Pfirsiche – halten sich hier etwas zurück. Dagegen ist hier das Holz sehr dominant, aber nicht so bitter und alles trockenlegend wie bei so manch anderer holzlastigen Abfüllung. Hier spürt man wirklich das Alter des Holzes, nicht die lange Lagerzeit des Whiskys.

Abgang

Auch im Abgang ist das Eichenfass vordergründig, untermalt von einer malzig-cremigen Süße und etwas Anis. Sehr lange hält das leider nicht an, dann bleibt noch etwas süßliche Bitterkeit übrig.

unbenannt-3430-bearbeitet

Kommentar

Hätter er länger in diesem ausgesucht alten Fass gelegen, wäre er sicherlich bald weniger genussvoll geworden. So ergänzen sich hier ein noch recht junger Blend aus Malts und ein altes Fass zu einem spannenden Endprodukt, das durchaus begeistern kann. Nicht überaus komplex, aber mit sehr schönen Holznoten, die ich hier trotz ihrer Dominanz nicht störend empfand. Sehr schön ausbalanciert.

unbenannt-3428-bearbeitet

Michel Couvreur Overaged, 53%

Michel Couvreur Overaged, 53%

Ein französicher Whisky? Mitnichten, da stecken zu 100% schottische Single Malts drin. Michel Couvreur war ein französischer Weinhändler, der sich in den Achtzigern auf den Import und die Weiterverarbeitung von schottischem Whisky spezialisiert hat. Leider verstarb er vor einigen Jahren, sein Sohn führt seine große Leidenschaft aber mir dem gleichen Enthusiasmus weiter und lagert den importierten Whisky in ihren alten Weinkellern im Burgund in zum Teil sehr alten Wein- und Sherryfässern und blenden sie dann zu ganz speziellen und einzigeartigen Abfüllungen, in denen sich dann entsprechend viele jüngere und sehr alte Whiskys wiederfinden. In dieser Abfüllung „Overaged“ sind Whiskys mit einem Alter zwischen 12 und 27 Jahre verschiedener schottischer Destillerien enthalten, die vornehmlich in Sherryfässern gelagert wurden.

Das Öffnen der eckigen Flasche mit dem schönen Vintage-Etikett stellt schon die erste Herausforderung dar. Versiegelt mit rotem Hartwachs sollte man da erst gar nicht mit scharfen Gegenständen ran, sondern den Tip mit dem heißen Wasser beherzigen: den Verschluss einfach für 10-20 Sekunden in heißes Wasser tauchen, dann wird das Wachs weich und man kann es recht einfach abhebeln. Dann benötigt man noch einen Korkenzieher, denn verschlossen ist die Flasche mit einem normalen Weinkorken. Sehr stilvoll!
Nach dieser Anstrengung hat man sich ein Glas dann wahrlich verdient!
Abgefüllt mit 53% (es gibt noch eine Variante mit 43%!) und natürlich nicht gefärbt und nicht kühlfiltriert.

unbenannt-1399-Bearbeitet

 

Aroma

Leichte Schwefelnoten, malziger Demerara-Zucker, süße Vanille, tiefdunkle Früchte und Trockenobst, Pfeifentabak, leichten Rauch nehme ich auch wahr, könnte aber nicht sagen, ob er von einem der beteiligten Whiskys oder von den Fässern stammt. Der Alkohol hält sich trotz der 53% sehr dezent im Hintergrund.

Geschmack

Die Riechzellen hatten schon ordentlich zu tun, die Geschmacksknospen sind nun schon fast überfordert! Von allen Seiten strömen die Aromen herbei, alles sehr kräftig und vollmundig. Leicht prickelnde säuerliche dunkle Früchte lassen den Speichel fließen, dazu starker Röst-Kaffee, eine schwere und würzige karamellige Süße, die an Ahornsirup erinnert, erdige Noten, Muskatnuss, schöne Tannine, altes, leicht muffiges feuchtes Holz, und wieder leicht rauchig. Insgesamt eine überwältigende Aromenvielfalt.

Abgang

Wärmend, sehr lang und sehr aromatisch, eine dunkle malzige Süße, eingelegte Rosinen und wieder feinherbe Tannine von alten Fässern. Der vorher nur dezent wahrnehmbare Rauch ist hier deutlicher und haftet zusammen mit der Süße extrem lange am hinteren Gaumen.

Kommentar

Dieser „französische“ Whisky wird allenthalben hochgelobt – und das völlig zu Recht! Ein überaus komplexer, vielschichtiger und spannender Whisky, der vor allem am Gaumen und beim ewig langen Abgang überzeugt! Hier stört nichts, alles ist sehr schön aufeinander abgestimmt und bietet ein Gesamtbild, das nur begeistern kann. Bleibt zu hoffen, dass nach dem Tod von Michel Couvreur die Tradition und die hohe Qualität der Whisky- und Fassauswahl erhalten bleibt!
Absolute Empfehlung!

92/100

 

unbenannt-1388-Bearbeitet-2