Arran Amarone Cask Finish, 50%

Arran Amarone Cask Finish, 50%

unbenannt-4915-Bearbeitet-Bearbeitet

Amarone ist ein schwerer, trockener und extrem dunkler und aufgrund seines sehr aufwendigen Herstellungsverfahrens leider auch sehr teurer Rotwein aus dem Valpolicella . Die ausgesuchten Trauben werden mehrere Monate lang getrocknet und müssen immer wieder gewendet und aussortiert werden und bündeln dadurch sehr intensive Fruchtnoten, die dem Wein voluminöse dunkle Beeren- und würzige Kirsch- und Lakritzaromen spendieren. Der vorgeschriebenen mehrjährigen Lagerung in Eichenfässern verdankt der Amarone dann die namensgebende herbe Trockenheit. Amarone ist neben guten Primitivos einer meiner Lieblingsweine, ich genieße ihn aufgrund des hohen Preises aber leider eher selten.

In so einem großartigen Fass nun wurde dieser Arran gefinished. Wenn ich es richtig überschaue, ist das bereits die dritte Auflage der Cask-Finish-Serie, zu der auch dieser hier gehört. Früher hieß es, es sei ein Standard 10jähriger Arran aus Ex-Bourbon-Fässern, der dann noch für eine unbestimmte Zeit in den Rotweinfässern gelagert wurde. Genaue Angaben dazu sucht man leider vergebens. Bislang war der Arran Amarone immer schnell ausverkauft, und auch diese dritte Auflage ist inzwischen bei einigen Händlern schon knapp geworden.

Abgefüllt wurde er mit 50% und ist nicht gefärbt und nicht kühlfiltriert.

unbenannt-4911-Bearbeitet-Bearbeitet-2

 Im Glas

Heller Roséwein, fast lachsfarben, die Beine laufen rasch die Glaswand herab.

 Nase

Püriertes Beerenkompott mit saftigen Brombeeren, reifen Erdbeeren, Himbeeren und Kirschen, kühlende Minze mit Menthol, süßer Vanillezucker, nicht die aromatische Bourbon-Vanille, sondern schon eher Richtung Vanillin, ein paar milde Gewürze, ein zarter dumpfer Blecheimer (vielleicht doch jünger als 10 Jahre?) und mit Wohlwollen etwas Eiche.

Geschmack

Leicht pfeffriger prickelnder Antritt, die Frucht wirkt nicht überladen, breitet sich sanft und allmählich im ganzen Mund aus, dazu eine angenehme Trockenheit der Tannine, die nicht adstringiert, eine schöne Honigsüße, ein Hauch aromatisch-süßer Langpfeffer, etwas Gewürznelke und nun auch deutlich mehr Eiche als in der Nase

Abgang

Im warmen Abgang trockene Eiche mit leichten Fruchtnoten und Weinaromen, ein süßes Campino-Fruchtbonbon bleibt noch lange hängen.

Das leere und leicht angetrocknete Glas riecht deutlich nach Rotwein.

 Kommentar

„Das soll Whisky sein?“ ist man fast geneigt zu fragen. Die Farbe ist schon sehr speziell und allein diesen Arran im Glas zu sehen, schon ein kleines Erlebnis.
Insgesamt ist das kein übermäßig komplexer Whisky, an dem man ewig herumschnuppern kann, aber er weiß in fast allen Belangen zu gefallen. Den Amarone-Einfluss merkt man aufgrund der wirklich schönen Beerenfrüchte deutlich und allein die Farbe macht sich toll im Glas. Ein ganz wunderbar leichter Sommerwhisky mit einem tollen PLV, den man an milden Abenden im Garten beim Grillen oder auf der Terrasse genießen kann. Und man kann damit auf Sommerpartys endlich all den Roséwein-Schlürfern lächelnd zuprosten und dabei unbemerkt seinem Hobby frönen. 🙂

unbenannt-4913-Bearbeitet-Bearbeitet

Talisker Port Ruighe, 45,8%

Talisker Port Ruighe, 45,8%

Talisker – auch so eine Destille, die ich gerne mögen würde. Der Ruf der einzig wahren maritimen Inselbrennerei eilt ihr voraus und die Schar der Fans ist groß. Ich mag Whiskys mit maritimem Einschlag, das Salz, die Rauheit des Meeres – wenn mir solche Aromen entgegenschlagen, ist mein Herz eigentlich schon erobert. Bei Talisker hatte ich immer gemischte Gefühle. Einerseits gehe ich schon immer etwas voreingenommen an Whiskys heran, die künstlich gefärbt und kühlfiltriert sind – denn das ist heutzutage kaum noch kundenorientiert. Andererseits fehlte mir vor allem beim Mundgefühl immer das gewisse Etwas, das Markante und Spannende. Selbst eine hochprozentigere Sonder-Abfüllung, die ein Freund direkt in der Destillerie erworben hat, konnte mich nicht wirklich überzeugen.

Da ich Portwein-Lagerung sehr mag, gebe ich Talisker abermals eine Chance und hab mir den Talisker Port Ruighe erst mal als Sample besorgt. Vielleicht schafft er es ja dann mal als große Flasche in meinen Schrank.
Wie schon erwähnt: gefärbt und kühlfiltriert und abgefüllt mit den für Talisker üblichen 45,8%.

unbenannt-3552-bearbeitet-3

 Nase

Süßer, leicht metallischer Rauch, aromatisches maritimes Salz wie an einem Kai, an dem das beständig schwappende Wasser eine dicke Salzkruste hinterlassen hat, vermengt mit ein paar Algen und Muscheln, etwas feuchtes Holz wie von knarzenden Fischerbooten am Steg. An Frucht hab ich vor allem Datteln und Pflaumen und getrocknete Aprikosen, dazu ein paar dezente Gewürze

 Geschmack

Trockener Rauch und eine säuerliche Fruchtsüße fluten den Mund und sorgen für ordentlich Speichel. Eine kurze heftige Schärfe bringt zwar schönen Pep, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass alles insgesamt recht flau und wässrig erscheint. Alles ist leider nicht sonderlich komplex und tief. Da gibt es kaum etwas, auf dem es sich lohnen würde, länger herumzukauen, um die Aromen weiter zu vertiefen.

 Abgang

Im Nachklang hängen vor allem ein milder Rauch und Fruchtsüße, entfernt auch etwas herbe Eiche.

 Kommentar

Wie die meisten Talisker finde ich die Nase sehr spannend, den metallischen Noten im Rauch merkt man die Anteile sehr junger Whiskys an, das Salz ist sehr maritim und unterstreicht den Inselcharakter hier deutlich. Der Einfluss der Portfässer gagegen ist nicht sehr dominant und bringt kaum Fruchtnoten, die irgendeinen Unterschied zu gewöhnlichen Sherry-Reifungen ausmachen würden. Im Mund hab ich dann das gleiche Problem, wie bei allen bisherigen Talisker – mir ist das zu verwässert und lasch. Talisker ist einfach nicht meine Destillerie.
Wäre der insgesamt länger gereift und hätte vor allem mehr Prozente und eine längere Lagerung in Portweinfässern – das wäre dann durchaus ein sehr runder und gelungener Malt.

unbenannt-3545-bearbeitet

Abhainn Dearg 2008, 46%

Abhainn Dearg 2008, 46%

Mal etwas aus dem Kuriositäten-Kabinett…

Die Destillerie Abhainn Dearg ist die einzige Brennerei auf den äußeren Hebriden, gelegen auf der Isle of Lewis. 2008 wurde dort mit dem Brennen gestartet und 2011 wurde der erste dreijährige Whisky abgefüllt.
Bis ich dieses Sample des dreijährigen Malts von einem Freund aus Schottland mitgebracht bekam, hatte ich ehrlicherweise noch nie etwas von dieser Brennerei gehört.

Es ist immer spannend, einen sehr jungen Whisky einer neuen Brennerei zu probieren. Er ist oft noch recht wild und ungezähmt, die Fässer, in denen er so kurz reifte, konnten noch nicht viel Arbeit leisten. Aber so ein Whisky kann eine Richtung vorgeben, einen Brennereicharakter, und eignet sich dadurch sehr, den späteren Einfluss der Fässer auf den Whisky zu studieren.
Abgefüllt wurde er mit schönen 46% und ohne Farbe oder Kühlfiltration.

unbenannt-3535-bearbeitet

Nase

Sofort sehr fruchtig und krautig, fluffig, unreife Birnen, Mirabellen, frisch gemähtes nasses Gras, Seetang am Strand, Blütenhonigsüße, das ganze unterlegt mit einer dezenten cremigen Würzigkeit und frischem Butterteig und einem Hauch Eiche. Etwas jungen Blecheimer nehme ich auch wahr. Alkohol ist kaum spürbar. In der Nase eher wie ein seltsam aromatisierter Wodka als ein Whisky.

Geschmack

Eine fischige Katzentrockenfutter-Note Marke Brekkies, malzige Süße, wieder metallische Noten, eine wärmende Schärfe, Eiche ist nur sehr dezent spürbar.

Abgang

Im Abgang überwiegen die malzige Süße und frisches grasiges Heu, das alles ist recht schnell vorbei.

Kommentar

Nach dem ersten kleinen Schluck hab ich kurz überlegt – spucken oder schlucken… Brekkies mit Fisch erwarte ich nicht mal von Islays Südküste. In der Nase finde ich ihn für einen so jungen Whisky durchaus schon recht komplex und sehr fruchtig, sein junges Alter verrät eigentlich nur die leichte metallische Note und die überaus zarte Eiche. Da hatte ich gleichaltrige, die da deutlich minimalistischer waren.
Potential ist durchaus vorhanden und ältere Abfüllungen werde ich gern noch mal probieren, in der Hoffnung, dass die deutlichen Fehlnoten dann ausgemerzt sein werden.
Fortsetzung folgt… in einigen Jahren

unbenannt-3539-bearbeitet-2

Tobermory 20, 55,8% (Whic)

Tobermory 20, 55,8% (Whic)

Das ist der zweite Tobermory, den ich aus der Whic-Eigenabfüllung probiere. Der erste war ebenfalls beeindruckende 20 Jahre alt und kam auch aus einem Hogshead. Dieser zwanzigjährige reifte ebenfalls in einem Hogshead und wurde mit 55,8% ohne Farbstoff und ohne Kühlfiltration abgefüllt.

 Aroma

Etwas verhalten strömen der Nase schöne Fruchtnoten entgegen, vor allem sehr saftige und eher herbe Zitrusfrüchte wie Pomelos, Limetten und Pampelmusen, dazu etwas frischer Pfeffer. Mit ein wenig Wasser übernehmen mildere Früchte wie Birnenpüree und etwas Banane das Ruder. Dazu dann eher relativ frische Eichennoten – fast wie aus einem Virgin Oak – und nun auch noch etwas Vanille.

 Geschmack

Wow, neben einer schönen alkoholischen Schärfe füllt eine schwindelerregende Süße den gesamten Mundraum, vor allem cremiger würziger Wald-Honig und Karamell. Und hier macht sich das Alter mit kräftigen herben Eichennoten richtig bemerkbar, die einen schönen Kontrapunkt setzen und nach und nach immer stärker werden. Die Früchte aus der Nase halten sich eher zurück.

 Abgang

Im ziemlich langen und wärmenden Ausklang bleiben vor allem milde Birnen, die schöne Honigsüße und die kräftige Eiche hängen.

 Kommentar

Stille Whiskys sind tief!

Da sieht man, wie stark die Fassreifung den End-Charakter eines Whiskys bestimmt! Der erste Tobermory aus dem Hause Whic hatte fast identische Eckdaten, aber sie sind doch zwei ganz verschiedene Brüder! Sozusagen Zwillinge, die bei unterschiedlichen Vätern groß wurden…
Dieser Tobermory ist trotz seines imposanten Alters kein lauter Vertreter. Er kommt vor allem in der Nase eher zurückhaltend und leise daher und offenbart seine Komplexität fast schon schüchtern. Insgesamt ist das ein sehr feiner 20jähriger, der Zeit und Aufmerksam braucht, damit man sein Potential entdecken kann. Lässt man sich auf ihn ein, wird man mit einem reich gefüllten Fruchtkorb und ungewöhnlichen Holznoten belohnt.

Vielen Dank an Arne Wesche von Whic für das Sample!

unbenannt-2712-bearbeitet

Tobermory 20 Jahre, 54,8% (Whic)

Tobermory 20 Jahre, 54,8% (Whic)

Ich kenne bislang nur den zehnjährigen Tobermory, und der konnte mich nicht wirklich begeistern – ihm merkte man das junge Alter zu deutlich an.
So war ich denn gespannt auf diesen 20jährigen aus meinem großen Whic-Tasting, der komplett in Bourbon Hogshead reifte und in Fassstärke mit 54,8% abgefüllt wurde. Ohne Farbe und ohne Kühlfiltration. Liest sich alles sehr gut, also ab ins Glas.

Aroma

Sofort kräftige Eiche, dann saftige Früchte wie Birne, Pflaume, Apfelmus. Und ich habe auch Salz, würziges Heidekraut und buttriges Shortbread. Der Alkohol ist schön ins Gesamtgemenge eingebunden Mit ganz wenig Wasser kommt auch noch eine schöne Vanillenote – nicht sehr stark, aber da.

Geschmack

Im Mund kommt er dann richtig fett, ein toller ölig-würziger Antritt mit viel Holz, einer grandiosen Karamell-Süße und einem schönen Früchtepotpourri. Der Alkohol kommt pfeffrig aber nicht sprittig, sondern schiebt die Aromen alle richtig in den Vordergrund. Der ganze Mundraum ist gefordert, der Speichel fließt und die Aromen werden immer feiner und komplexer, je länger er im Mund verweilt – eine Herausforderung bei der Stärke…

Abgang

Im wirklich langen Abgang hab ich in erster Linie eine schöne Wärme, dann wieder zwar herbe aber trotzdem sehr aromatische Eichennoten, Frucht und eine krautige Süße.

Kommentar

Die Nase ließ erst einen relativ unspektakulären Whisky vermuten. Alles sehr nett und auch durchaus komplex, aber die Erwartungen an einen 20jährigen setzen die Messlatte schon recht hoch. Im Mund geht er dann aber ab!  Fett und ölig legt er los und da merkt man dann auch das Alter.

Ein sehr schöner Whisky, der mich vor allem im Geschmack restlos begeistern konnte. Danke an Whic für die zur Verfügung gestellten Samples!

unbenannt-0427-Bearbeitet