Bruichladdich Radoux Redwine Cask 63,5%

Bruichladdich Radoux Redwine Cask 63,5%

 

Ein Bruichladdich aus einem Radoux-Rotwein-Fass, klingt klasse. Aber Radoux sagt erst mal nichts darüber aus, was für ein Wein da vor dem Befüllen mit dem Whisky im Fass war, sondern in erster Linie etwas über die Qualität des Fasses. Denn Radoux ist nicht etwa eine Rebsorte oder ein Weinanbaugebiet, sondern ein namhafter französischer Hersteller von Eichenfässern jeder Art vornehmlich für die Weinindustrie, der inwischen auch in die USA expandiert hat. Dass sie dafür nur das beste französische und amerikanische Eichenholz benutzen, bürgt schon seit 1947 für Qualität. Jede einzelne Fassdaube lässt sich per eingelasertem Strichcode einer bestimmten Intensität an Tanninen zuordnen, so dass erfahrene Küfer ein ideales und individuelles Fass für jeden gewünschten Reifungsprozess zusammenstellen können. Modern Times.

In einem dieser Fässer nun lag 13 Jahre lang dieser Bruichladdich, der von einem Freund des Brühler Whiskyhauses über Umwege und geheime Kanäle, die nur eingeweihten Einhornjüngern bekannt sein dürften, für ebenjenes ergattert werden konnte. Viele Wochen der Ankündigungen gingen dem tatsächlichen Erscheinen voraus und die wenigen Flaschen waren schon zu der Zeit ausverkauft. Ich konnte mir jedoch durch eine Flaschenteilung eine durchaus verwertbare Menge sichern und freute mich wie die meisten auf die Ankunft in Deustchland. Und als es nach vielen schottischen Wirrungen und Umwegen dann endlich soweit war, standen mir als gestandenem Sulfurphobiker geradezu die Haare zu Berge – den ersten Eindrücken zufolge ist es offenbar wider Erwarten eine Schwefelbombe geworden.
Schwefel taugt in Verbindung mit Holzkohle und anderen Zutaten wunderbar zum Herstellen kleiner Sprengladungen, um ganze Playmobil-Bauten anderer Kinder mit ordentlich Krach und Getöse und Gestank in die Luft zu jagen und – hoppla, ich schweife ab… und verjährt sind die Taten inzwischen ohnehin…
Zumindest gehört Schwefel meiner Meinung nach nicht in Whisky und ich habe schon des Öfteren bereits bei Spuren davon meine Nase gerümpft. Olfaktorisch für mich also ein trump’sches total desaster…

Nun denn, die Flasche ist da und guten Mutes ab ins Glas damit. Stolze 63,5% Alkohol sind nach 13 Jahren Lagerung noch übrig. Müßig zu erwähnen, dass auf Kühlfiltration und Färbung verzichtet wurde.

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 Nase

Tja – was soll ich sagen. Mein großes Glück war offenbar der Erwerb einer Anbruchflasche, deren Inhalt schon genug Zeit zum Atmen hatte. Von Schwefel erst mal keine Spur. Puhhh… Mein erleichtertes Aufatmen sollte man noch in Brühl und Porz vernommen haben.
Schwefellos, aber auch etwas verhangen und blass finde ich ihn. Ein paar Tropfen Wasser – und er öffnet sich schlagartig. Er startet sodann mit einer grandiosen süßen Vanille, die an leckeren holländischen Fla-Pudding erinnert. Und dann ist da gleich auch die typische, dreckige und leicht hingerotze Bruchladdich-Schmuddel-Würze aus dem Hafenbecken mit etwas angebranntem Räucherschinken mit dicker Salzkruste. Wunderbar! Hartes dunkles Karamell und reife Feigen kommen hoch – eine sehr süffige Kombination, die ich auch mal in der Küche probieren muss! Es wird saurer, aber keine Zirusfrüchte, eher Richtung Rhabarberkompott und Quitte. Erdig und etwas schroff kommen die Eichennoten, von einem Rotweinfass merke ich noch nicht wirklich viel – keine Beeren oder rote Früchte. Den Alkohol spürt man nur hin und wieder. Und auch mit noch so viel Konzentration – kein Schwefel!

 Geschmack

Mit einer üppigen warmen Süße startet er kraftvoll am Gaumen – und dann sind sie da, die erhofften Weinnoten! Vergorene helle Trauben mit einer schönen säuerlichen Note – ich hätte ohne Vorkenntnis ja eher auf einen fruchtig-süßen Weißwein getippt. Auch hier wieder gekochter saftiger Rhabarber mit Vanillesoße. Die Tannine der französischen Eiche sind kräftig, belegen die Zunge mit einem leichten Pelz, die schöne erdige Würze erinnert an Pu-Erh-Tee,  Salzkaramell erweitert das süße Spektrum um noch mehr Nuancen. Und immer wieder die schönen pritzeligen Weinaromen, die sich nach vorne drängeln. Die Eiche ist auch immer spürbar, ist herb und holzig und erinnert an kantiges abgelagertes Bauholz.

 Abgang

Im Abgang verbleiben die leicht salzige Würze, mildes Eichenholz und schöne weinige Aromen kleben richtig lange am oberen Gaumen. Der wirkt noch richtig nach – wunderschön.

 Kommentar

Die Ankündigung eines Schwefel-Whiskys ließ mich fast zögern – wie gut, dass ich dann doch probiert habe. Er braucht offenbar wirklich einfach Zeit zum Atmen, dann verschwindet der Schwefel gänzlich. Und übrig bleibt ein kleines Laddie-Juwel mit ungewöhnlich schönen hellen Weinnoten. Rotweinfässer können einen Whisky wunderbar ergänzen – oder ihn gänzlich zerstören. Gerade bei eher leichten Whiskys ist die Gefahr der Überlagerung mit Weinnoten recht groß. Hier hat es ganz wunderbar funtioniert. Bruichladdich ist ein sehr kräftiger und charaktervoller Whisky, den man mit speziellen Fasslagerungen sehr schön ergänzen kann. Und der Grundcharakter von Bruichladdich ist immer unverkennbar präsent. Einer der schönsten Laddies, die ich seit langem im Glas hatte!
Sehr schade, dass ich aufgrund meiner doofen Arbeitszeiten keine ganze Flasche ergattern konnte.
Zwei beinahe zeitgleich abgefüllte Port Charlotte aus unterschiedlichen Rotweinfässern klingen ebenfalls extrem spannend – liegen preislich aber leider weit jenseits meiner Gehaltsklasse.

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Bunnahabhain 2008 DT for „The Inner Circle“, 53,3%

Bunnahabhain 2008 DT for „The Inner Circle“, 53,3%

Die erste Abfüllung, die exklusiv für eine Facebook-Gruppe von Arne von Whic.de organisiert wurde, war sehr begehrt und es gab deutlich mehr Interessenten als Flaschen. So entschied ein Losverfahren die Zuteilung – und ich ging leider leer aus. Einzig ein kleines Sample konnte ich ergattern.
Es handelt sich um einen 9jährigen Bunnahabhain von der Insel Islay aus der Octave-Serie von Duncan Taylor. Nun bin ein kein großer Freund dieser Octave-Abfüllungen, bei denen meiner Meinung nach schwache Fässer durch eine Nachreifung in den kleinen Octaves, die aus ehemaligen Sherryfässern hergestellt wurden, aufgepeppt werden.
Sei’s drum, einem Bunna kann ich nie widerstehen und ich hatte bislang auch noch keinen, der mir überhaupt nicht zugesagt hat. Und ich hatte derer schon Einige.
Und entscheidend ist – wie ja eigentlich immer – was hinten rauskommt.

Abgefüllt wurde dieser hier, wie erwähnt, für eine Facebook-Gruppe und der Bunna kam in Fassstärke mit 53,3% in die insgesamt nur 82 Flaschen.

 

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Auge

Schönes leuchtendes dunkles Altgold strahlt aus dem Glas, die Beine sind dünn und träge.

Nase

Initial strömt mir frisches Brioche entgegen, leicht buttrig und hefig. Dann folgen aber schon die für Bunnahabhain so typischen maritimen Aromen nach salziger Gischt und Meeresluft. Etwas überreife Zitrusfrüchte, die inzwischen mehr süßliche als saure Noten verströmen, bringen eine junge Fruchtigkeit ins Spiel. Schwere dunkle Sherry-Aromen kann ich nicht wirklich finden. Je länger er im Glas atmet, desto deutlicher kommen dagegen schöne süße Vanille-Aromen zum Vorschein. Etwas Salbei und frisches Menthol bringen einen kühlen Hauch, kantiges glattes Holz sorgt für etwas Fasseinfluss. Der Alkohol frotzelt ein wenig in der Nase.

Gaumen

Im Mund gleich sehr wuchtig und aromatisch, eine grasige und krautige Würze mit schönem Wiesenhonig und Vanillewaffeln. Salz und Zitrone – für einen kurzen Moment glaube ich mich bei einem Tequila-Tasting… Das Salz ist schön in eine karamellige Süße eingebunden, die allerdings nicht lange vorhält. Trocken und herb drängen polierte und hell glänzende Eichennoten nach vorn und erinnern mich in ihrer Intensität und schroffen Art schon fast an jungfräuliches Virgin-Oak.

Abgang

Im warmen und mittellangen Abgang verbleiben vor allem schöne süße Malznoten, Gerstenhalme und etwas Anis.

Kommentar

Für echte Tiefe und Komplexität fehlt es ihm an Jahren der Reifung – dass kann auch die Nachreifung für ein paar Monate in einem kleinen und reaktionsfreudigen Octave nicht ausbügeln. Mir sind ja dominante Sherry-Whiskys, wie sie mittlerweile austauschbar den Markt zu beherrschen scheinen, inzwischen fast ein Graus, aber hier vermisse ich dann doch das eine oder andere entsprechende Aroma. Aber insgesamt ein schöner junger und gefälliger Bunnahabhain, der vor allem im Mund Freude macht und seine Herkunft nicht verleugnet. Eine gelungene Gruppenabfüllung.

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Kilchoman Red Wine Cask, 50%

Kilchoman Red Wine Cask, 50%

 

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Obwohl schon einige Kilchoman ihren Weg in mein Glas fanden, wird das meine erste offizielle Review, weil ich nicht ungerecht urteilen wollte. Denn mit Kilchoman hab ich mich bislang immer schwer getan. Ich fand die kleine Farm-Destille mit ihrer jungen Geschichte und dem engagierten Enthusiasmus von Anfang an sehr sympathisch und probierte eine ganze Menge ihrer frühen Abfüllungen – aber so wirklich warm konnte ich mit keiner werden. Die Jugendlichkeit und fehlende echte Reifung schmeckten für mich einfach zu deutlich durch. Zudem fand ich die Preise für drei- bis vierjährige Whiskys schon ziemlich sportlich, was aber noch durchgehen mag angesichts der tollen handwerklichen Arbeit, die auf Islay‘s einziger Farm-Destille geleistet wird. Und die einnahmenschwache Startphase bis zur ersten anständig gereiften Abfüllung muss auch kompensiert werden.
Nun denn, dieser knapp fünfjährige Kilchoman ist kein Finish, sondern reifte die komplette Zeit in portugiesischen Rotweinfässern. Schon mal genau mein Beuteschema. Er wurde mit den für Kilchoman üblichen 50% abgefüllt und ist nicht gefärbt oder kühlfiltriert.

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 Auge

Ein schönes Kupfer-Rotbraun, dem man die Reifung in den Rotweinfässern deutlich ansieht, ohne zu sehr ins poppige Pink abzudriften, wie man es von manchen anderen Whiskys kennt.

 Nase

Den Rauch von Kilchoman empfand ich immer als aschig-scharf mit metallischen Anklängen – ganz anders hier: süßer aromatischer Rauch weht mir hier aus dem Glas entgegen, erinnert an einen milden Ardbeg mit abgelöschtem Lagerfeuer. Und dann schlägt auch gleich schon das Rotweinfass durch – es wird fruchtig. Vor allem süßes frisches gezuckertes Erdbeerpürree mit Vanille, säuerlich herbes Johannisbeergelee und etwas kühlende Pfefferminze. Im Sommer pule ich immer gern die dunkelroten Kerne von Granatäpfeln und die aromatisch süßen und leicht herben Aromen habe ich auch hier. Die Vanille in Verbindung mit dem Rauch erinnert mich ein wenig an leicht angesetzten Grießpudding. Mildes Eichenholz schimmert auch durch, gibt ein wenig trockene Tiefe. Alkohol ist präsent, stört aber nicht wirklich.

 Gaumen

Auch hier ist der Rauch auf der eher süßlich-milden Seite angesiedelt, ist aber etwas trockener und aschiger als in der Nase und dominiert das ganze Geschehen. Die Komplexität der Nase finde ich hier nicht ganz so ausgeprägt wieder, ein wenig undifferenzierter. Wieder eher rote herbsüße Früchte, vor allem wieder die Johannisbeeren, die schön mit Vanille harmonieren. Dafür ist das Eichenholz hier deutlicher als in der Nase und gibt – vermutlich im Einklang mit den Tanninen des Rotweins – richtig schöne herbe und dunkle Holznoten zum Gesamtbild dazu. Durch alles zieht sich eine kontinuierliche schöne pfeffrige Schärfe, die bis zum Abgang anhält.

Abgang

Etwas beißender Rauch, leicht fruchtig-rote Süße mit etwas Gerstenmalz und weg ist er. Spätestens hier schlägt die Jugend dann schon durch. Der Rauch hält sich am längsten.

Kommentar

Eine sehr schöne, vielversprechende Nase, am Gaumen dann aber etwas flacher und im Abgang erwartungsgemäß schwächelnd. Letztlich aber einer der schönsten Kilchomans, die ich im Glas hatte. Noch zwei drei Jahre länger im Fass – das wäre ein wirklich großartiger Malt geworden!
Preislich schon recht hart an der Schmerzgrenze für einen so jungen Whisky, aber besser als so mancher vergleichbar teurer NAS irgendeiner Hype-Destille ist er allemal! Mein Radar in Richtung Kilchoman ist mit dieser doch schönen Abfüllung auf jeden Fall justiert.

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Bunnahabhain XXV 25yo, 46,3%

Bunnahabhain XXV 25yo, 46,3%

 

Ich kam zurück an einen langen Strand,
das geschmiedete Hufeisen einer Bucht,
und fand nur die ewigen
Kräfte des donnernden Atlantiks…

Seamus Heaney

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Wenn eine Brennerei das Thema „Meer“ verinnerlicht hat, dann ist das wohl Bunnahabhain. Bei keinem anderen Whisky finde ich so schöne Aromen nach Meer und rauher See wie hier.
Bunnahabhain gehört für mich zu den sympathischsten und leckersten Brennereien auf Islay. Eher leise und unauffällig produzieren sie dort einen für Islay auf den ersten Blick eher untypischen Whisky mit wenig Rauch, wenngleich sie in letzter Zeit auch immer öfter sehr rauchige Whiskys wie den Moine Oloroso veröffentlichen.
Neben zum Teil stark limitierten Whiskys, die ebenfalls ohne Lautmalerei und Werbetrara veröffentlich werden und die man eher zufällig entdeckt und die dank einer inzwischen großen Fangemeinde schnell reißenden Absatz finden, ist bereits die Standardrange mit den typischen Altersangaben 12, 18 und 25 beeindruckend. Um Letzteren geht es hier.
Dieser 25jährige ist mit seiner edlen und mit Stoff ausgeschlagenen Holzbox und dem beigelegten Pergament-Brief ein echter Eyecatcher. Passt leider nicht in meinen Schrank und sowas macht mich normalerweise auch erst mal skeptisch. Normalerweise – denn bislang wurde ich von Bunna bis auf wenige unabhängige Abfüllungen noch nicht enttäuscht.
Bunna-typisch mit den üblichen 46,3% abgefüllt und wie immer ohne Farbstoff oder Kühlfiltration.

 

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Schwer und ölig wie Schiffsdiesel bei Seegang schwappt er im Glas, die Farbe würde ich als sattes Altgold mit einem deutlichen Kupferton bezeichnen.

 Nase

Aus der Flasche strömen mir sofort tiefe dunkle Sherrynoten entgegen, mit weicher Backpflaume und Gewürzen. Im Glas dann aber erst mal hellere Früchte wie Mirabellen, gärige Trauben und auch gelbgrüne Äpfel und Birnen. Eine frische Meeresbrise mit salziger Gischt und nassem Holz – ich hab gleich einen alten kleinen Fischkutter mit verwitterten Planken und Seepocken am Rumpf vor Augen, der sich durch die tief-dunkle See kämpft. Immer tiefer werdend kommen dann auch wieder die würzigen Trockenpflaumen, kandierte Früchte vom Rummelplatz, krümeliges Karamell und eine fette Vanille. Knarzende alte Lederriemen und altes feuchtes Eichenholz setzen sich nach und nach immer deutlicher durch. Einer dieser wunderschönen Whiskys, an dem man ewig weiter riechen könnte.

Geschmack

Auch hier schlagen die dunklen Früchte gleich voll zu, ohne allzu sherrylastig zu sein, sehr schön! Wärmend und ölig läuft er über die Zunge, kerniges Karamell, sämige Vanille und eingelegte Rosinen machen den Anfang. Gefolgt von Amarena-Kirschen aus dem Glas, kandierte saftige Pflaumen und Demerarazucker. Etwas dunklen würzigen Tabak hab ich auch. Die Komplexität der Nase kann er allerdings nicht ganz halten, die Aromen sind nicht so fein strukturiert. War die Nase ein fein gewebter Seidenteppich mit klaren Mustern und Konturen, gleicht der Gaumen eher einem gröberen Wollteppich. Tief und rund und schön, aber eben etwas diffiziler zu ergründen. Die Eiche ist auch hier kräftrig und prägnant, aber trotz des hohen Alters nicht dominant, sondern rundet das komplexe Gesamtbild sehr schön ab.

 Abgang

Im Abgang vor allem altes Eichenholz, würziger Honig und wieder kandierte dunkle Früchte. Lang und fett zieht sich das hin.

Kommentar

Die Nase ist hinreißend, wie ein Rundgang über einen Rummelplatz am windigen Fischerhafen. Voll, komplex und tief wie die See an einer stürmischen Steilküste. Am Gaumen auch sehr komplex und erhaben, aber mit etwas weniger Tiefgang und Fülle. Alles in allem aber ein wunderbar runder Malt mit den nötigen Ecken, ohne dass irgendwas störend dominieren würde. Teuer – ja, aber eben auch sehr schön! Es gibt deutlich lautere, aber auch langweiligere Hype-Malts, die zu ähnlichen Preisen gehandelt werden. Zum stillen Genießen nicht nur an stürmischen Abenden sehr empfohlen!

 

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Bruichladdich 26 Jahre Whiskybroker, 47,3%

Bruichladdich 26 Jahre Whiskybroker, 47,3%

Colour matters! Das zeigt sich auch und vor allem wieder mal an diesem Whisky. Behandelte meine letzte Rezension einen extrem jungen Malt,so hat dieser hier mehr als die fünffache Reifezeit vorzuweisen.
Ein 26 Jahre alter Einzelfass-Bruichladdich in Fassstärke zu einem unglaublich günstigen Preis, der nicht sofort ausverkauft ist, sagt alles. Im Verhältnis dazu war ein vergleichsweise deutlich teurerer und nur 10 Jahre alter Laddie dieses Abfüllers aufgrund seiner dunkleren Farben quasi binnen Minuten nach Erscheinen ausverkauft und der Server des Shops kam zum Erliegen.
Die Farbe ist für einen 26 Jahre alten Whisky aus einem Hogshead tatsächlich erstaunlich hell. Das dürfte wohl dem schon mehrfach benutzten Refill-Fass geschuldet sein, das hier augenscheinlich zum Einsatz kam – was grundsätzlich kein Nachteil sein muss, denn ein sehr frisches Fass liefert zwar meist eine beeindruckende Farbe, überlagert aber mit seinen dominanten Aromen nicht selten den kompletten Charakter eines Whiskys und lässt ihn dadurch schnell mal beliebig werden. Refill-Fässer geben dem Eichenholz deutlich mehr Chancen auf differenziertere leichtere Aromen und lassen dem Whisky Platz für Eigenheiten. Zudem weiß man bei einem Hogshead nie so recht, aus was für Dauben es zusammengesetzt wurde, da kann im Grunde alles Mögliche aufgearbeitet worden sein.

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 Aroma

Helle Früchte wie Birne, grüner Apfel, deutliche Zirusfrüchte, vor allem Orangen und Orangenschalen, cremiger Blütenhonig. Anfangs ist er sehr zaghaft und leicht und zeigt kaum was von der typischen Laddie-Würze – man könnte ihn fast für einen leichten Speysider halten. Nach reichlich Zeit im Glas kommt dann aber doch noch etwas von der salzigen Schinkenwürze, wenn auch weiterhin sehr verhalten. Eichennoten nehme ich trotz des hohen Alters nur dezent wahr. Trotz der relativ geringen Fassstärke ist der Alkohol die ganze Zeit spürbar.

 Geschmack

Kräftiger Antritt, extrem süß und cremig,  auch hier wieder eher helle Fruchtnoten, vor allem Trauben und Mirabellen, dann aber auch würziger salziger Schinken und kräftige trockene Eiche. Da zeigt sich schon deutlicher, aus welcher Brennerei dieser Whisky stammt.

 Abgang

Hier wieder eine schöne cremige Honigsüße und würzige Eichennoten, die relativ lange aber unspektakulär nachhallen.

Kommentar

Ein ziemlich leiser und feiner Vertreter dieser für viel Würze und Meeresaromen bekannten Destillerie, dem man sein hohes Alter zu keinem Zeitpunkt anmerken kann. Durchaus interessant, mal einen so alten Whisky zu probieren, der derart wenige Aromen übernehmen konnte. Normalerweise wäre so ein Fass ein typischer Kandidat für eine Nachreifung gewesen und das hätte diesem Whisky auch gut getan. Mir ist er deutlich zu unspannend und seicht in seinem Charakter – vor allem für einen so alten Bruichladdich.
Nett“ ist hier das passende Adjektiv. Kann, aber muss nicht.

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„Williamson 5 Jahre“ von A.D. Rattray, 61,3% (Laphroaig…)

„Williamson 5 Jahre“ von A.D. Rattray, 61,3% (Laphroaig…)

In Ermangelung alter Abfüllungen geht der Trend vor allem bei unabhängigen Abfüllern zusehends in Richtung junge Whiskys. Vor ein paar Jahren hätte sich kaum jemand getraut, als Altersangabe eine dicke fette „5“ auf’s Etikett zu drucken. Das umging man mit den mittlerweile ziemlich ungeliebten NAS. Aber mittlerweile ist Juvenilität schon fast chic und trendy und man muss selbst für solche extrem jungen Malts schon Preise hinlegen, für die man auch hochwertige zweistellige Abfüllungen bekommen kann. Hier scheint das Angebot (und die dazugehörige hippe Werbung) die Nachfrage zu bestimmen…

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Auf diese Flasche des unabhängigen Abfüllers A.D. Rattray wurde ich mit einiger Vehemenz aufmerksam gemacht, als ich zum Stöbern mal wieder im kleinen örtlichen Whiskyladen vorbeischaute. Frisch angeliefert und nur sehr wenige Flaschen vorrätig wurde eine Flasche sodann gleich geöffnet und ich wurde schon fast genötigt, als Erster daran zu schnuppern. Große Ehre. Und dann – Rauch!
Das Etikett ist hier erst mal ziemlich verwirrend. Ein Blended Malt mit dem Namen Williamson. Noch nie gehört! Dazu dann aber die Info „Individual Cask“, eine Fassnummer und exakte Daten, wann destilliert und wann abgefüllt wurde.

Ein wenig Recherche bringt dann Klarheit. Es handelt sich um einen sogenannten „Teaspooned Whisky“ – ein Kniff, wenn Destillerien die Namensnennung aus Markenschutzgründen untersagen. Dann kippt man obligatorisch einen Teelöffel eines anderen Whiskys – in diesem Fall soll es Bowmore gewesen sein – in das Fass und hat dann somit keinen Single Malt mehr, sondern einen Blended Malt, der nun noch einen netten Namen erhalten muss, der am besten mehr oder weniger offensichtlich auf den tatsächlichen Inhalt hindeutet.

Dass sich nun Laphroaig in dieser Flasche befindet, auch darauf gibt es genügend Hinweise. Als Herkunft wird Islay genannt und in der Geschichte von Laphroaig gab es eine Bessie Williamson, die als Bürokraft bei Laphroaig ihre Karriere begann und nach dem Tod des Gründers Ian Hunter von 1954 bis 1972 Besitzerin und Managerin von Laphroiag wurde. Ihre strikten Brennvorgaben gelten bis heute. Und sie gilt inzwischen als eine Ikone und Vorreiterin der selbstbewussten Frauen vor allem – aber nicht nur – in der Whiskywelt. Ihr zu Ehren fand dieser Whisky seinen Namen.
Dieser Laphroaig lag nun also fünf Jahre lang in einem Sherry-Butt und wurde ohne Farbstoff und ohne Kältefiltration mit starken 61,3% auf Flaschen gezogen. Und hat schon eine ansehnliche Farbe mitgenommen. Honiggolden leuchtet er im Glas, mal schauen, was er an Aromen zu bieten hat.

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 Nase

Eher mineralischer als phenolischer Rauch mit einer leicht metallischen Note, darunter dann schon dunkle und säuerliche Früchte, vor allem Beeren, ein schöner Demerara-Zucker, verkrustetes Salz, ein paar Rosinen, alles nicht sehr tiefgründig, aber für 5 Jahre hat er neben der Farbe auch schon eine Menge Aromen entwickeln können.

 Geschmack

Im Mund dann kräftiger trockener aschiger Rauch, ein scharfer Antritt und eine schöne malzige Süße, wieder ein paar Beeren, frisch geschälte Orangen, geröstete Pinienkerne, salzig-maritime Würze. Je länger er im Mund weilt – was bei der Alkoholstärke schon Überwindung kostet – desto vollmundiger wird er und die Süße tendiert immer mehr Richtung Karamell und Rohrzucker. Und selbst nach erst 5 Jahren hab ich schon dezente Eichennoten am Gaumen.
Wasser – auch gering dosiert – schwächt ihn leider merklich, also in voller Stärke genießen!

 Abgang

Im Abgang dominiert erwartungsgemäß der Rauch, der auch hier eher trocken und wie ein fahles erloschenes Holzfeuer schmeckt, eine schöne Süße und sehr dezente Früchte sorgen aber für ein abmilderndes Gegenstück.

 Kommentar

Dieser Laphroaig kam bei Einigen nicht gut an, er war ihnen zu eindimensional. Ich brauchte auch einige Drams, um sein Potential zu entdecken. Ihm fehlt natürlich die Komplexität älterer Abfüllungen, aber er ist ein faszinierendes und recht seltenes Beispiel aus der Kinderstube von Laphroaig, ein noch ziemlich wilder und ungehobelter Malt, der aber schon ganz klar zeigt, dass er ein Kind Islays ist. Ich mag ihn.
Solch extrem junge Malts sind aber nicht mein Trend, ich betrachte sie persönlich als interessante Kuriosität und fassmanagementbedingte Zwangsmaßnahme. Aber es geht halt nun mal nichts über einen anständig gereiften Malt! Amen.

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Bunnahabhain Moine Oloroso, 60,1%

Bunnahabhain Moine Oloroso, 60,1%

Wenn eine Brennerei eine limitierte Abfüllung ankündigt, ist oft Eile geboten, möchte man noch stolzer Besitzer einer solchen Flasche werden. Zumal, wenn sie nur für einem bestimmten Markt vorgesehen ist – in diesem Fall anfänglich nur für den britischen.
Bunnahabhain ist nun nicht gerade bekannt für aufgeblasenes Marketing a la Ardbeg, die alljährlich mit besonderen und exklusiven Abfüllungen die Hype-Mentalität durch wochenlange virale Werbung ganz bewusst zu schüren scheinen. Und es funktioniert ja auch jedes Mal.
Dieser Bunna nun ist eine Vermählung von sieben ehemaligen Oloroso-Fässern, in denen sehr stark rauchiger Bunnahabhain lagerte. Über das Alter der einzelnen Fässer wurde nichts veröffentlicht, somit erscheint diese Abfüllung ohne Altersangabe.

Abgefüllt wurde der Whisky in Fassstärke – die ja eigentlich eine Batch-Stärke ist – und wie bei Bunnahabhain üblich nicht gefärbt und nicht kühlfiltriert.

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Nase

Schon nach dem Plopp des Korkens erahnt man, was einen erwartet – so intensiv drängen die Aromen an die Luft, als bräuchten sie diese zum Atmen…
Milder mineralisch-metallischer Rauch, etwas Schwefel, muffige Algen und teerverschmierte Gummistiefel … puuh – durch dieses zähe Hafen-Dickicht muss sich die Nase erst mal durcharbeiten… dann aber sehr schöne würzige süße Holznoten, Sandelholz, Zeder, sehr dunkler Demerara-Zucker, frischer grob gemahlener Pfeffer, gebackene Salzkruste, frischer Tabak, kräftiges Salzkaramell, Fruchtnoten habe ich nur wirklich sehr dezent in der Nase, ich könnte sie nicht genau aufdröseln.

 Geschmack

Trockener qualmender aschiger Rauch, als hätte jemand schnell ein Lagerfeuer abgelöscht, pfeffrige Schärfe, Karamellsüße, hier kommt auch mehr Frucht als in der Nase, Pflaumenkompott und Rosinen, wieder schöner süßer flambierter Rohrzucker

 Abgang

Wärmend gleitet er die Speiseröhre hinab, Gaumen und Rachen sind wie belegt – oder sollte ich sagen wie betäubt? – mit kalter Asche, eine flüchtige Fruchtsüße nehme ich noch wahr, das war es dann aber auch schon

 Kommentar

„Wir können auch anders“ scheint mir hier die Devise bei Bunnahabhain gewesen zu sein. Mit dieser schon fast hingerotzten schmuddeligen Abfüllung wollte man sich ja vielleicht vom Image des „Milden aus dem Norden Islay’s“ ganz bewusst mal absetzen.
Dieselqualm und Maschinenraum – solche extremen Noten, wie ich sie schon mehrfach lesen konnte, hatte ich jetzt nicht, aber dieser Bunna bedient schon ein paar Extreme und es gibt da durchaus auch Aromen, die ich weniger schön fand. Ich mag ja Whiskys mit Ecken und Kanten, aber hier scheint mir der Wille zum Ungestümen dann doch etwas zu übertrieben. Die Grundstruktur mit den wunderbaren Holznoten finde ich grandios, mir fehlt es aber vor allem an der feinen und unaufdringlichen Komplexität, die ich an Bunna so liebe. Und trotz betonter Oloroso-Lagerung und der dunklen Farbe ist das auch keine rauchende Sherry-Bombe, das Gesamtbild wird eindeutig vom fahlen herben Rauch und einer schönen dunklen und durchaus vielschichtigen Süße dominiert.
Selten brauchte ich derart viele Drams, um mich einem Whisky zu nähern. Die Geduld lohnt sich durchaus, wenngleich es Punktabzug für die anfänglich unsaubere Nase und den überraschend kurzen und klanglosen Abgang geben muss.

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