Highland Park 13yo (Drankdozijn Edition), 66,5%

Zugegeben, das hier war ein reiner Farbkauf. Ich hatte mal wieder richtig Lust auf ein Sherrymonster, und da kam mir dieser verlockend dunkle Highland Park unter die Finger. Es handelt sich hierbei um eine auf 635 Flaschen limitierte Sonderabfüllung für das zehnjährige Jubiläum des niederländischen Online-Händlers „Drankdozijn“, und sie hatten ihn kurz vor Weihnachten mit einer Reduzierung um 35€ gegenüber dem Originalpreis im Angebot. Da konnte ich nicht widerstehen.

Anders als viele ebenso extrem dunkle Whiskies, die in den letzten Monaten auf den Markt kamen, wurde er nicht bloß schön-gefinished (aus extrem hell mach mit einem feuchten Fass mit reichlich Rest-Sherry innerhalb kürzester Zeit extrem dunkel…), sondern dieser hier lag 13 Jahre lang in einem First-Fill Sherry-Butt aus europäischer Eiche und ist eine Single-Cask-Abfüllung. Damit ist eigentlich schon alles gesagt. Abgefüllt in voller Fassstärke mit beeindruckenden 66,5% Alkohol. Nicht kühlfiltriert und die Farbe stammt ausschließlich vom Sherryfass.

Auge
Im Glas liegt er beeindruckend dunkel und ölig wie ein stark gebrühter Schwarztee und funkelt verlockend. Nach dem Schwenken halten sich die kleinen, perlenkettengleich aufgreihten Tröpfchen zäh und lange an der Glaswand, bevor sie langsam in den Whisky zurückfließen. Da kündigt sich Großes an!

Nase
Was dem Auge versprochen wurde, wird in der Nase eingelöst – und wie!
Unverdünnt erst mal etwas sprittig, danach kommen gleich heftige dunkle Eichennoten durch. Herb und leicht muffig, das muss ein richtig altes Fass gewesen sein. Die typischen Sherryaromen, die ich erwarte, zeigen sich höchst bedeckt und sind bestenfalls zu erahnen. Der Alkohol ist zu dominant. Also vorsichtig Wasser rein und neuer Versuch. Und was soll ich sagen – er erblüht geradezu. Als hätte ich einen unsichtbaren Deckel vom Glas genommen, strömen mir plötzlich süßer würziger Demerara-Zucker und ein Füllhorn an tiefdunklen Trockenfrüchten entgegen. Eingelegte Rosinen, vanillig-süßer Pfeiffentabak und saftige Datteln kommen da, geschälte Orangen und weiterhin altes muffiges Holz, aber deutlich milder und eher im Hintergrund. Selbst mit Mühe findet meine Nase nicht mal den Ansatz von Rauch oder sonstiger HP-DNA. Da hat das Fass ganze Arbeit geleistet.

Gaumen
Unverdünnt auch hier direkt sehr sprittig, scharf und pfeffrig brennend, dazu eine fast beißende Bitterkeit des alten Eichenholzes. Mit Wasser auf gut 50% verdünnt beginnt dann auch hier eine faszinierende Metamorphose: die scharfe Sprittigkeit verschwindet fast vollständig, mit einer immensen Wucht füllt sich der ganze Mund mit einer sehr würzigen Süße und äußerst aromatischem Trockenobst. Ein Ebenbild der Nase, Rosinen, dunkle Datteln, süße Orangen und getrocknete leicht geschwefelte Aprikosen. Herb-süßer Pfeiffentabak könnte vielleicht etwas vom typischen HP-Rauch andeuten. Und dann kommt eine trockene Eichenfront mit einer adstringierenden erdigen Bitterkeit, die sich leicht pelzig auf die Zunge legt. Sie fällt aber deutlich milder aus als zu Beginn vor der Verdünnung und ergänzt das Gesamtbild um eine schön eingewobene herbe Holzigkeit, ohne alles zu überdecken. Bei einem Blindtasting hätte ich bei der Auflösung auf einer Verwechslung bestanden. 13 Jahre? Nie und nimmer!

Abgang
Spätestens hier offenbart er dann sein Alter. Gaukelt er vor allem am Gaumen einen richtig alten Sherry-Whisky vor, so bringt der eher recht kurze Abgang die Wahrheit ans Licht. Nichtsdestotrotz zeigen sich auch hier schöne süße und würzige Sherryaromen eingebettet in einer kräftigen trockenen Eichenholznote, aber das hält nicht allzulange an.

Kommentar
Ufff – was haben die da abgefüllt? Gemeinhin spricht man bei solchen extrem intensiven Sherry-Whiskies von einer Sherry-Bombe – dieser hier ist diesem Terminus folgend eine Atombombe! Blind hätte ich einen dezent überlagerten 25jährigen oder sogar älteren vermutet, einzig der eher kurze Abgang verrät sein recht junges Alter.
Einen Highland Park vermag ich da nicht mehr zu erkennen, sogar der dezente Rauch hat keine Chance. Aber die Wucht, mit der er einen da geradezu aus dem Glas anspringt, ist für 13 Jahre schon sensationell! Und die recht dominante herb-trockene Eichennote zeigt, dass er kein Jahr zu früh aus dem Fass geholt wurde.
Er profitiert auch sehr durch Verdünnen, die holzige Bitterkeit geht deutlich zurück und die Süße und Komplexität nehmen dramatisch zu. Dieser Whisky ist geradezu ein Paradebeispiel dafür, wieviel Einfluss ein Fass auf einen Whisky nehmen kann. Hier sicherlich am extremen Skalen-Ende der additiven Reifung, aber es gibt leider zunehmend Whiskies auf dem Markt, die sich dank ausgelaugter Fässer eher am anderen Ende dieser Skala befinden.
Dieser Highland Park ist nicht der beste Whisky, den ich 2021 im Glas hatte, aber ohne Frage der intensivste und wandlungsfähigste und damit faszinierendste. Hier kann man richtig gut mit Wasser experimentieren und sich wirklich lange beschäftigen.
Würde ich ihn noch mal kaufen? Wenn es ihn wieder im Angebot gäbe, durchaus. Dann ist der Preis für einen 13jährigen zwar immer noch ganz schön heftig, aber hier bekommt man auch richtig was geboten. Und schaut man sich die Preise an, die HP mittlerweile für seine inzwischen oft eher mediocren Standardabfüllungen – verpackt in albernen Mythenmumpitz – aufruft, ist das ja dann schon fast ein Schnäppchen für das Gebotene…


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