Nikka Pure Malt Black, 43%

Nikka Pure Malt Black, 43%

 

 

jap ein Vorstoß in den fernen Osten.
Dies wird eine etwas längere Einführung. Das ist meiner zunehmenden Faszination für japanischen Whisky und der Kultur im Allgemeinen geschuldet. Wen das nicht interessiert, kann gern zur Verkostung weiterscrollen.

jap ich liebe Asien, die Unterschiedlichkeit der verschiedenen Kulturen und Religionen. Ich habe Asien früher viel bereist, oft auf abenteuerlichen Wegen, von Pakistan und China über Indien, Tibet, Nepal, die Mongolei und Südostasien. Ich liebe das Ursprüngliche, die Abgeschiedenheit und die Gewaltigkeit der höchsten Gebirge, das dampfende Grün der Dschungel, den dieselgeschwängerten Dreck der flirrenden lärmenden Großstädte, die Einfachheit und Herzlichkeit der Menschen.
Bis nach Japan hab ich es nie geschafft. Zu fern war mir immer die Kultur, zu streng und so völlig gegensätzlich. Hätte ich einen Garten, würde der mit ziemlicher Sicherheit chaotisch, wild und wenig japanisch aussehen. Andererseits beeindruckt mich aber genau diese exakt geplante Aufgeräumtheit japanischer Gärten, wo nichts dem Zufall überlassen wird. Jeder Stein und jedes Muster im Sand folgt einer strengen Rationalität und man hat das Gefühl, auch jede Kirschblüte soll genau so wachsen, wie sie wächst. Dagegen verstört mich das extrem widersprüchliche Leben dort, dieses so uneinheitliche Konglomerat aus uralter Tradition und der gehetzten Moderne. Aber genau das macht es auch so spannend.

 

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jap japanischen Whisky gibt es erst seit gut 90 Jahren. Die glanzvolle Ära der Samurai und die damit verbundenen Traditionen wichen der harten Industrialisierung und der Moderne und Japan wollte schnellstmöglich so westlich wie möglich werden. Damals schickte der Gründer von Suntory einen Mitarbeiter nach Schottland, damit dieser dort das hohe Handwerk der Whiskyherstellung erlernte. Er kehrte nach Jahren samt Fachwissen und schottischer Ehefrau nach Japan zurück und gründete einige Jahre später dann selbst sein eigenes Unternehmen: Nikka.
Japaner sind Kontrollfreaks und Perfektionisten, sie wollen möglichst wenig dem Zufall überlassen. Wildwuchs wird bei einem Bonsai nicht gestattet – er hat genau so perfekt zu wachsen, wie der Schöpfer es sich vorstellt.
Aus genau dem gleichen Grund sind Single Cask Abfüllungen selten und begehrt und wohl ein reines Eingeständnis an den westlichen Konsumenten. Denn auch ein Whisky muss kontrolliert werden, das Ergebnis ist genau geplant. Die hohe Kunst des Blendings.
Da es in Japan zu wenige Destillerien mit verschiedenen Charakteren gibt, macht man eben auch die verschiedenen Whiskys einfach selber. So hat jeder Hersteller mehrere Destillerien an Standorten mit unterschiedlichen klimatischen Bedingungen gebaut und es finden sich in den meisten Destillerien auch verschieden große Brennblasen und verschiedene Mashtuns aus unterschiedlichen Materialien und es werden verschiedene Hefen eingesetzt, um die Einflüsse auf das Endprodukt möglichst komplex zu halten. Und auch bei den Fässern setzt man auf Vielfalt – neben den üblichen Ex-Bourbon- und Sherry-Fässern kommen auch Fässer aus japanischer Mizunara-Eiche zum Einsatz.

jap ich hab lange gebraucht, bis ich mich an japanischen Whisky gewagt habe. Und ich muss gestehen, dass mich auch das überaus schlichte strenge Design der Flaschen schon fast zu einem Kauf genötigt hat. Umso gespannter nun bin ich auf den Inhalt. Und da wird es schon schwierig.
Nikka, nach Suntory der zweitgrößte Whiskyproduzent Japans, hat in dieser kleinen „Pure Malt“-Serie insgesamt drei verschiedenen Abfüllungen herausgebracht. Black, White und Red – zu unterscheiden an der Farbe des Etiketts.
Welche Whiskys nun genau in dieser Abfüllung „Black“ enthalten sind, darüber gibt es sehr widersprüchliche Informationen. Auf dem Karton stehen zwar augenscheinlich Informationen drauf, aber leider nur auf Japanisch. Und die Webseite von Nikka gibt da keinerlei Auskunft.
Offiziell sind hier Malts der zwei großen Nikka Brennereien Yoichi und Miyagikyo enthalten, wobei hier deutlich mehr Yoichi enthalten sein soll. Aufgrund der Rauchigkeit gehen viele Rezensenten aber auch davon aus, dass hier schottischer Malt für den Blend verwendet wurde. Ralfy meint sogar, Ben Nevis herauszuschmecken. Da Ben Nevis inzwischen dem Nikka-Konzern gehört, wäre das gar nicht so abwegig. Verifizierbar ist das allerdings nicht, es bleiben reine Mutmaßungen. Die Brennerei Yoichi jedenfalls stellt auch rauchigen Whisky her, von daher liegt es schon nahe, dass es sich um einen rein japanischen Blend handelt.

 

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  jap nase

Sanfter mineralischer Rauch, Kirschsaft und viele zum Teil ungewöhnliche Fruchtnoten, Birnen, gelbe Äpfel und Mirabellen, noch unreife Erdbeeren, Vollkorn-Müsli, frisches Gras, Ingwer, etwas Pfeffer. Vom Gesamtbild her erinnert er mich zum Teil an einen jungen Cooley/Teeling mit etwas mehr Pep.

 

  jap geschmack

Auf dem Gaumen auch sofort schöner Rauch, deutlicher als in der Nase. Trotz 43% ein kräftiger würzig-scharfer Antritt, der die Fruchtigkeit schön hervorbringt. Dazu eine schöne malzige Süße und Karamell und trockene Eichennoten. Alles allerdings weniger vielschichtig als in der Nase.

 

  jap abgang

Der Abgang ist relativ kurz und schmerzlos, etwas Rauch, eine grasige Note und Malzbonbons bleiben nicht sehr lange hängen.

 

  jap kommentar

Also, Ralfys Vermutung mit einem Ben Nevis im Batch kann ich so gar nicht nachvollziehen – ich finde keinerlei Merkmale, die für einen Ben Nevis sprächen.
Alles in allem ein sowohl milder als auch kräftiger und vor allem in der Nase durchaus komplexer Whisky, der auch aus Irland hätte stammen können. Sauber und ohne Fehlnoten, leider auch ein wenig langweilig.

 

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„Williamson 5 Jahre“ von A.D. Rattray, 61,3% (Laphroaig…)

„Williamson 5 Jahre“ von A.D. Rattray, 61,3% (Laphroaig…)

In Ermangelung alter Abfüllungen geht der Trend vor allem bei unabhängigen Abfüllern zusehends in Richtung junge Whiskys. Vor ein paar Jahren hätte sich kaum jemand getraut, als Altersangabe eine dicke fette „5“ auf’s Etikett zu drucken. Das umging man mit den mittlerweile ziemlich ungeliebten NAS. Aber mittlerweile ist Juvenilität schon fast chic und trendy und man muss selbst für solche extrem jungen Malts schon Preise hinlegen, für die man auch hochwertige zweistellige Abfüllungen bekommen kann. Hier scheint das Angebot (und die dazugehörige hippe Werbung) die Nachfrage zu bestimmen…

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Auf diese Flasche des unabhängigen Abfüllers A.D. Rattray wurde ich mit einiger Vehemenz aufmerksam gemacht, als ich zum Stöbern mal wieder im kleinen örtlichen Whiskyladen vorbeischaute. Frisch angeliefert und nur sehr wenige Flaschen vorrätig wurde eine Flasche sodann gleich geöffnet und ich wurde schon fast genötigt, als Erster daran zu schnuppern. Große Ehre. Und dann – Rauch!
Das Etikett ist hier erst mal ziemlich verwirrend. Ein Blended Malt mit dem Namen Williamson. Noch nie gehört! Dazu dann aber die Info „Individual Cask“, eine Fassnummer und exakte Daten, wann destilliert und wann abgefüllt wurde.

Ein wenig Recherche bringt dann Klarheit. Es handelt sich um einen sogenannten „Teaspooned Whisky“ – ein Kniff, wenn Destillerien die Namensnennung aus Markenschutzgründen untersagen. Dann kippt man obligatorisch einen Teelöffel eines anderen Whiskys – in diesem Fall soll es Bowmore gewesen sein – in das Fass und hat dann somit keinen Single Malt mehr, sondern einen Blended Malt, der nun noch einen netten Namen erhalten muss, der am besten mehr oder weniger offensichtlich auf den tatsächlichen Inhalt hindeutet.

Dass sich nun Laphroaig in dieser Flasche befindet, auch darauf gibt es genügend Hinweise. Als Herkunft wird Islay genannt und in der Geschichte von Laphroaig gab es eine Bessie Williamson, die als Bürokraft bei Laphroaig ihre Karriere begann und nach dem Tod des Gründers Ian Hunter von 1954 bis 1972 Besitzerin und Managerin von Laphroiag wurde. Ihre strikten Brennvorgaben gelten bis heute. Und sie gilt inzwischen als eine Ikone und Vorreiterin der selbstbewussten Frauen vor allem – aber nicht nur – in der Whiskywelt. Ihr zu Ehren fand dieser Whisky seinen Namen.
Dieser Laphroaig lag nun also fünf Jahre lang in einem Sherry-Butt und wurde ohne Farbstoff und ohne Kältefiltration mit starken 61,3% auf Flaschen gezogen. Und hat schon eine ansehnliche Farbe mitgenommen. Honiggolden leuchtet er im Glas, mal schauen, was er an Aromen zu bieten hat.

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 Nase

Eher mineralischer als phenolischer Rauch mit einer leicht metallischen Note, darunter dann schon dunkle und säuerliche Früchte, vor allem Beeren, ein schöner Demerara-Zucker, verkrustetes Salz, ein paar Rosinen, alles nicht sehr tiefgründig, aber für 5 Jahre hat er neben der Farbe auch schon eine Menge Aromen entwickeln können.

 Geschmack

Im Mund dann kräftiger trockener aschiger Rauch, ein scharfer Antritt und eine schöne malzige Süße, wieder ein paar Beeren, frisch geschälte Orangen, geröstete Pinienkerne, salzig-maritime Würze. Je länger er im Mund weilt – was bei der Alkoholstärke schon Überwindung kostet – desto vollmundiger wird er und die Süße tendiert immer mehr Richtung Karamell und Rohrzucker. Und selbst nach erst 5 Jahren hab ich schon dezente Eichennoten am Gaumen.
Wasser – auch gering dosiert – schwächt ihn leider merklich, also in voller Stärke genießen!

 Abgang

Im Abgang dominiert erwartungsgemäß der Rauch, der auch hier eher trocken und wie ein fahles erloschenes Holzfeuer schmeckt, eine schöne Süße und sehr dezente Früchte sorgen aber für ein abmilderndes Gegenstück.

 Kommentar

Dieser Laphroaig kam bei Einigen nicht gut an, er war ihnen zu eindimensional. Ich brauchte auch einige Drams, um sein Potential zu entdecken. Ihm fehlt natürlich die Komplexität älterer Abfüllungen, aber er ist ein faszinierendes und recht seltenes Beispiel aus der Kinderstube von Laphroaig, ein noch ziemlich wilder und ungehobelter Malt, der aber schon ganz klar zeigt, dass er ein Kind Islays ist. Ich mag ihn.
Solch extrem junge Malts sind aber nicht mein Trend, ich betrachte sie persönlich als interessante Kuriosität und fassmanagementbedingte Zwangsmaßnahme. Aber es geht halt nun mal nichts über einen anständig gereiften Malt! Amen.

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