Bruichladdich Radoux Redwine Cask 63,5%

Bruichladdich Radoux Redwine Cask 63,5%

 

Ein Bruichladdich aus einem Radoux-Rotwein-Fass, klingt klasse. Aber Radoux sagt erst mal nichts darüber aus, was für ein Wein da vor dem Befüllen mit dem Whisky im Fass war, sondern in erster Linie etwas über die Qualität des Fasses. Denn Radoux ist nicht etwa eine Rebsorte oder ein Weinanbaugebiet, sondern ein namhafter französischer Hersteller von Eichenfässern jeder Art vornehmlich für die Weinindustrie, der inwischen auch in die USA expandiert hat. Dass sie dafür nur das beste französische und amerikanische Eichenholz benutzen, bürgt schon seit 1947 für Qualität. Jede einzelne Fassdaube lässt sich per eingelasertem Strichcode einer bestimmten Intensität an Tanninen zuordnen, so dass erfahrene Küfer ein ideales und individuelles Fass für jeden gewünschten Reifungsprozess zusammenstellen können. Modern Times.

In einem dieser Fässer nun lag 13 Jahre lang dieser Bruichladdich, der von einem Freund des Brühler Whiskyhauses über Umwege und geheime Kanäle, die nur eingeweihten Einhornjüngern bekannt sein dürften, für ebenjenes ergattert werden konnte. Viele Wochen der Ankündigungen gingen dem tatsächlichen Erscheinen voraus und die wenigen Flaschen waren schon zu der Zeit ausverkauft. Ich konnte mir jedoch durch eine Flaschenteilung eine durchaus verwertbare Menge sichern und freute mich wie die meisten auf die Ankunft in Deustchland. Und als es nach vielen schottischen Wirrungen und Umwegen dann endlich soweit war, standen mir als gestandenem Sulfurphobiker geradezu die Haare zu Berge – den ersten Eindrücken zufolge ist es offenbar wider Erwarten eine Schwefelbombe geworden.
Schwefel taugt in Verbindung mit Holzkohle und anderen Zutaten wunderbar zum Herstellen kleiner Sprengladungen, um ganze Playmobil-Bauten anderer Kinder mit ordentlich Krach und Getöse und Gestank in die Luft zu jagen und – hoppla, ich schweife ab… und verjährt sind die Taten inzwischen ohnehin…
Zumindest gehört Schwefel meiner Meinung nach nicht in Whisky und ich habe schon des Öfteren bereits bei Spuren davon meine Nase gerümpft. Olfaktorisch für mich also ein trump’sches total desaster…

Nun denn, die Flasche ist da und guten Mutes ab ins Glas damit. Stolze 63,5% Alkohol sind nach 13 Jahren Lagerung noch übrig. Müßig zu erwähnen, dass auf Kühlfiltration und Färbung verzichtet wurde.

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 Nase

Tja – was soll ich sagen. Mein großes Glück war offenbar der Erwerb einer Anbruchflasche, deren Inhalt schon genug Zeit zum Atmen hatte. Von Schwefel erst mal keine Spur. Puhhh… Mein erleichtertes Aufatmen sollte man noch in Brühl und Porz vernommen haben.
Schwefellos, aber auch etwas verhangen und blass finde ich ihn. Ein paar Tropfen Wasser – und er öffnet sich schlagartig. Er startet sodann mit einer grandiosen süßen Vanille, die an leckeren holländischen Fla-Pudding erinnert. Und dann ist da gleich auch die typische, dreckige und leicht hingerotze Bruchladdich-Schmuddel-Würze aus dem Hafenbecken mit etwas angebranntem Räucherschinken mit dicker Salzkruste. Wunderbar! Hartes dunkles Karamell und reife Feigen kommen hoch – eine sehr süffige Kombination, die ich auch mal in der Küche probieren muss! Es wird saurer, aber keine Zirusfrüchte, eher Richtung Rhabarberkompott und Quitte. Erdig und etwas schroff kommen die Eichennoten, von einem Rotweinfass merke ich noch nicht wirklich viel – keine Beeren oder rote Früchte. Den Alkohol spürt man nur hin und wieder. Und auch mit noch so viel Konzentration – kein Schwefel!

 Geschmack

Mit einer üppigen warmen Süße startet er kraftvoll am Gaumen – und dann sind sie da, die erhofften Weinnoten! Vergorene helle Trauben mit einer schönen säuerlichen Note – ich hätte ohne Vorkenntnis ja eher auf einen fruchtig-süßen Weißwein getippt. Auch hier wieder gekochter saftiger Rhabarber mit Vanillesoße. Die Tannine der französischen Eiche sind kräftig, belegen die Zunge mit einem leichten Pelz, die schöne erdige Würze erinnert an Pu-Erh-Tee,  Salzkaramell erweitert das süße Spektrum um noch mehr Nuancen. Und immer wieder die schönen pritzeligen Weinaromen, die sich nach vorne drängeln. Die Eiche ist auch immer spürbar, ist herb und holzig und erinnert an kantiges abgelagertes Bauholz.

 Abgang

Im Abgang verbleiben die leicht salzige Würze, mildes Eichenholz und schöne weinige Aromen kleben richtig lange am oberen Gaumen. Der wirkt noch richtig nach – wunderschön.

 Kommentar

Die Ankündigung eines Schwefel-Whiskys ließ mich fast zögern – wie gut, dass ich dann doch probiert habe. Er braucht offenbar wirklich einfach Zeit zum Atmen, dann verschwindet der Schwefel gänzlich. Und übrig bleibt ein kleines Laddie-Juwel mit ungewöhnlich schönen hellen Weinnoten. Rotweinfässer können einen Whisky wunderbar ergänzen – oder ihn gänzlich zerstören. Gerade bei eher leichten Whiskys ist die Gefahr der Überlagerung mit Weinnoten recht groß. Hier hat es ganz wunderbar funtioniert. Bruichladdich ist ein sehr kräftiger und charaktervoller Whisky, den man mit speziellen Fasslagerungen sehr schön ergänzen kann. Und der Grundcharakter von Bruichladdich ist immer unverkennbar präsent. Einer der schönsten Laddies, die ich seit langem im Glas hatte!
Sehr schade, dass ich aufgrund meiner doofen Arbeitszeiten keine ganze Flasche ergattern konnte.
Zwei beinahe zeitgleich abgefüllte Port Charlotte aus unterschiedlichen Rotweinfässern klingen ebenfalls extrem spannend – liegen preislich aber leider weit jenseits meiner Gehaltsklasse.

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DEANSTON Decennary, 46,3%

DEANSTON Decennary, 46,3%

 

Mein 100. Blogbeitrag – ein kleines Jubiläum.

Was läge da näher, als einen Jubiläumswhisky zu verkosten. Noch dazu aus meiner Lieblingsdestillerie.

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Whiskys, die zu einem Destillerie-Jubiläum erscheinen, werden in der Regel intensiv und wortreich beworben und man lockt die Fans mit Zuteilungen und engen Zeitfenstern für die Bestellung an die PCs. Vor allem Laphroaig und Ardbeg demonstrieren diese Art Marketing immer wieder vorbildlich.
Nun wird Deanston keine 200 Jahre alt, sondern erst juvenile 50, aber außer auf der Facebookseite hat man kaum irgendwo überhaupt von diesem Jubiläum erfahren. Und noch weniger von dem Whisky, der speziell dafür kreiert wurde. Echtes Understatement.

So hat auch diese limitierte Abfüllung wieder mal eher leise ihren Weg zu den Whiskyliebhabern gefunden. Zu bekommen ist sie entweder vor Ort im Store des Besucherzentrums oder inzwischen auch im ganz neu eröffneten Online Shop von Deanston.

Deanston legt viel Wert auf Tradition, sowohl in der Herstellung als auch im Marketing. So findet man außer in den Büros keinerlei Computer, die irgendwelche Herstellungsprozesse steuern. Der gesamte Strom, der zum Betrieb der Destillerie benötigt wird, entspringt dem Fluss Teith, der direkt am Gebäude entlangfließt. Man nutzt die Wasserkraft und kann damit sogar noch Teile der Ortschaft mit Strom versorgen.
Die Liebe zur Tradition und zur eigenen Geschichte schlägt sich auch im Design der neu entworfenen Flaschen nieder, wenn man einen genaueren Blick darauf wirft. Auch wenn die eigene Historie im Vergleich zu anderen Destillerien eher recht kurz ist, so hat man die Brennerei in einem historischen Gebäude mit langer und durchaus bedeutender Geschichte erbaut – in einer ehemalige Baumwollfabrik, deren Anfänge bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts zurückreichen.

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Die „Münzen“, die die aktuellen Korken der Flaschen zieren, sind zum Beispiel eine Replik einer alten Währung und weist seltsame Merkmale auf. So fragt man sich, was Karl der Große, der darauf mit „Gratia Carolus“ Erwähnung findet, mit der Geschichte von Deanston oder Schottland allgemein zu tun hat. Forscht man nach, so stößt man auf eine eigene Währung für die Angestellten, die die Adelphi-Weberei – zu der auch die Deanston Mill gehörte – zu Zeiten einer Geldknappheit zum Bezahlen von Lebensmitteln auf zum Teil alte wertlose Münzen prägen ließ. Diese sogenannten Countermarks hatten einen Wert von 5 Shilling. Dass man dafür damals ausdrücklich keinen Alkohol sondern nur Lebensmittel beziehen konnte, mutet bei der aktuellen Huldigung in Whisky-Korken schon ein wenig ironisch an.
Soweit ein kleiner Streifzug durch die Historie der Brennerei. Doch nun zum Whisky. Endlich… 🙂

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Vier Whiskys aus vier Jahrzehnten wurden für den Decennary vermählt. Und für das fünfzigjährige Jubiläum hat Deanston nicht einfach irgendwelche Fässer genommen – die enthaltenen Whiskys kommen einem zum Teil schon recht bekannt vor:

  • 1977 Whisky Refill
  • 1982 American Oak
  • 1996 Port Pipe
  • 2006 Pedro Ximénez

So gibt es bereits einen 40jährigen Deanston exklusiv im Travel-Retail als auch einen 20jährigen mit Portwood-Finish – der ebenfalls nur als Limited Edition erhältlich war – und den allseits bekannten und inzwischen schon legendären 10jährigen aus PX-Fässern. Alle für sich genommen herausragende Whiskys. Insgesamt wurden 1400 einzeln nummerierte Flaschen mit diesem spannenden Vatting befüllt, was nahelegt, dass jeweils nur ein einzelnes Fass jedes Jahrgangs genommen wurde. Flasche Nr. 1350 hat nun ihren Weg ins Glas gefunden. Bei Deanston wie üblich ohne Farbstoff und ohne Kühlfriltration und in der typischen Deanston-Stärke mit 46,3%.

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 Nase

Sofort wird die Nase mit dunklen und sehr aromatischen, leicht säuerlichen Früchten umgarnt. Er erinnert anfangs schon stark an den Portwein-Deanston, den es im letzten Jahr exklusiv im Destillerieshop zu kaufen gab. Aber schnell ist da auch viel mehr. Reife Birnen, dunkles, leicht angebranntes Karamell von einer Creme Brulee – man hört fast das Knacken der harten flambierten Zuckerschicht. Der aromatisch-süße Duft, der einem entgegenströmt, wenn man eine frische Packung Pfeifentabak mit Vanille öffnet. Eingekochtes Beerenobst mit viel Vanille geben eine Vorahnung auf die zu erwartende Süße. Das alles entwickelt sich auf einem permanent wahrnehmbaren dicken Teppich aus vielen dunklen und alten Holznoten, die sich mehr und mehr in den Vordergrund schieben. Immer dunkler und schwerer werdend merkt man neben der leichten süßen Fruchtigkeit auch das tiefe Alter der Fässer. Die Nase kann sich kaum lösen, so abwechslungsreich und bunt schwappen da die Aromen in wechselnder Intensität aus dem Glas.

 

 Der Gaumen als Bühne

Im Mund spielt sich dann wirklich Unglaubliches ab, als würde jedes Fass, losgelöst von der Einheit, um Aufmerksamkeit buhlen – ein wahres Schauspiel in mehreren Akten.

Als Prolog betreten dunkle saftig-klebrige Trockenfrüchte behäbig und schleppend die Bühne des Gaumens. Ihre Darbietung aromatisch-tief und süß und geheimnisvoll, gespickt mit Gewürzen aus 1001 Nacht und kräftigen süßlichen Tabaknoten sorgen sie fast für orientalisches Flair.

Danach hat die Eiche ihren Aufritt. Polternd kommt sie auf die Bühne gestürmt, will der Star sein, läuft knurrig und wild gestikulierend mephistogleich von einer Ecke zur anderen, sorgt mit herben Tanninen und Aromen von alten, schon teils morschen Hölzern, die in feuchten muffigen Kellern lagerten, für Aufsehen und Begeisterung, Ahhs und Ohhs raunen durchs Publikum. Nach einem tiefgründig prickelnden Crescendo wärmender und leicht säuerlicher Holznoten wird sie immer weicher und milder, verbeugt sich schließlich erhaben, um der nächsten Verführung die Bühne zu überlassen.

Der Epilog gehört ganz der Süße. Fast schwebend tänzelnd und honigsüß huscht sie über die knarzenden Bretter, wirft cremige Kräuterbonbons ins Publikum, streut würzigen Muscovado-Zucker und mit einem schönen dunklen Malz-Aroma entschwindet sie der Bühne.

 Abgang

Was bleibt, nachdem der Beifall verhallt ist: Altes rissiges Dielen-Holz mit dem Duft unzähliger aufgeführter Dramen, dunkler Tannenhonig, süßes würziges Trockenobst und eine ganze Flut von Gewürzen bilden einen beeindruckend vollen und langen Abgang – das Kauen und Schmatzen will gar kein Ende nehmen. Die Eichennoten sind schwer und dunkel, bilden feine Röstaromen wie bei einem frisch gebrühten Espresso mit viel Crema und haften mit ihren herben Nuancen und einer wohligen süßen Wärme am längsten und flauen nur langsam ab.
Dann – ehrfürchtige Stille. Der Vorhang zu, keine Fragen offen.

Kommentar

Schon vorletztes Jahr sorgte Deanston mit dem 10yo PX kurz vor Jahresende für ein Highlight, seitdem sind gleich mehrere limitierte und zum Teil nur vor Ort in der Destillerie erhältliche Abfüllungen erschienen, die mir alle durchweg gefallen haben und zum Teil auch richtig begeistern konnten. Den krönenden Abschluss bietet in der Tat dieser Jubiläumswhisky. Er ist zwar nicht in Fassstärke abgefüllt sondern in der sehr angenehmen und für Deanston typischen Trinkstärke mit 46,3%, aber das macht ihn in meinen Augen nur noch angenehmer und ist sicher auch den niedrigeren Alkoholgehalten der alten Abfüllungen geschuldet.
Er vereint wirklich das Beste aus vier Jahrzehnten. Wer die anderen Abfüllungen kennt, wird sie auch hier wiederfinden – und noch viel mehr. Denn er ist deutlich mehr als die Summe der zusammengekippten Einzelwhiskys, sondern eine in sich stimmige, harmonische und ganz eigene Schöpfung, beinahe eine Sinfonie in Perfektion ohne einen Missklang, in der jedes Fass seine eigene unverkennbare Partitur bekommt. Die wunderbare würzige Fruchtigkeit der Port- und PX-Fässer kombiniert mit der aromatischen Tiefe der 40 Jahre. Unglaublich tiefgründig, unglaublich vielschichtig und bei jedem Schluck aufs Neue spannend und mit immer neuen Aromen, die es zu entdecken gilt. Ein ganz und gar perfektes Konglomerat aus großartigen eigenständigen Whiskys, das nicht besser hätte ausfallen können – eine Glanzleistung des Masterblenders!
Mein ganz persönliches Weihnachtsgeschenk 2017 und ohne Frage DAS Highlight des letzten Jahres.

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Aberlour Casg Annamh, 48%

Aberlour Casg Annamh, 48%

Aberlour in der Speyside ist bekannt für Abfüllungen aus ehemaligen Sherry-Fässern und es gibt eine große Bandbreite an Standard-Abfüllungen, die sich sowohl im Alter als auch im Alkoholgehalt und der Fasszusammenstellung unterscheiden.
Ein wahrer Klassiker und der unter Whisky-Enthusiasten wohl beliebteste Aberlour ist der A’bunadh, der seit vielen Jahren in regelmäßigen Batches erscheint und für eine große Fangemeinde sorgt. Intensive Sherry-Noten in hoher Fassstärke sind seine Markenzeichen. Gereift wird der A’bunadh ausschließlich in ehemaligen Oloroso-Sherrybutts aus europäischer Eiche.
Mit dem Casg Annamh will Aberlour nun offenbar eine neue Serie in kleinen Batches etablieren. Das besondere an diesen „seltenen Fässern“ – was Casg Annamh bedeutet – ist der vorwiegende Gebrauch von Fässern aus zwei verschiedenen amerikanischen Eichenhölzern. Zusätzlich kommen auch hier Olososo-Fässer aus europäischer Eiche zum Einsatz. Klingt schon mal spannend.
Auch der für Aberlour eher seltene hohe Alkoholgehalt von 48% und der Verzicht auf Kühlfiltration versprechen ein intensives Erlebnis.
Hier ist nun also das allerste Batch No. 001 im Glas.

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 Auge

Mit einem satten Goldbraun liegt der Casg Annamh im Glas, die Beinchen sind eng und winzig und weigern sich fast beharrlich, die Glaswand hinabzulaufen – das verspricht Intensität!

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 Nase

Eine völlig andere Nase als der der A’bunadh. Waren es dort starke typische Sherry-Noten, so erwartet einen hier ein völlig anderes Spektrum an Aromen.
Eingelegte süße Maraschino-Kirschen und Marzipan, Mandelöl, sehr reife und leicht angedrückte Bananen mit braunen Flecken auf der Schale. Dazu schönes Karamell, wenngleich auch nicht so dunkel und intensiv wie bei typischen Sherry-Whiskys. Getrocknete Pfirsiche bringen dann doch einen Hauch Sherry-Standard ins Spiel. Und dann sind sie auch schon da  – die außergewöhnlichen Eichenaromen! Sie erinnern mich an frisch abgebrochene Äste von Obstbäumen, so ein saftig süßlicher und intensiv trocken-würziger Holzgeruch. In Verbindung mit etwas Holzpolitur erinnert er fast an Virgin Oak. Das sind die interessantesten Holznoten, die ich seit langem im Glas hatte.

 Geschmack

Sehr ölig und zäh läuft er über die Zunge, erinnert an frisches weiches Leinöl. Warm und kräftig kommen schöne süße Honignoten mit Vanille und Marzipan. Wieder die würzigen Trocken-Pfirsiche und überreife Weintrauben. Die Süße geht nach und nach über in wärmende kantige Holznoten mit schönen Gewürzen, helles und glatt poliertes Eichenholz statt alter dunkler Fässer. Alles sehr kräftig, frisch und belebend.

Abgang

Der Abgang ist lang und wohlschmeckend, vor allem die Süße von frisch zerkauten Grashalmen und Malzzucker. Dazu ein entfernter Anklang von eingelegten Rosinen, schönen Gewürzen wie Nelken und Kardamom und wieder viel herbsüße Eichenaromen.

 Kommentar

Ein Aberlour, der etwas aus der Reihe schlägt und mich wirklich überraschen und überzeugen konnte. Kein Abklatsch vom großen Bruder A’bunadh, sondern sehr eigenständig und anders. Sehr gut ausbalanciert zwischen einer sämigen, fast öligen fruchtigen Süße und dominanten und ungewöhnlichen Holznoten, wobei sich keine der beiden zu sehr in den Vordergrund drängt. Gefällt mir ausgesprochen gut, da schaue ich erwartungsvoll auf folgende Batches!

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Bunnahabhain 2008 DT for „The Inner Circle“, 53,3%

Bunnahabhain 2008 DT for „The Inner Circle“, 53,3%

Die erste Abfüllung, die exklusiv für eine Facebook-Gruppe von Arne von Whic.de organisiert wurde, war sehr begehrt und es gab deutlich mehr Interessenten als Flaschen. So entschied ein Losverfahren die Zuteilung – und ich ging leider leer aus. Einzig ein kleines Sample konnte ich ergattern.
Es handelt sich um einen 9jährigen Bunnahabhain von der Insel Islay aus der Octave-Serie von Duncan Taylor. Nun bin ein kein großer Freund dieser Octave-Abfüllungen, bei denen meiner Meinung nach schwache Fässer durch eine Nachreifung in den kleinen Octaves, die aus ehemaligen Sherryfässern hergestellt wurden, aufgepeppt werden.
Sei’s drum, einem Bunna kann ich nie widerstehen und ich hatte bislang auch noch keinen, der mir überhaupt nicht zugesagt hat. Und ich hatte derer schon Einige.
Und entscheidend ist – wie ja eigentlich immer – was hinten rauskommt.

Abgefüllt wurde dieser hier, wie erwähnt, für eine Facebook-Gruppe und der Bunna kam in Fassstärke mit 53,3% in die insgesamt nur 82 Flaschen.

 

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Auge

Schönes leuchtendes dunkles Altgold strahlt aus dem Glas, die Beine sind dünn und träge.

Nase

Initial strömt mir frisches Brioche entgegen, leicht buttrig und hefig. Dann folgen aber schon die für Bunnahabhain so typischen maritimen Aromen nach salziger Gischt und Meeresluft. Etwas überreife Zitrusfrüchte, die inzwischen mehr süßliche als saure Noten verströmen, bringen eine junge Fruchtigkeit ins Spiel. Schwere dunkle Sherry-Aromen kann ich nicht wirklich finden. Je länger er im Glas atmet, desto deutlicher kommen dagegen schöne süße Vanille-Aromen zum Vorschein. Etwas Salbei und frisches Menthol bringen einen kühlen Hauch, kantiges glattes Holz sorgt für etwas Fasseinfluss. Der Alkohol frotzelt ein wenig in der Nase.

Gaumen

Im Mund gleich sehr wuchtig und aromatisch, eine grasige und krautige Würze mit schönem Wiesenhonig und Vanillewaffeln. Salz und Zitrone – für einen kurzen Moment glaube ich mich bei einem Tequila-Tasting… Das Salz ist schön in eine karamellige Süße eingebunden, die allerdings nicht lange vorhält. Trocken und herb drängen polierte und hell glänzende Eichennoten nach vorn und erinnern mich in ihrer Intensität und schroffen Art schon fast an jungfräuliches Virgin-Oak.

Abgang

Im warmen und mittellangen Abgang verbleiben vor allem schöne süße Malznoten, Gerstenhalme und etwas Anis.

Kommentar

Für echte Tiefe und Komplexität fehlt es ihm an Jahren der Reifung – dass kann auch die Nachreifung für ein paar Monate in einem kleinen und reaktionsfreudigen Octave nicht ausbügeln. Mir sind ja dominante Sherry-Whiskys, wie sie mittlerweile austauschbar den Markt zu beherrschen scheinen, inzwischen fast ein Graus, aber hier vermisse ich dann doch das eine oder andere entsprechende Aroma. Aber insgesamt ein schöner junger und gefälliger Bunnahabhain, der vor allem im Mund Freude macht und seine Herkunft nicht verleugnet. Eine gelungene Gruppenabfüllung.

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Glenrothes „Malocherwhisky“, 46%

Glenrothes „Malocherwhisky“, 46%

 

Glenrothes ist kein sanfter Schmeichelwhisky. Er ist meist ziemlich direkt, erdig und manchmal auch etwas schroff – passt also vom Charakter her schon mal ganz gut ins Ruhrgebiet, wo einem früher beim Niesen die Briketts aus der Nase flogen…

Für einen örtlichen Sportverein hat der Whiskyhort in Oberhausen diesen mit nur 40 Flaschen stark limitierten Whisky abgefüllt und ihn – passend zur Bergbau-Region –  „Malocherwhisky“ getauft.
An Information zum Whisky gibt es auf der Flasche nicht viel zu entdecken. Da stehen lediglich die Abfülljahre und die Alkoholstärke und der Hinweis, dass weder gefärbt noch kühlfiltriert wurde. Der Trübung nach zu urteilen, wurde er gar nicht gefiltert – wie die Schlote der alten Zechen in den Siebzigern. Dass es sich um einen Glenrothes mit einem Sherry-Finish handelt, erfährt man nur auf der Shop-Seite.

Nun denn – den Kohlenstaub aus den Klamotten geklopft und ab inne Tasse mit dat Zeuch! Glück auf!

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 Aufstieg inne Nase

Hömma, dat is nen waschechten Glenrottes, da kannse Dein Omma für verwetten!  Sowat von Butterkeks und richtich fett Vanille finnse sons nur bei Kuchen-Erna umme Ecke!  Un Früchte haste hier! Nee, wat is dat lecker! Da musste schon aufn Bottropper Kirchplatz für fahrn wennse solche Früchte ham willst! Un wattse an Weihnachten imma inne Kuchn tun, den Gewürzkram, dat tu ich auch riechen. Un kann ja sein, dat ich das noch vom Montiern vonne Auspuff inne Nase hab, aber nen gans bissken Schwefel kannse hier auch schnuppern. Passt aber gut un tut nich weiter störn. Nen bissken wat von Giselas Eichentruhe, wose Erwin sein Socken immer reintut.

 Durchfrickeln im Mund

Boah, wat is der schön warm wenner die Kehle runterfährt! Da kommse fast ins Schwitzen bei! Nen Doppelkorn is nix dagegen, ich sachet Dir! Und wieder dat ganze Fruchtgedöns, die Butterkekse und richtich süß isser! Als wie wennse Dir nen Bütterken mit Honig schmiern tust. Bissken olle Gartenerde ausm Schrebergarten is mit dabei, dat gibt Würze! Junge, dat geht ganz schön ab mit dat Zeuch hier in Mund, da tanzt die Helga aber Polka bei! Da denkste, den hammse frisch ausm Fass gekippt. Da hasse nich nur Giselas Truhe, da issn ganzet Kabüffken voll Holz inne Flasche drin.

 Abstieg inne Kehle

Da klingeln dir noch ne halbe Stunde später die Ohrn von! Immer noch süß wie Bömmskes und nen bissken Grashalme vonne Muckis und olles Holz. Da hasse ma richtich wat von.

 Hömma zu!

Wat? Der soll nur neun Jahre aufm Buckel ham? Dat kannse Dein Schwiegermutter erzähln! Mit dat Zeuch kriegste jedes Mopped wieder ans Laufen! Wennse den im Glas hass, weisse, für wat Du da malochen gehst!
Dat is kein Kokolores, dat is nen ganz feinet Dröppken! Da wirste nich betuppt bei, dat is nen ehrlichen Whisky, dense da für Dein Geld kriegen tust!
Bei son Kumpel da brauchse kein Groove-Gedöns!
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Springbank 10, 46%

Springbank 10, 46%

Springbank macht es einem oft nicht leicht – die Whiskys sind nicht selten sperrig und erschweren Anfängern in Sachen Whisky mit den eigenwilligen typischen Springbank-Merkmalen den Zugang. Aber eines sind sie sicher nie: langweilig.
Bei vielen Whiskys findet man den Einstieg zu einer Destillerie in der Regel über die Standard-Abfüllungen, zumeist 10 oder 12jährige. Und nicht selten war ich gerade von denen enttäuscht, weil sie in erster Linie gefallen wollen und meist auf Ecken und Kanten verzichten.
Bei Springbank bin ich nicht linear vorgegangen und habe das Pferd quasi von hinten aufgezäumt und habe dabei großartige Perlen der Whiskywelt, wie den Burgundy oder den Single-Cask aus einem Amontillado-Fass kennlernen dürfen. Und bin nun – endlich – beim Zehnjährigen gelandet.
Der konsequente Verzicht auf künstliche Farbe und Kühlfiltration sind selbstverständlich bei Springbank und die Standard-Trinkstärke beträgt 46%.

 

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 Nase

Springbank macht keine halben Sachen und auch bei einer recht jungen Standard-Abfüllung lässt man sich nicht lumpen. Man hat gleich die typische Springbank-Würzigkeit in der Nase, wenngleich auch erkennbar jünger.

Säuerliche helle Fruchtnoten wie eingedickte gelbe Grütze mit Zitronengras und Ananas unterlegt mit einer süßen Vanille machen den Anfang. Dunkles Salz-Karamell bringt süße Würze ins Spiel. Der Geruch nach aufgeweichtem Treibholz vom Strand, an dem noch Sand und viel Salz und ein paar Algen kleben, unterstreicht den für Springbank so typischen maritimen Charakter. Ein milder Rauch fernab jeder Islay-Ruppigkeit schiebt sich erst relativ spät nach vorne.

 Gaumen

Schwer und schon beeindruckend ölig wie eine Welle bei Seegang schwappt dieser junge Whisky über den Gaumen und eröffnet einen kräftigen vollmundigen Antritt. Der würzige Rauch ist hier spürbarer und zusammen mit grasig-salzigen Aromen kommen mir Bilder von einem Lagerfeuer in den Dünen in den Sinn, in denen sich der Strandhafer im Wind wiegt. Helle säuerliche Früchte wie Mirabellen und milde Zitronen setzen weiter schöne Akzente. Eine malzige Süße und eine schöne Chilischärfe lassen ihn wärmend die Speiseröhre hinabrinnen.

 Abgang

Im eher mittellangen Abgang hab ich wieder eine süße Grasigkeit und saure Früchte und den milden Rauch, der sich am längsten hält.

 Kommentar

Gibt es einen Springbank, über den man mal etwas schlechtes schreiben könnte? Ich hatte noch keinen. Der Springbank 10 ist neben dem Bruichladdich Ten so ziemlich der komplexeste und kräftigste Whisky dieser Einstiegs-Altersklasse, der mir bislang untergekommen ist. Sicher sind ca. 40 EUR für einen zehnjährigen Standard-Whisky kein Schnäppchen, aber man bekommt dafür einen sehr traditionellen handgemachten Whisky aus einer Destille, die Wert auf Qualität und nicht so sehr auf Gefälligkeit legt. Ein toller Standard!

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Benrinnes 8 Jahre, 46% ALDI

Benrinnes 8 Jahre, 46% ALDI

„Aldi ist weniger eine Frage des Geldbeutels, sondern eine des Glaubens!
An Aldi scheiden sich die Materialisten von den Bourgeois.“
Frankfurter Rundschau

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Ein achtjähriger Single-Cask-Whisky bei Aldi – und schon formieren sich Fronten in den einschlägigen Foren und FB-Seiten. Verrückte Zeiten.
Weniger der Whisky an sich als vielmehr die Tatsache, dass Aldi Süd einen Single-Cask-Whisky in guter Trinkstärke und dazu noch ungefärbt und nicht kühlfiltriert auf den Markt bringt, ist hier das Besondere. Und das weckt Aufmerksamkeit und Unmut. So manch Händler sieht offenbar gar den Untergang des Whisky-Abendlandes angebrochen – und übersieht dabei, dass genau solche Angebote die Neugier nach mehr wecken und neue Liebhaber schaffen, die dann auch mal den Blick über die Discounter-Regale wagen.

Knapp 40 Euro für einen achtjährigen Whisky – das klingt erst mal nicht nach einem Discounter-Schnäppchen. Aber es spiegelt die reale Preisentwicklung wider. Whisky wird teurer. Und jünger. Das kann man bei allen Abfüllern beobachten. Daher finde ich den Preis bei Aldi durchaus angemessen. Zumal auch hier ein regulärer unabhängiger Abfüller dahinter steht. Ob er auch gustatorisch mithalten kann, wird sich nun zeigen.
Ich hab das Fass 309688 erwischt und mir scheint, alle Filialen in Bonn wurden damit beliefert. In vier Filialen habe ich nur dieses Fass finden können, von dem immerhin 404 Flaschen abgefüllt wurden.
Auf dem Etikett sind das genaue Destillations- und das Abfülldatum vermerkt, dazu noch die Fassnummer und die einzeln nummerierte Flaschenzahl. Als Fass wird nur Hogshead angegeben – was so ziemlich nichtssagend ist. Ein Hogshead kann aus den verschiedensten ehemaligen Fässern zusammengesetzt sein.
Nun denn – aus der Einkaufstüte ab ins Glas.

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 Auge

Meine Frau trinkt Weißwein mit mehr Farbe, aber das soll erst mal nicht viel heißen. Zu oft habe ich da schon Überraschungen erlebt – in beide Richtungen – als dass ich bei der Farbe vorschnell urteilen würde. Die dicken Beine laufen recht flott am Glas herab.

 

 Nase

Im Glas offeriert er gleich schon mal eine ordentliche malzige Fruchtigkeit, die schon weit entfernt von der Nase präsent ist. Der erste Eindruck erinnert mich an ein frisch gezapftes Pilsner mit etwas Frucht. Also eher ein Radler. Überreife Quitten kommen mir als dominanteste Fruchtnote entgegen.  Danach gleich gezuckerte Zitronen, grüne knackige Äpfel, Mirabellen und etwas unreife Birne. Eine typische junge Speyside-Nase. Fein.

 

Gaumen

Auf der Zunge keine großen Überraschungen, fruchtig geht es auch hier weiter. Neben herbsüßem Quittengelee und Birnenkompott mit einem Hauch Gewürznelke hab ich herzhaftes süßlich-würziges Pumpernickel und Zitronenschale. Auch das Eichenholz ist hier mit herben trockenen Noten deutlich kräftiger vertreten als in der Nase. Dazu eine süße Cremigkeit, die mich an irischen Pot Still erinnert.

 

 Abgang

Süßes Malz, Espresso, etwas Anis und wärmende würzige Eiche. Und das alles deutlich länger, als ich es erwartet hätte. Ein schönes Blockmalz-Bonbon klingt wirklich sehr lange nach.

 

 Kommentar

Hätte ich diesen Whisky auch gekauft, wenn er von Signatory, Douglas Laing oder irgendeinem anderen UA abgefüllt worden wäre? Wahrscheinlich nicht. Er wäre – für mich – im Meer der zunehmend jungen Abfüllungen untergegangen. Im Aldi-Sortiment aber hat er meine Neugierde geweckt und ich bereue nicht, ihn gekauft zu haben.

Er ist keine Ausgeburt an Komplexität und er ist massentauglich – wer bei Aldi etwas anderes erwartet, hat das System Aldi nicht verstanden. Andererseits hat er durchaus genügend Charakter und Tiefe und interessante Noten, um auch für echte Whiskygenießer einen netten Abend einzuläuten. Insgesamt ein unkomplizierter und malzlastiger Whisky, der mich positiv überraschen konnte und den ich gern als All-Day-Dram im Glas habe.