Copper Dog, 40%


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Ich geb es zu: ich falle hin und wieder auf gutes Merchandising rein. Zu dieser Flasche gab es einen kupfernen Copper Dog kostenlos dazu. Dieses Kupferding, das einerseits dem Pub des Craigallachie Hotels und diesem Whisky als Namenspate diente, war ursprünglich ein Stück Kupferrohr, dessen ein Ende mit einem Penny verlötet, und das andere mit einem Korken verschlossen wurde. Mit einer angelöteten Kette haben die Angestellten der Destillerien damit fleißig Whisky aus den Fässern geklaut und mit den Copper Dogs in den Hosenbeinen versteckt nach Hause geschmuggelt.

 

Besagtes Craigallachie Hotel kam vor ein paar Jahren auf die Idee, für Gäste der „Copper Dog“-Bar einen eigenen Hausblend aus diversen Speyside-Whiskys herzustellen. Von dessen Erfolg offenbar angespornt, brachten sie den Blend dann unter dem Namen der Bar und mit entsprechendem Storytelling auf den großen Markt.
Beim Design hat man alles richtig gemacht: es ist chic und auf Vintage gestyled, es gibt einen wertigen Korken aus Holz, das Etikett ist dickes Papier mit edlem Druck und die handschriftlichen Notizen suggerieren Exklusivität.
Der Hinweis auf Farbstoff für den deutschen Markt mag den einen oder anderen stören, aber hey, es ist ein Blend und die Farbe des Whiskys wirkt nicht aufgesetzt künstlich, sondern hier wurde wahrscheinlich tatsächlich nur zur Anpassung der Batches coloriert. Mich stören vielmehr die nur 40%.
Also, zurück zum Anfang – diese Flasche landete eigentlich nur in meinem Schrank, weil ich scharf auf das Gimmick war. Separat kostet so ein Copper Dog kaum weniger als hier zusammen mit dem Whisky. Nun ist er einmal da, dann kann ich ihn auch mal verkosten.
Aus acht nicht namentlich genannten Single Malts der Speyside wurde hier gemixt. Kein Grain-Anteil also. Auf dem Rückenetikett steht vollmundig „Married slowly together in old oak casks“ – geschenkt. Der Begriff „old“ ist in kaum einer anderen Industrie derart dehnbar wie in der Welt des Whiskys. Und „alte“ Fässer bedeutet in der Realität zudem auch meist ausgelaugte und oft wiederbefüllte Fässer. Hier kamen sowohl Ex-Bourbon als auch wiederaufbereitete Fässer mit unbekannter Vorgeschichte zum Einsatz.

 Nase

Der erste Schwall an Aromen versetzt mich kurz in eine Boulangerie nach Frankreich, süße hefige Aromen erinnern an frisches Brioche, das gerade aus dem Ofen geholt wurde. Klingt romantisch und altmodisch, ist bei Whisky aber zumeist ein Zeichen von extremer Juvenilität. Gut, Alter hab ich hier auch nicht erwartet. Zu Brioche passen dann auch die frischen Obstaromen, grüne knackige Äpfel und Birnen, beides noch eher unreif und spritzig, etwas Zitronengras und ordentliche Vanille. Dazu noch leichter Blütenhonig aus einem Zinkeimer und viel mehr kommt da aromatisch nicht aus dem Glas. Alles typisch Speyside, alles typisch jung.

 Gaumen

Der erste Schluck überrascht dann schon ein wenig. Bei den eher unspektakulären Aromen und den 40% erwartete ich nicht wirklich viel, aber hier kommt dann schon Schwung in die Bude. Leicht wärmend und dezent pfeffrig legt er los, dann wiederholt sich das ganze Aromenespektrum der Nase fast eins zu eins, wird hier aber ergänzt duch schöne würzige Holznoten, die das alles sehr rund und ausgewogen machen. Nicht wirklich spektakulär und kantig, aber für so einen Billig-Blend doch ganz nett. Da hatte ich schon teurere Blends ohne Altersangabe, die deutlich lascher schmeckten. Wohl auch, weil hier ausschließlich Single Malts geblendet wurden.

 Abgang

Die immer trockener werdende und angenehm wärmende Würze der Eichenfässer und schönes süßes Malz bleiben am längsten hängen, davor kann man noch auf dem leicht unreifen Obstsalat herumkauen. Alles überraschend lang!

 Kommentar

Nun ja, ich will diesen Einsteiger-Blend nicht über den Klee loben, er ist jung und die Fässer sind auch nicht erste Wahl, das schmeckt und vor allem das riecht man. Er ist insgesamt eher unspektakulär, bietet aber am Gaumen doch mehr, als ich erwartet hatte. Und der erstaunlich lange Abgang ist dann schon fast ein kleines Highlight. Insgesamt eine gefällige und runde Sache.
Würde ich ihn noch mal kaufen? Nö. Das kupferne Gimmick hab ich ja jetzt.

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