Bladnoch 17, Californian Red Wine Finish, 46,7%

Bei Rotweinfinish springen meine Sensoren sofort an. So auch bei diesem Bladnoch, der mit stolzen 17 Jahren ein Finish in kalifornischen Rotweinfässern erfahren durfte. Wie lange, erfährt man leider nicht, aber der eher hellen Bersteinfarbe nach war es nicht allzu lang.
Bladnoch ist eine eher untypische Lowland-Brennerei, die ihren Whisky nicht drei- sondern nur zweifach destilliert.
Das Design der kantigen Flasche finde ich sehr gelungen, das dicke Glas und der klobige Holzkorken gefallen mir richtig gut. Der Whisky wird sehr schön präsentiert und alles wirkt nobel.
Aber Hülle ist nichts, auf den Inhalt kommt es an. Also rein ins Glas und ab an die Nase.

Nase

Ziemlich verhalten, aber mit einer dezenten Süße und würzigen Malznoten legt er los. Aber erstaunlicherweise wirkt er trotz der 17 Jahre ziemlich unreif und bei einer Blindverkostung hätte ich ihn wohl deutlich jünger und wahrscheinlich sogar einstellig geschätzt, denn eine störende metallische Note werde ich nicht los. Aber zum Glück kommt da noch mehr. Vor allem reife Trauben, eingelegte Erdbeeren mit Vanille und ein leicht scharfes Kardamom. Dazu noch zartes Butterkaramell und mit Wohlwollen ein paar eingelegte Kirschen. Das anfangs kaum vorhandene Eichenholz wird mit zunehmender Standzeit immer dominanter und der Whisky offenbart immer mehr sein wahres Alter. Der Alkohol bringt eine kühlende Menthol-Note.

Geschmack

War der oflaktorische Eindruck anfangs eher etwas blass, so startet er am Gaumen zumindest gleich schön kräftig und wärmend. Sofort macht sich eine cremige malzige Süße breit, die mich an einen weichen Grain-Whisky erinnert. Dann wird es fruchtig, überreife und fast vergorenen Früchte setzen ungewöhnliche Akzente, gefolgt von floralen Noten nach Lavendel, Flieder und Rosenwasser und ich frage mich, was hier schiefgelaufen sein mag. Von der doch recht komplexen Nase ist hier kaum noch etwas übrig. Die trockenen harschen Eichennoten, die sich recht rasch einstellen, runden das ganze leider nicht wirklich ab, sondern wirken gegenüber den parfümigen Aromen eher deplaziert. Ein ziemlich unausgewogenes Aromen-Wirrwarr, das mir so gar nicht behagt.

Abgang

Der Abgang gestaltet sich kurz und unspektakulär. Wieder eine malzige Süße mit hellen Trauben, etwas Vanille und dann hab ich auch hier recht schroffes Eichenholz, das ein paar trocken-herbe Noten beizusteuern vermag.

Kommentar

Mit floralen Noten in Whisky hab ich es ja nicht so. Aber solange ich nicht das Gefühl habe, Omas Fliederparfüm im Glas zu haben, kann ich damit leben. Hier finde ich es aber schon fast grenzwertig. Die schönen kräftigen Eichennoten und die doch recht komplexe Nase retten ihn dann noch vor einem totalen Untergang.
Das Finish in Rotweinfässern bringt hier kaum einen Zugewinn an spannenden Noten – außer, man findet Flieder in Whisky spannend – sondern lassen ihn in Verbindung mit den herben Holznoten sehr unausgegoren und unreif wirken. Und auch die Erstreifung fand offenbar in eher unspannenden Re-Refill-Fässern statt, die keine großartige Grundlage bilden konnten.
Erneut ein Bladnoch, der mein Interesse für diese Lowland-Brennerei nicht wecken konnte. Eher im Gegenteil. In erster Linie schwächelt es an den Fässern, was nach meinen bisherigen Erfahrungen mit Whiskys aus dieser Brennerei ein allgemeines Problem zu sein scheint. Aber es ist – wie immer – nur mein ganz eigener Geschmack. Ich fand auch schon mal einen Port Ellen ganz schön unspektakulär…. 😉


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