Deanston Spanish Oak 1992, 57,4%

unbenannt-7134-Bearbeitet-BearbeitetWenn ich längere Zeit keinen Deanston mehr im Glas hatte – vor allem ältere Deanston – ist das erste Riechen für mich immer so etwas wie Nachhausekommen nach einem langen Urlaub. Es riecht vertraut und heimelig, alles steht noch so da, wie man es kennt. Man schließt die Augen, inhaliert sanft, die Aromen wehen an den Riechzellen vorbei,  das Gehirn gleicht ab, spult die erwartbaren Aromen herunter und das Herz geht auf. Und die Vorfreude auf Neuentdeckungen wächst…

Neben dem Toasted Oak ist der erste Spanish Oak ein weiterer „Heiliger Gral“ in der Favoritenliste der Deanston-Liebhaber. 1992 gebrannt, verbrachte er gut 20 Jahre in ausgesuchten Fässern. Erst elf Jahre in ehemaligen Bourbon-Fässern, dann noch einmal neun weitere Jahre in einem Fass, in dem vorher Lepanto-Brandy der berühmten Bodega González Byass in Jerez im Solera-Verfahren reifte. Zumeist ehemalige Sherry-Fässer aus mediterraner Steineiche, durchlaufen diese Solera-Fässer viele Jahre und Jahrzente der Wiederbefüllung mit unterschiedlich alten Brandys.  Die Fässer bei González Byass fassen bis zu 600l, somit dürfte es sich bei diesem Deanston mit 787 abgefüllten und nummerierten Flaschen um eine Einzelfassabfüllung handeln.

 

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So eine Flasche Deanston Spanish Oak findet man nurmehr noch auf Auktionsplattformen zu teilweise abenteuerlichen Preisen. Ich konnte mir vor langer Zeit noch eine Flasche zu einem moderaten Preis sichern, traute mich aber nie, sie zu öffnen. So ist das mit Heiligen Grals… Gralen… Grälen… – der Duden kennt noch nicht mal einen Plural. Es kann also nur einen geben!
Mein Whisky-Nerd-Freund Adrian hatte den Mut, eine Flasche zu öffnen und zu verteilen und so kam ich in den Genuss eines Samples dieses Stoffes. Ob die Jagd nach dem Gral gerechtfertigt und der Heiligenschein verdient sind, teste ich nun mal aus.

 

Auge

Tiefes sattes Tabakbraun, beim Schwenken macht er einen sehr fetten üppigen Eindruck, hinterlässt einen schlierigen Ölfilm an der Glaswand. Die hageren Beinchen haben es nicht eilig.

 Nase

Ja, sehr vertrautes Terrain. Süßer malziger Honig, wie er typischer für Deanston nicht sein kann. Ganz ohne den sonst häufigen wachsigen Vorhang strömen die Aromen klar und rein durch die Riechmuscheln, alles ist auf Anschlag gespannt. Neben dem Altbekannten ist hier vor allem süßer dicker Traubensirup überaus präsent. Sehr würzig und fruchtig erinnert er mich stark an türkischen Pekmez-Sirup (der vermischt mit Sesampaste einen ganz vorzüglichen Brotaufstrich ergibt). Daneben auch jede Menge dunkle Früchte wie Backpflaumen und sehr reife Mirabellen. Leicht angebrannter Demerarazucker hebt die würzige Süße auf ein Niveau, bei dem meine Speicheldrüsen kaum nachkommen.
Die Eichenfässer bringen schöne kantige und trockene Noten ins Spiel, ohne die süße Dominanz zu stören. Auch der Alkohol ist sehr schön eingebunden, sorgt für Fülle, ohne zu stechen.

 Gaumen

Auch im Mund sofort ein typischer Deanston. Die Süße dominiert hier ebenso von Anfang an den Charakter, dazu kommen sehr schöne krautig-grasige Noten, die nur sehr entfernt an Maggi erinnern. Sämiger dunkler Waldhonig und wieder der schöne würzige Traubensirup, dazu fein gewürztes Pfaumenmus und ein gezuckertes und flambiertes Kompott aus saftigen reifen Orangen.
Die Eiche ist hier deutlich intensiver, unterlegt das alles mit einem dicken dunklen Teppich aus sehr würzigen, alten und trockenen Holzaromen. Da kommen die alten Solera-Fässer sehr schön zum Tragen, das wahrscheinlich durch die lange Nutzung inzwischen tanninarme Steineichenfass überfrachtet hier nichts, setzt nur Akzente. Zimt, Gewürznelken und Kardamom vermischen sich mit dem Orangen-Pflaumen-Kompott und dem Traubensirup zu einem fast andalusisch-orientalischen Gaumenschmaus, dass man im Hintergrund beinahe die Schrammelgitarren zu hören meint.

Abgang

Der Abgang ist zu meiner Enttäuschung ziemlich kurz geraten. Die Fülle an Aromen kann sich hier kaum verewigen, alles ebbt relativ schnell ab, hinterlässt aber einen schönen würzig-süßen Nachklang, der immer trockener wird.

Kommentar

Keine Frage, das ist verglichen mit vielen anderen Abfüllungen von Deanston ein wirklich herausragender Whisky, der mit seinen eindrücklichen Traubenaromen sehr eigene Akzente setzen kann. Im Abgang schwächelt er spürbar, aber die aromatische süße Wucht seines Charakters sucht schon Seinesgleichen.
Die 14jährige Neuauflage des Spanish Oak verblasst dagegen zu einem müden Schatten, nicht mal ansatzweise kann sie dieses Niveau erreichen.   Wie so viele der neueren Veröffentlichungen aus dem Hause Deanston…
Umso mehr freue ich mich, dass ich noch eine Flasche dieses großartigen Whiskys in meiner Sammlung habe. Und noch einmal ein riesengroßes Dankeschön an Adrian Gabriel, der mir mit diesem Sample-Geschenk (!) eine sehr große Freude gemacht hat!

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