Michel Couvreur Unpeated Overaged, 51%

Overaged mit Rauchverbot

Vom französischen Wein-Händler und Whisky-Blender Michel Couvreur, der die aus Schottland importierten Whiskies in seinen uralten Weinkellern im Burgund in teils nicht weniger alten Wein- und  Sherry-Fässern seit vielen Jahrzehnten lagert, hatte ich schon ein paar Kreationen probiert. Oft handelt es sich um stark limitierte Abfüllungen, die es dann oft exklusiv bei zwei deutschen Whiskyhändlern gibt. So wie die beiden fast experimentellen Schwester-Abfüllungen „Cœur de Cave“ aus extrem alten Sherryfässern. Aber auch sehr populäre Abfüllungen, wie den „Overaged„, ein rauchiger Blend aus schottischen Malts, der immer wieder in neuen Batches aufgelegt wird.

Hier nun eine limitierte Version des Overaged, diesmal ganz ohne Rauch. Ob diese Abfüllung dann auch ins Standardsortiment aufgenommen wird oder eine einmalige Sache bleibt, wird sich zeigen. Dieses erste Batch ist jedenfalls auf 536 Flaschen limitiert. Da mir der originale Overaged schon sehr gefallen hat, musste ich diese rauchfreie Variante natürlich auch probieren. Bei einem der beiden deutschen Händler war er bereits ausverkauft, deshalb freue ich mich, noch eine Flasche ergattert zu haben.

Die Rahmenbedingungen sind hier ziemlich identisch. Es handelt sich um einen Blend aus schottischen Single Malts, der in unterschiedlichen Fässern gelagert wurde. Das älteste Fass ist 20Jahre, das jüngste 12 Jahre alt. Es kamen Fässer zum Einsatz, die vorher mit Oloroso, PX und Fino Sherry befüllt waren. Abgefüllt in Fassstärke mit ungefähr 51% (die verschiedenen Batches schwanken meist zwischen 48-54% und man spart sich mit einem Mittelwert das Drucken ständig neuer Etiketten), er ist nicht gefärbt und nicht kühlgefiltert.
Verschlossen wie üblich mit Siegelwachs und einem Weinkorken.

Nase
Der kräftige Alkohol bringt eine leichte Kühle zur Nase, die an an einen Pfefferminztee erinnert. Ein absolut typisches süßes Butter-Toffee, wie es die neueren Glenrothes seit der Destillerie-Erweiterung 1989 so prägt, ist das erste dominante Aroma, das meiner Nase mit viel Power entgegenströmt. Dazu viel Salz-Karamell und stark eingedickte dunkle Traubenmelasse, wie sie für eine sehr besondere türkische Süßigkeit verwendet wird. Passend dazu leicht angeröstete Walnüsse und Pistazien. Wie feines Blätterteiggebäck gibt er Schicht für Schicht immer mehr Aromen frei, getrocknete, leicht schwefelige Aprikosen, kandierte Äpfel und Feigen. Auch eine saftige Zitrone blitzt auf und mildes Eichenholz bildet einen feinwürzigen Hintergrund. Die Nase ist wirklich überaus komplex und vielschichtig geraten, den Rauch des berühmteren und sehr erfolgreichen Bruders vermisse ich hier nicht einen Moment.

Gaumen
Die äußerst würzige Süße setzt sich am Gaumen fort, hier aber noch deutlich intensiver und wirklich grandios! Getragen von kräftigem und wärmenden Alkohol hab ich hier wieder viel Toffee und noch mehr Salz-Karamell, dunklen Demerara-Zucker, Block-Malz, kandierte Orangenscheiben, herb-süßen Pfeiffentabak und wieder jede Menge schöne geröstete aromatische Walnüsse. Eine sehr dezente Schwefelnote sorgt für eine herbe Kantigkeit und auch das Eichenholz ist hier kräftiger als in der Nase, herb und würzig, aber ohne jede Bitterkeit. Hier kommen sowohl die PX-Fässer mit ihrer fruchtigen Süße als auch die Oloroso-Fässer mit ihrer trockenen Würzigkeit zum Zug.

Abgang
Eher mittellang und kürzer als erwartet verabschiedet sich dieses würzige Feuerwerk. Süß und sämig mit dunklem Malz und Karamell und ein wenig herber Eichenwürze. Eine schöne Nussigkeit klingt am längsten nach.

Kommentar
Im Vergleich mit dem sehr populären rauchigen Overaged gefällt mir dieser hier tatsächlich besser. Man kann sie natürlich nicht direkt vergleichen, denn es kommen ja andere Whiskies zum Einsatz. Aber die Variante ohne Rauch erscheint mir deutlich vielschichtiger und runder. Hier stimmt eigentlich alles und er dürfte auch Einsteiger nicht überfordern. Manche finden ihn zu süß, ich finde die Balance zwischen süßer Frucht und trockener Würze aber geradezu perfekt gelungen. Und die ausgeprägte Nussigkeit, vornehmlich Walnüsse, ist einfach zum Niederknien schön. So einpägsam und intensiv hatte ich sie bisher nur bei einem Deanston aus einem Palo-Cortado-Fass. Die Alkoholstärke passt hervorragend und alles ist sehr stimmig. Ein echtes Highlight meiner Sammlung.


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