Mackmyra Moment Körsbär, 47%

Mackmyra Moment Körsbär, 47%

 

 

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Neben den alljährlich zwei Mal erscheinenden Säsongwhiskys bringt Mackmyra auch regelmäßig Whiskys in der stark limitierten Moment-Reihe heraus. Das sind Abfüllungen ganz besonders gelungener Fässer, die meist zuvor auch bei vorangegangenen Säsongwhiskys Verwendung fanden. So auch hier. Wie schon beim sehr erfolgreichen Blomstertid liegt auch hier der Schwerpunkt auf der Reifung in Kirschweinfässern. Dazu wählte man ehemalige Oloroso und Bourbonfässer aus, die mit schwedischem Kirschwein gesättigt wurden, bevor man dann den Whisky zur Nachreifung einfüllte. Als sogenannte Sekundärfässer wurden noch frische Olorosfässer und Fässer aus frischer schwedischer Eiche genutzt und alles dann in einem Batch zusammengefügt. Heraus kam der Körsbär – schlicht Kirsche.

Abgefüllt mit 47% und ohne Kühlfilterung wurde er in die obligatorischen Flaschen mit den gravierten massiven Stahl-Etiketten gefüllt. Jede Flasche ist per Hand nummeriert und auch der Korken ist sehr wertig aus schwerem Metall gefertigt.

 

 

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 Auge

Rotbraun-orange mit einem Stich ins pink liegt der Körsbär ölig im Glas und gibt schon optisch die Richtung vor – es wird fruchtig! Die Beine laufen langsam die Glaswand herab.

  Nase

Süße und fruchtige Aromen, die sich nach und nach zu einer Art eingekochter roter Grütze verdichten. Rot, süß, herb, zuckrig. Wie schon beim Blomstertid sind Kirscharomen dabei schon ziemlich omnipräsent, ohne aber komplett das Ruder zu übernehmen. Neben herbsüßen Johannisbeeren spielen auch milde Pflaumen und reife Bananen mit. Eine dezente Vanille und süße Karamellnoten runden alles noch schön ab.
Neben der Frucht hab ich aber auch gleich sehr würzige Holznoten, als hätte man mit einem Hobel frische dicke Späne von einem Eichenbalken gehobelt. Daneben aber auch aromatisches Sandelholz. Auch eine deutliche Salznote, die an einen Schinken im Salzmantel erinnert – für einen Mackmyra schon ziemlich ungewöhnlich. Alkohol spüre ich kaum.

 Gaumen

Karamellisierte und mit Kirschwasser flambierte Orangenscheiben schmelzen auf der Zunge – was für ein Start! Süßsauer rinnt er prickelnd voluminös über die Zunge. War die Nase anfangs noch eher fruchtbetont und süß, so ist hier sehr beeindruckend auch herbes Holz gleich ganz vorne mit dabei. Ein ständiges wunderbares Wechselspiel zwischen sich immer wandelnden süßen Fruchtaromen und trockenen würzigen Eichennoten. Die Früchte sind hier deutlich differenzierter wahrnehmbar als in der Nase. Neben den schon beschriebenen Kirschen, Pflaumen und Bananen hab ich hier wie beim Start auch ganz massive Zitrusfrüchte wie Grapefruits und saftig-süße Orangen, die mit ihrer Säuerlichkeit den Speichelfluss enorm anregen. Kräftig geröstetre Espressobohnen und schöne dunkle Gewürze wie Nelken und Zimt und herbes Muskat füllen aromatisch den ganzen Mundraum aus. Und immer wieder das zur Süße konterkarierende trockene Holz. Ein echtes Erlebnis! Auch hier ist der Alkohol nicht störend spürbar, sondern dient allein dem vollen Aromentransport.

 Abgang

Im gar nicht enden wollenden Abgang kaut man noch richtig lange auf saftigen Kirschen, süßen Orangen und einer Espressobohne herum. Da hab ich kaum noch Eiche, alles hallt fruchtig und süß und würzig lange nach.

 Kommentar

Die Nase lässt einen süßen und sehr fruchtigen Whisky erwarten, aber am Gaumen wird dann ein ganzes Feuerwerk an unterschiedlichsten Aromen gezündet. Der Körsbär ist nicht einfach nur ein intensiverer Blomstertid, er bringt jede Menge neue und spannende Aromen mit, alles ist enorm kräftig und wuchtig und er stellt ein absolutes Highlight in der Mackmyra-Range dar.
Definitiv nichts für Liebhaber zurückhaltender leichter Whiskys, der Körsbär geht voll zur Sache.

 

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Mackmyra Skördetid, 46,1%

Mackmyra Skördetid, 46,1%

 

Im Halbjahrestakt bringt Mackmyra seine limitierten Säsongwhiskys heraus. Mit dem sommerlichen Blomstertid aus dem Jahr 2016 haben sie die Messlatte richtig hoch gelegt. Für diesen Herbst/Winter hat man den passenden Namen Skördetid gewählt, der so viel wie Erntezeit bedeutet.

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Angepriesen wird er mit der Lagerung in Masi-Amarone-Fässern der berühmten Boscaini-Familie aus Venetien mit ihren sehr alten Weingütern im Valpolicella. Das verspricht vielschichtige Aromen! Mackmyra wäre nicht Mackmyra, würden sie nur auf eine Reifungsart vertrauen. So kamen hier neben den Amarone-Fässern auch Ex-Bourbon und Ex-Oloroso Fässer zum Einsatz. Zum Abrunden des Profils wurden dann auch noch einige wenige Fässer aus amerikanischer Eiche genutzt, die mit PX-Sherry gesättigt wurden. Mal schauen, wie rund das Ganze dann ausgefallen ist.
Wie für Mackmyra typisch wurde mit 46,1% und ohne Farbstoff oder Kühlfiltration abgefüllt.

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 Auge

Als mattes Gelborange schwappt der Skördetid im Glas und ölig laufen die dicken Beine. An der Farbe erkenne ich noch keinen Rotweineinfluss.

 Nase

Mackmyra bürgt für Überraschung, und statt der typischen Amarone-Noten hab ich hier erst mal kandierte Orangenscheiben, Mandarinen und einen alten feuchten Eichentisch. Mit der Zeit noch ein paar helle Früchte wie nicht ganz reife Mirabellen und süße Trauben, eine dunkle Würze mit poliertem Leder, etwas Zimtrinde und Tabak verrät den Oloroso, würziger Demerara Zucker liefert eine schöne Süße und der Alkohol ist durchaus spürbar.

 Gaumen

Süßsauer und mit einer schönen pfeffrigen Schärfe legt er imposanter los, als es die Nase vermuten ließ. Auch hier geben Zitrusnoten und ein dunkles eingekochtes Beerenkompott die Richtung vor. Helle Früchte wie Mirabellen und reife Birnen übernehmen immer mehr das Ruder und die typische würzig-säuerliche Mackmyra-Eiche sorgt auch hier für kräftige trockene Holznoten. Mit den aufkommenden Tanninen des Amarone-Fasses ist der Gaumen auf der trocken-holzigen Seite angesiedelt, die von einigen schönen süßen Karamellnoten ergänzt werden.

 Abgang

Die Dominanz der Zitrusfrüchte zieht sich bis zum mittellangen Abgang und hält sich mit hellen Früchten, herb-trockenem Eichenholz, den Tanninen und etwas grasigem Malz die Waage.

 Kommentar

Ich bin ja fast geneigt, von einer Mogelpackung zu sprechen… Wo ist der Amarone? Bis auf ein dezentes Beerenkompott und die Tannine deutet nichts auf eine Lagerung in diesen eigentlich kräftigen und aromatischen Weinfässern hin. Und selbst den Oloroso vermag ich nur marginal zu entdecken. Der erste Mackmyra, der mich etwas ratlos zurücklässt – um nicht zu sagen, enttäuscht. Zumindest was die Reifung in Amaronefässern angeht. Schließlich wird er ja genau damit beworben.
Den Herbst aber spiegelt er mit seinen kantigen Eichennoten und der schönen komplexen Würze durchaus treffend wider. Ein wenig vermisse ich hier aber die Finesse, die Mackmyra so besonders macht. Und den Amarone!
Vielleicht haben sie ja ein paar besonders schöne Fässer davon für den nächsten Moment aufgehoben…

 

Mackmyra Brukswhisky, 41,4%

Mackmyra Brukswhisky, 41,4%

 

Bruks war der Beiname der ersten Mackmyra-Destillerie in einer alten Mühle, die dann 2011 aus Platzgründen ein Stück weiter entfernt in Gävle nach einem völlig neuen Gravity-Konzept und hochmodern neu gebaut wurde.
Ich habe bislang eher negative Meinungen zum preiswerten Einstiegs-Standard gehört. Bei meinem letzten Urlaub in Schweden fand ich den Bruks dann in einem der hiesigen und rein staatlich geführten Alki-shops „Systembolaget“. Kaum teurer als bei uns landete er dann nebst einem Hven und ein paar Flaschen Rosé für die weiblichen Hüttenbewohner als Mitbringsel im Korb.
Standardmäßig füllt Mackmyra die Whiskys mit 46,1% ab, der Bruks bekam nur 41,4% spendiert.
Er wurde nicht gefärbt, ob er – wie sonst auch üblich – ebenfalls nicht kühlfiltriert wurde, weiß ich nicht.

 

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 Nase

Im Glas schlägt mir erst mal buttrig-fetter Teig für Vanillekipferl aus Oma’s Backstube entgegen, dann habe ich helle Äpfel, bronzegelbe reife Nashi-Birnen, Mirabellen und frische Zwetschgen. Später kommt noch frisch zubereitetes Tiramisu mit einem Topping aus geriebener Zitronenschale. Etwas Anis und süßer Blütenhonig setzen weitere Nuancen. Über allem schwebend die für Mackmyra so typischen polierten Eichennoten, die immer etwas säuerlich und fast wie Virgin Oak duften. Das wird wohl die schwedische Eiche sein, die Mackmyra in Kombination mit anderen Fässern zum Reifen verwendet.

 Gaumen

Der Gaumen spiegelt so ziemlich die Nase wider. Cremig, honigsüß und mit viel Vanille läuft er über die Zunge und auch hier habe ich leichte frische Fruchtnoten aus der Baumobst-Fraktion. Ein wenig milder und frisch gemahlener Pfeffer mogelt sich rein und auch hier unterlegt mit typischen blank polierten herb-säuerlichen Eichennoten. Daneben noch leicht salziges Lakritz mit Süßholzakzenten und heller Honig. Trotz des ziemlich schwachen Alkohols ist das alles recht kräftig und voll, aber auch ziemlich flüchtig und es geht rasch weiter zum…

 Abgang

…Abgang, der sich überraschenderweise dann doch deutlich länger gestaltet, als erwartet. Auch hier wieder schön fruchtig-herb mit ein wenig Anis, polierter Eiche und etwas Gerstenstroh.

 Kommentar

Mackmyra hat einige echte Kracher herausgebracht wie den Blomstertid oder die Rotspons. Dieser gehört nicht dazu. Aber das soll er ja auch gar nicht. Der Name ist Programm – dieser Whisky ist ideal, um Mackmyra kennenzulernen. Keine überfordernde Komplexität und trotzdem nicht langweilig und trotz der nur knapp 41% nicht zu verwässert. Er hat die typischen Mackmyra-Aromen, die diesen schwedischen Whisky so unverwechselbar machen. Ich habe ihn zu anregenden Gesprächen unter der schwedischen Mitternachtssonne am Lagerfeuer genossen und dafür ist er perfekt. Ein netter und sehr gefälliger Begleiter, ein Gebrauchs-Whisky eben. Mehr will er gar nicht sein. Und diesen Anspruch erfüllt er meiner Meinung nach perfekt.

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Mackmyra 7 Jahre, Whisky.de, 49,6%

Mackmyra 7 Jahre, Whisky.de, 49,6%

 

Der Blomstertid war ein echter Hit und Verkaufsschlager für Mackmyra. Wieder einmal eine kuriose Fasswahl, darunter PX- und Oloroso-Fässer und Fässer aus schwedischer Eiche, die vorher mit Kirschwein gesättigt wurden. Süß und tief und komplex und einfach großartig war er und ist inzwischen nicht mehr im Handel erhältlich.
Deutschlands größter Whiskyhändler hat sich nun eine Eigenabfüllung von Mackmyra abfüllen lassen, ein siebenjähriger Single Malt, der nach sechs Jahren in einem Ex-Bourbonfass für ein weiteres Jahr in einem Kirschweinfass reifte. Es sollten also ähnliche Aromen wie beim Blomstertid zu erwarten sein. Er wurde ungefärbt und offenbar ohne jede Filtration mit kräftigen 49,6% abgefüllt. Ganze 390 Flaschen gibt es davon.

Naturtrüb frisch gepresst aus dem Fass und rost-orange liegt dieser – na, ich warte erst mal, bevor ich ihn Whisky nenne…

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 Nase

Zuerst mal süß und fruchtig, und fruchtig und süß, klebrig süß. Zum Glück hab ich etwas Geduld und die tut auch diesem – ähhm, ja doch – Whisky gut. Nach und nach wird er komplexer, ich hab schönes Himbeergelee, saftige Grapefruits und – natürlich – Kirschen in allen Darreichungsformen. Pur und püriert, gepresst und eingelegt, frisch gepflückt und schon leicht vergoren. Vor allem aber süß. Und auch schon zu Beginn schöne holzige Noten vom typischen Mackmyra-Fass, dass immer etwas eichiger und säuerlicher daherkommt. Störend ist eigentlich nur der dominante Alkohol. Auf Wasser verzichte ich aus Furcht vor noch mehr Süße.

 Geschmack:

Sofort verteilt sich die erwartete fast likörartige Süße über der ganzen Zunge, eingelegte Kirschen und diesmal süß-herbes Johannisbeer-Gelee, geriebene Limettenschale und reife Orangen. Nach kurzer Zeit kommen schöne dunkle Röstaromen, als kaut man auf einer Espressobohne. Und auch hier deutliche frische Eichenaromen, die mit ihren herben Noten der Süße gegenlenken.

Abgang

Der Abgang ist relativ kurz, aber ebenso intensiv wie der Gaumen. Auch hier jede Menge Fruchtigkeit und herbe Eichennoten in schöner Harmonie, vor allem aber Malz bleibt länger hängen.

Kommentar

Der Vergleich mit dem Mackmyra-Highlight Blomstertid liegt natürlich nahe – bei beiden war ein Kirschweinfass im Spiel. Beim Blomstertid waren aber noch andere Nachreifungen beteiligt und machten ihn zu einem sehr komplexen Whisky. Dieser hier wirkt ein bisschen, als hätte man den Blomstertid noch mal destilliert und das Kirschweinfass extrahiert. Irgendwas wehrt sich, das noch Whisky zu nennen, aber ich mag ihn trotzdem. Fast mehr Likör, aber dennoch spannend und für sich genommen durchaus komplex. Mackmyra bleibt sich treu und macht alles eben doch etwas anders. Und das auch noch richtig gut!

 

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Mackmyra Nathan Rotspon, 54,3%

Mackmyra Nathan Rotspon, 54,3%

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Mackmyra hat sich längst als feste Größe etabliert auf dem Whiskymarkt und ist inzwischen mehr als nur eine schwedische Kuriosität. Vor allem in Deutschland erfreut sich Mackmyra immer größerer Beliebtheit und der deutsche Markt ist so ziemlich das wichtigste Export-Ziel in Europa. Ob das nun ausschlaggebend war für die Kollaboration mit dem deutschen Weinhändler Heinrich von Have in Hamburg, weiß ich nicht. Es ist nun aber schon das dritte Jahr, in dem Mackmyra Whisky, der vorher in frischen Ex-Bourbon-Fässern und neuen Fässern aus schwedischer Eiche reifte, zu einer Nachreifung in den für Hamburg berühmten Rotspon-Fässern in die Hansestadt liefert. Rotspon bezeichnet eigentlich nur die Fässer, in denen zumeist Bordeaux-Wein aus Frankreich in die diversen Hansestädte geliefert wurden, um dort dann in Flaschen gefüllt zu werden. Rotspon-Weine sind seit langer Zeit eine berühmte Tradition vor allem in Lübeck und Hamburg.
Die allererste Abfüllung hieß einfach nur „Rotspon“, im Folgejahr erschienen dann drei Abfüllungen mit den Namen „Abraham“, Benjamin“ und „Big Daddy“, die relativ schnell ausverkauft waren. Im Jahr drauf folgten dann vier weitere Rotspon-Abfüllungen, von denen diese hier eine ist und den Namen „Nathan“ trägt. Allen gemein ist, dass es sich um Einzelfassabfüllungen in Fassstärke handelt. Die Etiketten sind puristisch und enthalten alle Informationen auf Deutsch.
Ich habe mir diesen Mackmyra extra für den Schwedenurlaub aufgehoben und ihn quasi re-importiert. In den langen hellen Nächten unter der nordischen Mitternachtssonne wurde er bei schönen Gesprächen am Lagerfeuer genossen. Und es wurden unter seinem kreativen Einfluss neue Wanderungen durch die einsamen und endlos scheinenden Fjälls mit all den großen Rentierherden geplant. Unvergessene Nächte.

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 Nase

Süße warme Früchte wie reife Pflaumen und eingelegte Kirschen, Johannisbeer-Kompott und gekochter Rhabarber mit einer sämigen Vanillesoße. Dazu aromatische Gewürze wie Zimt, Nelken und etwas Anis. Knackiges Butterkaramell, Marzipan und frische Bourbon-Vanille unterstreichen die Süße der Früchte. Eiche hab ich kaum in der Nase, hier dominiert ganz klar der schöne Rotwein, den der Whisky aus dem Rotspon-Fass gesaugt hat.

 Geschmack

Der Nathan startet heftig und warm und prickelnd, sofort breiten sich säuerliche Früchte wie Sauerkirschen, Stachelbeeren und unreife Pflaumen aus. Dazu würziger Pinienhonig, frisch gemahlener Pfeffer und eine ganzes Gewürzregal ringen hier um Aufmerksamkeit. Die verschiedenen Eichensorten kommen hier viel stärker zur Geltung, adstringierende Tannine des Rotweinfasses harmonieren ganz wunderbar mit den übrigen Aromen.

 Abgang

Der Abgang ist sehr lang und gehaltvoll, neben schönen würzigen Fruchtnoten habe ich auch Harz von Nadelbäumen, etwas Dill und wieder frischen Pfeffer. Er wird immer trockener und auch hier prägt die Eiche den Abschluss.

 Kommentar

Ich hatte schon viele Mackmyras im Glas und nicht selten schrieb ich, dass es der bislang beste war. Dass immer noch eine Steigerung möglich ist, zeigt dieser hier. Unglaublich komplex und voll und mit einer sehr breiten Aromenpalette kommt der Nathan daher. Ich hoffe sehr, dass die Rotspon-Abfüllungen zu einem festen Bestandteil bei Mackmyra werden. Andererseits wäre damit dann aber auch die Einzigartigkeit ein wenig in Frage gestellt. Ich erfreue mich einfach an dieser Flasche und bin glücklich, sie mein Eigen nennen zu können!

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Hven Tycho’s Star, 41,8%

Hven Tycho’s Star, 41,8%

 

Nach dem Erfolg von Mackmyra entstehen auch in Schweden mehr und mehr kleine Brennereien, die Whisky produzieren. Zumeist als Nebenprodukt, da sie in erster Linie andere umsatzstärkere Spirituosen herstellen. Dazu gehört auch die Brennerei Hven, die auf der gleichnamigen kleinen Insel im Öresund an der Grenze zu Dänemark gelegen ist und deren Whisky ich zufällig bei meinem Urlaub in Mittelschweden entdeckt habe. Der musste natürlich mit und wurde noch vor Ort in der fast taghellen und mückengeschwängerten Mittsommernacht am Lagerfeuer probiert.
Betrieben wird die Brennerei seit 2010 in einem Hotel mit angeschlossenem Restaurant, einem Tastingroom und einem Spa. Neben Whisky wird dort auch Gin, Wodka und Aquavit gebrannt. Der Whisky wird aber in separaten Brennblasen aus Kupfer hergestellt, damit es keine Fehlnoten durch die anderen Brände gibt.
Bislang wird nur in kleinem Maßstab produziert und der Whisky ist fast ausschließlich in Schweden zu bekommen, und auch da nur vereinzelt. Erfreulicherweise ist man sehr offen und auskunftsfreundlich, was die Herstellung des Whiskys angeht. So schrieb man mir auf Anfrage detailliert, dass für das Brennen drei verschiedene lokale Gerstensorten verwendet werden, die biologisch auf der Insel angebaut werden. Von der Saat bis zum Aufkleben des Etiketts auf die Flaschen wird alles auf der Insel unter biologischen Aspekten produziert.
Gereift wird der Newmake sowohl in frischen luftgetrockneten und stark ausgebrannten amerikanischen Weißeichenfässern aus Missouri, als auch in getoasteten Fässern aus zwei verschiedenen französischen Eichensorten aus Allier und der Bourgogne. Da kann sich so manche schottische Destillerie mal ein Beispiel nehmen, die sich zumeist in geheimnistuerisches Schweigen hüllen, wenn es um Einzelheiten der diversen Whiskys geht.
Benannt ist der Whisky nach dem in der Fachwelt wohl sehr bedeutenden dänischen Astronomen Tycho Brahe, der im 16. Jahrhundert auf der Insel Hven lebte und neben diversen Sternen auch eine berühmte Supernova entdeckte.
Über das Alter gibt es keine Angaben, aber der Whisky wird weder gefärbt noch irgendwie filtriert in die schönen Flaschen abgefüllt, die in ihrer Form an Erlenmeyerkolben erinnern und als eine Remineszenz an die berufliche Vergangenheit des Chefs Henric Molin als Chemiker verstanden werden können. Verpackt in einem hübsch gebastelten Holzkasten.

Soweit das nette Storytelling. Mal schauen, ob er auch im Glas sonnengleich erstrahlt oder zu einem schwarzen Loch schrumpft.

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 Im Glas

Leuchtender kräftiger Bernstein – die dunkle Farbe ist wohl den stark ausgebrannten Fässern geschuldet. An Beinchenbildung ist kaum etwas zu erkennen.

Nase

In der Nase dann gleich schöner süßer mineralischer Rauch, der weder an Islay noch an den krautigen Rauch von Mackmyra erinnert. Das ist schönstes rauchiges Lagerfeuer mit gutem Laubholz. Dann habe ich braunen Rohrzucker, fette Vanille, dicke gelb-rote süße Äpfel und einen Hauch Birne, reife Bananen, saftige Zitrusfrüchte und feinherbe Orangenschalen, Süßholz/Lakritze und enfernt auch ein paar Kirschen, Rosinen und Marzipan. Die Eiche kommt deutlich mit schönen holzigen Noten nach Zeder, Gewürznelke und Zimtrinde. Trotz der nur knapp 42% ist der Alkohol spürbar, aber nicht stechend.

 Gaumen

Am Gaumen ist der Rauch dominant und weiterhin eher mild und süß, dazu Blütenhonig. Bei weitem nicht so fruchtig wie die Nase, hier habe ich in erster Linie schöne Gewürze und Kräuter unterlegt mit etwas Bananengelee und Birnen-Apfelkompott. Auch die Eiche ist stärker vertreten als in der Nase und setzt mit herber Holzigkeit Akzente. Alles wirkt etwas dünner, als es sein könnte – 41,8% halt…

Abgang

Im Abgang erwatungsgemäß langanhaltend rauchig, Eiche und Noten von süßlichem Heu und Kräutern.

Kommentar

Für einen alterslosen Einstiegswhisky, als der er gedacht ist, zeigt er schon viel Potential. Das ist ein astreiner Whisky, ich würde ihn ohne zu zögern auch nach Schottland verorten. Wo Mackmyra mit kuriosen Experimenten trumpft, setzt man bei Hven auf klassiche Verfahren und Lagerung.
Das eine oder andere Sherry- oder Rotweinfass könnte folgende Abfüllungen vielleicht runder machen und auch etwas mehr Alkohol stünde ihm deutlich besser. Ich werde die Destillerie auf jeden Fall im Auge behalten, da ist noch Raum nach oben und viel Gutes zu erwarten.

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Mackmyra Ten, 46,1%

Mackmyra Ten, 46,1%

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Mit dem Saison-Whisky Blomstertid hat Mackmyra letztes Jahr einen echten Hit gelandet. Dieser sehr komplexe und gefällige Whisky fand schnell seine Liebhaber und brachte der schwedischen Brennerei einen enormen Publicity-Schub.
Mit der diesjährigen Saison-Abfüllung für den Sommer 2017 bringt Mackmyra nun zum ersten Mal einen Whisky mit einer Altersangabe auf den Markt, den sie schlicht „Ten“ nennen. Er reifte in frischen amerikanischen Eichenfässern, in ehemaligen Bourbon-Fässern und in Fässern aus schwedischer Eiche, die vorher mit Oloroso-Sherry gesättigt wurden und lagerte zum größten Teil 50 Meter tief unter der Erde in Mackmyras berühmter Bodås-Mine. Laut Mackmyra befinden sich bis zu 13 jahre alte Abfüllungen in diesem Whisky.

In die Flaschen kam er mit den für Mackmyra üblichen 46,1% und er ist nicht gefärbt oder kühlfiltriert.

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 Nase

Der Mackmyra Ten legt gleich mit einer kräftigen süßherben Würze los, reife Äpfel und Birnen, Beerenkompott, eingelegte Kirschen, Rosinen, frisch abgeriebene Zitronenschale, Mirabellen, süße Vanille, dunkler Rohrzucker, Lavendel und sehr kräftige aber schön ins Gesamtbild eingebundene Eichennoten. Und dazwischen auch wieder die für Mackmyra so typische säuerliche Würze, die mich immer an Gewürzgurken erinnert.

 Geschmack

Der Antritt ist scharf und kantig, intensiv süß und würzig mit viel Frucht startet er am Gaumen, sämige Vanille und Karamell, Rosinen, Marzipan und saftige Zitrusfrüchte harmonieren ganz wunderbar mit den starken herben und ungewöhnlich würzigen Eichennoten der schwedischen Fassdauben. Nichts dominiert, alles harmoniert gleichberechtigt nebeneinander.

 Abgang

Im langen Abgang wieder helle Früchte, eine krautig-grasige Süße, ein Hauch Gewürznelke und milde Eiche.

 Kommentar

Die Jungs aus Gävle wissen einfach, was sie da tun. Mit zum Teil abenteuerlichen Nachreifungen haben sie über die letzten Jahre genug Erfahrung sammeln können. Für ihren ersten Whisky mit einer Jahreszahl drauf entschied man sich für eine eher konventionelle Reifung und das Ergebnis ist wirklich herausragend. Überaus komplex und kräftig präsentiert sich dieser erste echte Meilenstein in der Geschichte der Brennerei. Durch den konsequenten Einsatz schwedischen Eichenholzes, das durch das spezielle nordische Kilma langsamer wächst und höheren Temperaturschwankungen ausgesetzt ist und mit der dadurch höheren Dichte ganz spezielle Aromen freisetzt, haben sie sich mit etwas wirklich Originärem auf dem Whiskymarkt etablieren können.
Limitiert wie alle Saison-Whiskys sollte man sich gerade bei diesem hier noch eine Flasche sichern. Eine absolute Kaufempfehlung!

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„Tom trinkt“ hat den Mackmyra Ten auch probiert: Tom trinkt Mackmyra Ten