Aberlour Casg Annamh, 48%

Aberlour Casg Annamh, 48%

Aberlour in der Speyside ist bekannt für Abfüllungen aus ehemaligen Sherry-Fässern und es gibt eine große Bandbreite an Standard-Abfüllungen, die sich sowohl im Alter als auch im Alkoholgehalt und der Fasszusammenstellung unterscheiden.
Ein wahrer Klassiker und der unter Whisky-Enthusiasten wohl beliebteste Aberlour ist der A’bunadh, der seit vielen Jahren in regelmäßigen Batches erscheint und für eine große Fangemeinde sorgt. Intensive Sherry-Noten in hoher Fassstärke sind seine Markenzeichen. Gereift wird der A’bunadh ausschließlich in ehemaligen Oloroso-Sherrybutts aus europäischer Eiche.
Mit dem Casg Annamh will Aberlour nun offenbar eine neue Serie in kleinen Batches etablieren. Das besondere an diesen „seltenen Fässern“ – was Casg Annamh bedeutet – ist der vorwiegende Gebrauch von Fässern aus zwei verschiedenen amerikanischen Eichenhölzern. Zusätzlich kommen auch hier Olososo-Fässer aus europäischer Eiche zum Einsatz. Klingt schon mal spannend.
Auch der für Aberlour eher seltene hohe Alkoholgehalt von 48% und der Verzicht auf Kühlfiltration versprechen ein intensives Erlebnis.
Hier ist nun also das allerste Batch No. 001 im Glas.

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 Auge

Mit einem satten Goldbraun liegt der Casg Annamh im Glas, die Beinchen sind eng und winzig und weigern sich fast beharrlich, die Glaswand hinabzulaufen – das verspricht Intensität!

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 Nase

Eine völlig andere Nase als der der A’bunadh. Waren es dort starke typische Sherry-Noten, so erwartet einen hier ein völlig anderes Spektrum an Aromen.
Eingelegte süße Maraschino-Kirschen und Marzipan, Mandelöl, sehr reife und leicht angedrückte Bananen mit braunen Flecken auf der Schale. Dazu schönes Karamell, wenngleich auch nicht so dunkel und intensiv wie bei typischen Sherry-Whiskys. Getrocknete Pfirsiche bringen dann doch einen Hauch Sherry-Standard ins Spiel. Und dann sind sie auch schon da  – die außergewöhnlichen Eichenaromen! Sie erinnern mich an frisch abgebrochene Äste von Obstbäumen, so ein saftig süßlicher und intensiv trocken-würziger Holzgeruch. In Verbindung mit etwas Holzpolitur erinnert er fast an Virgin Oak. Das sind die interessantesten Holznoten, die ich seit langem im Glas hatte.

 Geschmack

Sehr ölig und zäh läuft er über die Zunge, erinnert an frisches weiches Leinöl. Warm und kräftig kommen schöne süße Honignoten mit Vanille und Marzipan. Wieder die würzigen Trocken-Pfirsiche und überreife Weintrauben. Die Süße geht nach und nach über in wärmende kantige Holznoten mit schönen Gewürzen, helles und glatt poliertes Eichenholz statt alter dunkler Fässer. Alles sehr kräftig, frisch und belebend.

Abgang

Der Abgang ist lang und wohlschmeckend, vor allem die Süße von frisch zerkauten Grashalmen und Malzzucker. Dazu ein entfernter Anklang von eingelegten Rosinen, schönen Gewürzen wie Nelken und Kardamom und wieder viel herbsüße Eichenaromen.

 Kommentar

Ein Aberlour, der etwas aus der Reihe schlägt und mich wirklich überraschen und überzeugen konnte. Kein Abklatsch vom großen Bruder A’bunadh, sondern sehr eigenständig und anders. Sehr gut ausbalanciert zwischen einer sämigen, fast öligen fruchtigen Süße und dominanten und ungewöhnlichen Holznoten, wobei sich keine der beiden zu sehr in den Vordergrund drängt. Gefällt mir ausgesprochen gut, da schaue ich erwartungsvoll auf folgende Batches!

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Glenrothes „Malocherwhisky“, 46%

Glenrothes „Malocherwhisky“, 46%

 

Glenrothes ist kein sanfter Schmeichelwhisky. Er ist meist ziemlich direkt, erdig und manchmal auch etwas schroff – passt also vom Charakter her schon mal ganz gut ins Ruhrgebiet, wo einem früher beim Niesen die Briketts aus der Nase flogen…

Für einen örtlichen Sportverein hat der Whiskyhort in Oberhausen diesen mit nur 40 Flaschen stark limitierten Whisky abgefüllt und ihn – passend zur Bergbau-Region –  „Malocherwhisky“ getauft.
An Information zum Whisky gibt es auf der Flasche nicht viel zu entdecken. Da stehen lediglich die Abfülljahre und die Alkoholstärke und der Hinweis, dass weder gefärbt noch kühlfiltriert wurde. Der Trübung nach zu urteilen, wurde er gar nicht gefiltert – wie die Schlote der alten Zechen in den Siebzigern. Dass es sich um einen Glenrothes mit einem Sherry-Finish handelt, erfährt man nur auf der Shop-Seite.

Nun denn – den Kohlenstaub aus den Klamotten geklopft und ab inne Tasse mit dat Zeuch! Glück auf!

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 Aufstieg inne Nase

Hömma, dat is nen waschechten Glenrottes, da kannse Dein Omma für verwetten!  Sowat von Butterkeks und richtich fett Vanille finnse sons nur bei Kuchen-Erna umme Ecke!  Un Früchte haste hier! Nee, wat is dat lecker! Da musste schon aufn Bottropper Kirchplatz für fahrn wennse solche Früchte ham willst! Un wattse an Weihnachten imma inne Kuchn tun, den Gewürzkram, dat tu ich auch riechen. Un kann ja sein, dat ich das noch vom Montiern vonne Auspuff inne Nase hab, aber nen gans bissken Schwefel kannse hier auch schnuppern. Passt aber gut un tut nich weiter störn. Nen bissken wat von Giselas Eichentruhe, wose Erwin sein Socken immer reintut.

 Durchfrickeln im Mund

Boah, wat is der schön warm wenner die Kehle runterfährt! Da kommse fast ins Schwitzen bei! Nen Doppelkorn is nix dagegen, ich sachet Dir! Und wieder dat ganze Fruchtgedöns, die Butterkekse und richtich süß isser! Als wie wennse Dir nen Bütterken mit Honig schmiern tust. Bissken olle Gartenerde ausm Schrebergarten is mit dabei, dat gibt Würze! Junge, dat geht ganz schön ab mit dat Zeuch hier in Mund, da tanzt die Helga aber Polka bei! Da denkste, den hammse frisch ausm Fass gekippt. Da hasse nich nur Giselas Truhe, da issn ganzet Kabüffken voll Holz inne Flasche drin.

 Abstieg inne Kehle

Da klingeln dir noch ne halbe Stunde später die Ohrn von! Immer noch süß wie Bömmskes und nen bissken Grashalme vonne Muckis und olles Holz. Da hasse ma richtich wat von.

 Hömma zu!

Wat? Der soll nur neun Jahre aufm Buckel ham? Dat kannse Dein Schwiegermutter erzähln! Mit dat Zeuch kriegste jedes Mopped wieder ans Laufen! Wennse den im Glas hass, weisse, für wat Du da malochen gehst!
Dat is kein Kokolores, dat is nen ganz feinet Dröppken! Da wirste nich betuppt bei, dat is nen ehrlichen Whisky, dense da für Dein Geld kriegen tust!
Bei son Kumpel da brauchse kein Groove-Gedöns!
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Benrinnes 8 Jahre, 46% ALDI

Benrinnes 8 Jahre, 46% ALDI

„Aldi ist weniger eine Frage des Geldbeutels, sondern eine des Glaubens!
An Aldi scheiden sich die Materialisten von den Bourgeois.“
Frankfurter Rundschau

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Ein achtjähriger Single-Cask-Whisky bei Aldi – und schon formieren sich Fronten in den einschlägigen Foren und FB-Seiten. Verrückte Zeiten.
Weniger der Whisky an sich als vielmehr die Tatsache, dass Aldi Süd einen Single-Cask-Whisky in guter Trinkstärke und dazu noch ungefärbt und nicht kühlfiltriert auf den Markt bringt, ist hier das Besondere. Und das weckt Aufmerksamkeit und Unmut. So manch Händler sieht offenbar gar den Untergang des Whisky-Abendlandes angebrochen – und übersieht dabei, dass genau solche Angebote die Neugier nach mehr wecken und neue Liebhaber schaffen, die dann auch mal den Blick über die Discounter-Regale wagen.

Knapp 40 Euro für einen achtjährigen Whisky – das klingt erst mal nicht nach einem Discounter-Schnäppchen. Aber es spiegelt die reale Preisentwicklung wider. Whisky wird teurer. Und jünger. Das kann man bei allen Abfüllern beobachten. Daher finde ich den Preis bei Aldi durchaus angemessen. Zumal auch hier ein regulärer unabhängiger Abfüller dahinter steht. Ob er auch gustatorisch mithalten kann, wird sich nun zeigen.
Ich hab das Fass 309688 erwischt und mir scheint, alle Filialen in Bonn wurden damit beliefert. In vier Filialen habe ich nur dieses Fass finden können, von dem immerhin 404 Flaschen abgefüllt wurden.
Auf dem Etikett sind das genaue Destillations- und das Abfülldatum vermerkt, dazu noch die Fassnummer und die einzeln nummerierte Flaschenzahl. Als Fass wird nur Hogshead angegeben – was so ziemlich nichtssagend ist. Ein Hogshead kann aus den verschiedensten ehemaligen Fässern zusammengesetzt sein.
Nun denn – aus der Einkaufstüte ab ins Glas.

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 Auge

Meine Frau trinkt Weißwein mit mehr Farbe, aber das soll erst mal nicht viel heißen. Zu oft habe ich da schon Überraschungen erlebt – in beide Richtungen – als dass ich bei der Farbe vorschnell urteilen würde. Die dicken Beine laufen recht flott am Glas herab.

 

 Nase

Im Glas offeriert er gleich schon mal eine ordentliche malzige Fruchtigkeit, die schon weit entfernt von der Nase präsent ist. Der erste Eindruck erinnert mich an ein frisch gezapftes Pilsner mit etwas Frucht. Also eher ein Radler. Überreife Quitten kommen mir als dominanteste Fruchtnote entgegen.  Danach gleich gezuckerte Zitronen, grüne knackige Äpfel, Mirabellen und etwas unreife Birne. Eine typische junge Speyside-Nase. Fein.

 

Gaumen

Auf der Zunge keine großen Überraschungen, fruchtig geht es auch hier weiter. Neben herbsüßem Quittengelee und Birnenkompott mit einem Hauch Gewürznelke hab ich herzhaftes süßlich-würziges Pumpernickel und Zitronenschale. Auch das Eichenholz ist hier mit herben trockenen Noten deutlich kräftiger vertreten als in der Nase. Dazu eine süße Cremigkeit, die mich an irischen Pot Still erinnert.

 

 Abgang

Süßes Malz, Espresso, etwas Anis und wärmende würzige Eiche. Und das alles deutlich länger, als ich es erwartet hätte. Ein schönes Blockmalz-Bonbon klingt wirklich sehr lange nach.

 

 Kommentar

Hätte ich diesen Whisky auch gekauft, wenn er von Signatory, Douglas Laing oder irgendeinem anderen UA abgefüllt worden wäre? Wahrscheinlich nicht. Er wäre – für mich – im Meer der zunehmend jungen Abfüllungen untergegangen. Im Aldi-Sortiment aber hat er meine Neugierde geweckt und ich bereue nicht, ihn gekauft zu haben.

Er ist keine Ausgeburt an Komplexität und er ist massentauglich – wer bei Aldi etwas anderes erwartet, hat das System Aldi nicht verstanden. Andererseits hat er durchaus genügend Charakter und Tiefe und interessante Noten, um auch für echte Whiskygenießer einen netten Abend einzuläuten. Insgesamt ein unkomplizierter und malzlastiger Whisky, der mich positiv überraschen konnte und den ich gern als All-Day-Dram im Glas habe.

Glen Elgin 16 Jahre, 58,5%

Glen Elgin 16 Jahre, 58,5%

Dieser Glen Elgin war ein echter Blindkauf, den ich auf unzählige Empfehlungen in diversen Foren und Facebook-Gruppen hin gemacht habe. Über ein Jahr hat es schließlich gedauert, bis ich eine Flasche dieser limitierten Originalabfüllung zu einem noch anständigen Preis ergattern konnte.

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Von Glen Elgin gibt es nur wenige Originalabfüllungen, das allermeiste landet in Blend-Whiskys oder in Flaschen von unabhängigen Abfüllern, die dafür sorgen, dass auch eher unbekanntere Destillerien zu ihrem Recht als hervorragende Whiskyproduzenten kommen. Da konnte mich schon dieser Glen Elgin aus einem sehr frischen Amarone-Fass überzeugen!

Knapp 10.000 Flaschen wurden von diesem Batch abgefüllt, leider kühlfiltriert und gefärbt, aber immerhin in Fassstärke mit 58,5%.

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Auge

tja – schwer zu beurteilen, welchen Anteil E150a an der schönen, leicht stumpfen kastanienbraunen Farbe hat… Die dünnen Beinchen versprechen zumindest ein intensives Mundgefühl.

Nase

Schon nach dem Einschenken ist kurzerhand der ganze Raum mit den Aromen geflutet – das fällt selbst meiner ansonsten überhaupt nicht whisky-affinen Frau positiv auf. Was für ein präsenter Whisky!
Kandierte Orangen, dass es einem den Mund wässert, saftige süße Mandarinen, Erdbeerpüree mit Vanillezucker und weiche Backpflaumen sind die ersten Eindrücke, die mir entgegenströmen. Dazu malziger dunkler Demerarazucker. Süßer Pfeifentabak steigt aus dem Glas empor, ich sehe meinen Vater paffend und Rauchkringel blasend auf dem Sofa sitzen. Der Mief einer speckigen alten Lederjacke und altes muffiges Eichenholz fügen dem Geruchsbild schöne trockene würzige Akzente hinzu.

Gaumen

Im Mund gleich ein schönes Trio aus wärmender Schärfe, trockenem Eichenholz und fruchtiger Honigsüße. Dann wieder die saftigen Orangen und Mandarinen, diesmal untermalt mit Gewürznelken und Zimtstangen. Unter der mächtigen Süße lauert aber eine kräftige herber Eiche, es prickelt und geht richtig ab auf der Zunge. Die sherry-typischen Trockenpflaumen und Rosinen sind ebefalls sehr präsent. Und dann werden die kräftigen europäischen Eichenfässer immer dominanter. Herb und wuchtig sorgen sie für eine feucht-muffige Trockenheit und einen leichten Pelz auf der Zunge, wie die Tannine eines richtig trockenen Rotweins.

Abgang

Der eher mittellange und sherrytypische Abgang ist warm und wird von schönen Gewürzen wie Zimt und Nelken bestimmt. Süße Trockenpflaumen, dunkler Rohrzucker und die starken Eichenfässer sorgen für weitere Würze.

Kommentar

Ein richtig schöner und voller Sherry-Whisky mit genügend Eigencharakter, vor allem die Orangennoten in vielen Facetten können hier begeistern und ihn von vielen und mittlerweile schon fast beliebig gewordenen Sherrywhiskys deutlich abheben. Komplex und mit 16 Jahren sehr schön gereift zeigt sich hier ein weiteres Mal, welche Perlen sich hinter kaum bekannten Whiskydestillerien verstecken können, die in erster Linie für die Blend-Industrie produzieren. Das hat sich mittlerweile auch bei Sammlern und Genießern herumgesprochen und diese limitierte Abfüllung ist schon lange nicht mehr auf dem freien Markt erhältlich. Mit viel Glück kann man diesen Glen Elgin noch zu einem einigermaßen vernünftigen Preis auf den bekannten Plattformen ergattern, und wenn sich die Chance bietet, sollte man nicht zögern.

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Glen Garioch 7 Jahre Red Wine Cask, 58,2%

Glen Garioch 7 Jahre Red Wine Cask, 58,2%

 

Kaum stand der 21jährige Glen Garioch von Abbey im Schrank, kam mir dieser junge, gerade mal ein drittel so alte Glen Garioch aus einem Rotweinfass unter die Finger. Er wurde vom unabhängigen Abfüller „The Creative Whisky Company“ in der Serie Exclusive Malts mit gerade mal sieben Jahren Reifezeit in die schön etikettierten und unverwechselbaren Flaschen gefüllt. Um was für ein Rotweinfass es sich handelt, erfährt man nicht, aber der Farbe nach dürfte da kurz vor der Befüllung noch Rotwein drin gewesen sein – mit reichlich Resten im Fass…
Der großartige Serge macht ja mittlerweile einen großen Bogen um solche Farbwunder-Whiskys, mich reizen sie nach wie vor. Kaum hatte ich ihn ausgepackt, musste er auch schon ins Glas.
Ach ja – Fassstärke mit 58,2%, keine zusätzliche Farbe (warum auch…) und ohne Kühlfiltration.

 

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 Auge

Dünner Hagebuttentee… Die Beinchen haben es recht eilig, die Glaswand herabzulaufen.

 Nase

Ist das noch Whisky oder schon Waldbeerbowle? Der legt der Farbe entsprechend gleich mit sehr reifen süßen Erdbeeren und Kirschen los, dazu zerdrückte herb-süße rote Johannisbeeren und püriertes Him- und Stachelbeerkompott – kurz: rote Grütze aus dem Fass. Das schmeichelt verführerisch in der Nase – einen derart aufdringlich fruchtigen Whisky hatte ich selten. Ein alter Strathclyde war so ähnlich vom Profil und den mochte ich ziemlich gern. Aber außer dieser Beeren-Invasion ist da zum Glück noch mehr zu entdecken: Rohrzucker, ein wenig alter Blechnapf aus Omas Küchenschrank und dann kommt auch noch satte Vanille. Das alles angerichtet in einer Schale aus ziemlich trockenen Eichenholz. Der Alkohol hält sich sehr angenehm im Hintergrund, sorgt allenfalls für etwas kühlende Frische in der Nase.

 Gaumen

Der erste Schluck birgt keine großen Überraschungen – süß und erdbeerig geht es nahtlos weiter, wobei es hier vor allem zuckrige Erbeermarmelade mit ordentlich Vanille ist (dazu jetzt ein Croissant mit gesalzener Butter…hmmm..) Der starke Alkohol bringt eine schöne Schärfe und Wärme mit und herbe Tannine aus dem Rotweinfass bremsen die Süße und bringen sie rasch auf ein erträgliches Maß zurück. Einen Glen Garioch vermag ich in all dem nicht herauszuschmecken. Und fast vermag ich auch keinen Whisky herauszuschmecken. Schon ziemlich strange, was da in den Flaschen gelandet ist.

 Abgang

Für das Alter länger als erwartet. Süß, zuckrig, beerig und trockener als am Gaumen mit einem leicht metallischen Nachgeschmack. Hier kommt das Rotweinfass am stärksten durch.

 Kommentar

Bei manchen Abfüllungen, die sich mit interessanten Reifungen und/oder Finishes abheben wollen, hab ich immer öfter das Gefühl, man nimmt einfach ein Fass mit viel Rest-Flüssigkeit drin, füllt den Whisky rein, schüttelt kräftig und fertig ist der Whisky-Wein-Cocktail. Dieser hier mutet mir genauso an. Ich hab einfach zuviel Ehrfurcht vor Whisky, als dass ich als Experiment einfach mal einen Schluck Wein in einen Whisky kippen würde – aber ich würde vermuten, das Ergebnis wäre ziemlich ähnlich.
Bye the way – ich hab auch Ehrfurcht vor gutem Wein. 😉
Tja, wie soll man diesen Glen Garioch nun bewerten? Er macht mächtig Eindruck in der Vitrine und wirklich übel schmeckt er nicht – sofern man keinen Whisky erwartet.

Coole Farbe, surrealer Geschmack und trinkbar. It’s your decision… 🙂

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Glenrothes 2006 Single Cask #5465, 66,8%

Glenrothes 2006 Single Cask #5465, 66,8%

 

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Nach dem zehnjährigen Single Cask, der exklusiv für Abbey-Whisky abgefüllt wurde, hier gleich schon wieder eine gleichaltrige Einzelfassabfüllung, die für den britischen Markt bestimmt ist. Das Spannende dabei: zwei fast analog gereifte Whiskys, die man wunderbar vergleichen kann, vor allem, wie sich der Einfluss des Fasses auf das Endprodukt auswirkt. Beide in Sherry-Fässern gelagert, Glenrothes nutzt meist ehemalige Oloroso-Fässer.
Die Alkoholstärke ist mit 66,8% ebenfalls sehr hoch und verspricht volle Aromen. Die natürliche Farbe ist fast identisch mit dem Abbey-Whisky, ich finde ihn einen Tacken dunkler. Ich bin sehr gespannt und kann den Vergleich kaum erwarten!

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 Nase

War das Fass #5469 eher schwer und ölig mit vielen Gebäcknoten, so ist dieses Fass #5465 eindeutig auf der fruchtigen würzigen Seite, der Einfluss des Oloroso-Fasses ist unverkennbar.
Eingedicktes dunkles Früchtekompott frisch vom Herd, aromatische getrocknete Aprikosen, dazu wunderbar würziger Muscovado-Zucker und herbsüße Orangenschale in Salzkaramell. Auch habe ich hier deutlich mehr Gewürze, vor allem herbes Kardamom, Muskat und Zimtrinde, dazu etwas Marzipan. Ich hatte in Irland einmal das Vergnügen, Mince Pie zu essen und die Nase erinnert durchaus daran. Das Fass ist auch von Beginn an spürbar und das Holz wirkt kantig und feucht. Je länger man riecht, desto tiefer wird man hineingezogen in die dunkle würzige Aromenvielfalt dieses jungen Speysiders, immer mehr verdichtet sich alles zu einer hinreißenden Kombination aus Orangenfrucht, Gewürzen und altem Holz. Ich bin immer wieder erstaunt, wie voll und reif schon so junge Whiskys sein können, wenn sie in guten Fässern ausgebaut werden – faszinierend!

 

 Gaumen

Der Gaumen gehört ganz dem Fass, und es muss ein ziemlich altes Oloroso-Fass gewesen sein. Statt der markanten Ingwerschärfe des Schwesterfasses rinnt dieser Glenrothes prickelnd und mit deutlicher Fruchtsäure über die gesamte Zunge, saftige Orangen, Mandarinen und herbe Pampelmusen – die Speicheldrüsen laufen auf Hochtouren! Auch hier dann wieder süßer Rohrzucker, aromatischer Pfeifentabak, eingelegte Rosinen und viele Gewürze wie Nelken, Zimt und Muskatnuss vertiefen das Geschmacksbild enorm. Das Fass bringt schnell auch herbe, trockene und muffig-feuchte Holznoten und bremst den Speichelfluss wieder. Schöne Tannine legen einen leichten Pelz auf die Zunge.

Abgang

Der Abgang gestaltet sich eher mittellang und ist geprägt von süßen Orangen, Trockenpflaumen, altem feuchten Eichenholz und einer malzigen herben Süße. Insgesamt fruchtig-trocken und etwas herb.

 

 Kommentar

Ich mag Whiskys, bei denen es so richtig rund geht. Und das tut es hier! So wenig ich die Einstiegs-Standards von Glenrothes mag – so sehr können mich solche Perlen aus dieser Speyside-Destillerie begeistern.
Die Abfüllungen der beiden 2006er Single Casks müssten aufgrund der nahe beieinanderliegenden Fassnummern recht zeitgleich geschehen sein und beide lagen fast gleichlang im Fass, aber es sind unter ziemlich identischen Bedingungen zwei sehr unterschiedliche Charaktere herausgekommen – ein schönes Beispiel über den wichtigen Einfluss des Fasses auf den endgültigen Whisky. Bei beiden ist der Glenrothes-Stil noch deutlich erkennbar, dieses Fass hier aber ist weniger rund, hat deutliche Ecken und Kanten, vor allem das offensichtlich alte Oloroso-Fass prägt das Gesamtbild und lässt den Whisky mit trockenen Sherryaromen und vor allem den ausgeprägt „alten“ Eichennoten älter erscheinen, als er ist. Das alte Holz des Fasses ist von der Nase bis zum Abgang präsent und macht diesen jungen Glenrothes zu einem kleinen Erlebnis. Im Abgang merkt man die Jugend, aber in der Nase und am Gaumen ist er wirklich umwerfend. Vor allem die anfängliche prickelnde Säure, das muffige Holz und die schönen Orangen haben es mir angetan!

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Glenrothes 2006 Single Cask #5469, 67,1%

Glenrothes 2006 Single Cask #5469, 67,1%

 

Fassstarke Original-Abfüllungen sind eher rar gesät bei Glenrothes und meist Sonderabfüllungen für spezielle Jubiläen von Whisky-Shops oder Messen oder sie sind für einen bestimmten Markt limitiert. Es gibt einige Vintage-Casks in Fassstärke, bei denen ein besonders gelungenes Fass für ein Batch eines Jahrgangs gesondert abgefüllt wird. Bei den üblichen Vintages wird in der Regel mit 43% abgefüllt. Einige Second-Editions besonders gelungener Jahrgänge wie der 1992, 1995 oder der 1988 bekommen etwas mehr Alkohol spendiert, wobei ich bezweifle, dass es sich tatsächlich um die echte Fass- bzw. Batchstärke handelt, da Glenrothes den New Spirit mit knapp 70% in die Fässer füllt und auch nach so vielen Jahren dann mehr als 45% übrig sein sollten. Aber selbst diese wenigen Prozente mehr machen in der Tat schon einen Unterschied im Geschmacksbild aus. Je höher desto intensiver werden die Aromen transportiert.

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Die wenigen jüngeren Einzelfass-Abfüllungen bringen es auch immer auf deutlich über 60% – unverdünnt schon eine kleine Herausforderung. Diese Abfüllung aus dem Fass Nr. 5469 wurde exklusiv für das zehnjährige Jubiläum des schottischen Abbey-Whisky-Shops im Januar 2017 abgefüllt und stammt aus einem nicht näher bezeichneten Sherry-Cask. Glenrothes färbt nicht und ich denke, dass er ohne Kühlfiltration seinen Weg in die Flaschen fand.

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 Nase

Wie beim Öffnen einer frischen Packung Shortbread strömen mir hier buttrige und fette Vanillenoten mit einem Hauch Salz entgegen – so typisch für Glenrothes seit der Erweiterung Ende der achtziger Jahre. Dunkles cremiges Salz-Karamell, Rohrzucker und leicht geröstete Haselnüsse unterstreichen den süßen und ölig-schweren Keks-Eindruck. Je länger man schnuppert, desto mehr entwickeln sich nach und nach auch typische Sherry-Aromen. In erster Linie feuchter und süßer Pfeifentabak, geschwefelte Trockenaprikosen, Rosinen und würzige Backpflaumen. Das Eichenholz vom Fass bringt auch nach zehn Jahren schon kräftige herbe Noten mit, die sich wunderbar in das ansonsten eher süße Gesamtbild einbinden. Auch Gewürze wie Zimtrinde, Muskat und Nelken nehme ich dezent wahr. Trotz der über 67% Alkohol sticht da kaum etwas in der Nase. Wasser lässt alles etwas milder und runder werden ohne zu verwässern. In der Nase ist dieser Glenrothes schon mal ganz großes Kino!

Gaumen

Scharf, warm und süß setzt sich das Schauspiel beeindruckend auch am Gaumen fort. Anhaltende wärmende Ingwer-Schärfe kombiniert mit den öligen süßen Teignoten, satte Vanille und gesalzene Butter bilden hier das Grundgerüst. Darauf bauen sich dann auch wieder sehr volle und würzige Aromen aus dem Sherry-Fass auf, ohne zu dominieren. Leichte Gewürze, dunkle Trockenfrüchte und Rosinen auch hier. Mehr als in der Nase kommt hier noch der urtümliche Glenrothes-Kick mit seiner recht erdig-schmuddeligen Note durch. Würziger Waldhonig und leicht herbes Malz drücken noch mehr Süße nach vorn, deutliche Holznoten der Eiche dämpfen die aufkommende Panik vor Karies und bringen eine schöne herbe Trockenheit mit.
Bei so jungen Whiskys bin ich eher zurückhaltend mit der Zugabe von Wasser, da dabei nicht selten eher unangenehme Fehlnoten nach vorn gedrückt werden, die während der kurzen Lagerung noch nicht ab- bzw. aromatisch umgebaut werden konnten, aber auch hier lässt etwas Wasser alles nur schön weiter aufblühen und nimmt dem Alkohol die schneidende Schärfe.

Abgang

Im Abgang zieht er sich trotz des recht jungen Alters richtig lang und ist immer noch ölig und es verbleiben hier wieder vor allem buttrige Vanillenoten, etwas dunkles Trockenobst, Eichenholz und süßes Malz.

Kommentar

„It’s ready, when it’s ready“ wusste schon Jim McEwan.
Das ist nicht mein erster junger Glenrothes aus dem Einzelfass im Glas, aber ein solches voluminöses Erlebnis konnte mir bislang noch keiner bieten! Wer auf richtig satte Aromen aus der schottischen Backstube steht, kommt hier auf seine Kosten. Viel Typisches aus dem Hause Glenrothes, nur sehr konzentriert und vom Sherryfass nur wunderbar abgerundet, statt überlagert.

Alles in allem ein sehr fetter, vielschichtiger und für ein junges Einzelfass beeindruckend ausgewogener Whisky ohne echte Extreme. Ich finde ihn herausragend!
Da hat Michael Sharples von Abbey-Whisky ein sehr gutes Händchen bewiesen bei der Auswahl des Fasses! Alle Daumen hoch!
Der bekommt von mir ohne Zögern den „Dramned!“-Stempel!

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