Glenrothes Whisky Maker’s Cut, 48,8%

Momentan scheint es bei diversen Spirituosenkonzernen und Destillerien en vogue zu sein, das Design mancher ihrer Whiskys zu überarbeiten. Manchmal tiefgreifend wie bei Bruichladdich, die das unverwechselbare Laddie-Design komplett umgekrempelt und die durchsichtigen Flaschen gegen kantige, dunkelgrüne Rohrpostbehälter ausgetauscht haben. Und manchmal nur in kleinerem Rahmen wie bei Springbank. Da prangen jetzt grellbunte Etiketten auf den altbekannten Flaschen. Deanston hat ebenfalls sowohl das Logo, das Etikett-Design, als auch die Flaschenform geändert. Und nun auch Glenrothes.
Neben den zum Glück nur relativ dezent veränderten Etiketten, die auch farblich aufgepeppt wurden, hat man da gleich auch noch die gesamte Brennerei-Philosophie über den Haufen geworfen. Statt der gewohnten – und nicht selten auch etwas missverständlichen – Vintage-Abfüllungen mit verschiedenen Jahreszahlen wird es künftig wohl nur noch eine überschaubare Core-Range mit klaren Altersangaben geben. Dazu hin und wieder limitierte Special-Editions, die man über den neu gestalteten Onlineshop kaufen kann.
Das alles wirkt nun aufgeräumter, aber eben auch angepasster. Ich mochte die Idee der Vintage-Abfüllungen. Das sympathische Sprachrohr von Glenrothes, Ronnie Cox, brachte es in seiner unnachahmlich enthusiastischen Weise auf den Punkt: „Maturation matters, not age“.
Nun also Alter, gestaffelt in 10, 12, 18 und 25 Jahre. Schade allerdings, dass man an den schwachen Alkoholgehalten festgehalten hat. Gerade da wäre eine Neuorientierung in der Tat viel wichtiger gewesen. So haben der 10er und der 12er nur 40% und der Rest 43% Alkoholgehalt – selbst das teure Flaggschiff, der 25jährige.
Mit einer Ausnahme: es gibt in der neuen Range auch einen alterslosen „Whisky Makers Cut“ mit stattlichen 48,8%. Und genau diesen hab ich mir hier ins Glas gekippt. Wie bei Glenrothes üblich, ist er nicht gefärbt. Ob kühlfiltriert, lässt sich nicht herausfinden.

 

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 Auge

Er reifte ausschließlich in First-Fill-Casks, die vorher reichlich mit Sherry gesättigt wurden – und das hinterlässt ein tiefes dunkles Haselnussbraun mit schönen Gold-Tönen.

 

 Nase

Sofort steigt der gewohnte Glenrothes-Charakter aus dem Glas – saftig-süße Orangen, die mundwässernd für schöne saftige Aromen sorgen, aus dem Hintergrund kämpft sich das für Glenrothes so typische Butter-Karamell nach vorn. Dunkler Honig und eingelegte Rosinen bringen eine schöne süße Würze in die dicke ölige Grundstruktur ein. So richtig kantige Eichenaromen, wie ich sie bei vielen – auch jungen – Glenrothes hatte, vermisse ich hier. Zwar ist durchaus eine schöne Röst-Würze da, aber die Fässer konnten hier kaum anhaltende Aromen beisteuern.

 

 Geschmack

Auch hier keine großen Überraschungen, man betritt gewohntes Terrain. Süß und schwer wie frisch ausgerollter Keksteig breitet er sich aus, überschwemmt alles mit einer süßen buttrigen Intesität, die einen neueren Glenrothes ausmacht. Heftige Vanille aus den amerikanischen Fässern, dazu Orangenschalen und Bittermandeln, die an eine weihnachtliche Backstube erinnern. Ein leichter Anflug von dunklem Kakao und herben Gewürznelken kaschiert nur mühsam das Fehlen von anständigen Eichenaromen. Der Alkohol brennt leicht und ist nicht ideal eingebunden.

 

 Abgang

Der Abgang ist ziemlich kurz geraten und ganz den schönen herb-süßen Orangen-Gewürzen gewidmet. Dazu Malz und ein Hauch Gewürznelke und Anis.

 

 Kommentar

Wer hier auf grundlegend Neues aus der Brennerei aus ist, wird enttäuscht. Aber das war ja auch nicht die Intention. Alles bleibt im vertrauten Rahmen, die neuen Kleider machen keinen neuen Whisky.
Wer aber einen exemplarischen Glenrothes möchte, ist hier richtig. Für mich sind aber eindeutig zuviele junge Fässer enthalten, er schwächelt deutlich in der Aromenvielfalt und im Abgang. Aber vor allem im Fehlen eines schönen Eichencharakters. Da hatte ich in letzter Zeit von unabhängigen Abfüllern deutlich Spannenderes im Glas. Für knapp 60 EUR ist er mir ein wenig zu flach.

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