Ben Nevis 1995 Whic, 52,9%

Ben Nevis 1995 Whic, 52,9%

 

Ich hatte schon lange keinen Ben Nevis mehr im Glas. Wird mal wieder Zeit…
In seiner eigenen Abfüllungs-Serie „Nymphs of Whisky“ hat der Online-Händler Whic aktuell einen 22 Jahre alten Ben Nevis abgefüllt. Aus einem Sherry Butt, schön dunkel – das war neben einer fairen Bepreisung wohl ausschlaggebend, dass er trotz der recht hohen Flaschenzahl von 472 innerhalb kürzester Zeit ausverkauft war. Colour matters…
Hype macht mich erst mal skeptisch und ich hab gezögert und bin nun auf ein Sample angewiesen, das mir Arne von Whic dankenswerterweise zur Verfügung gestellt hat.
Ohne Farbstoff, ohne Kühlfiltration und in Fassstärke mit 52,9% gluckert er ins Glas.

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 Auge

Wie eine dünne Perlenkette reihen sich winzige Tröpfchen an der Glaswand auf, laufen nur zögerlich und zäh herab wie altes Öl – das und die dunkle satte tabakbraune Farbe lassen Opulenz erwarten.

 Nase

Als erstes weht mir alte Schuhwichse aus dem Glas entgegen, also erst mal Zeit zum Atmen geben – mit stolzen 22 Jahren gönne ich ihm eine gute halbe Stunde im Glas. Danach keine Spur mehr von Fehlnoten, dafür dann gleich eine heftige würzige und ölige Sherrylast mit allem, was so dazugehört. Dunkle Trockenfrüchte und Rum-Rosinen, ein Stück altes Leder, kräftiger dunkler Demerara-Zucker mit einer schönen malzigen Süße. Auch Vanille in Verbindung mit süßem Pfeifentabak nehme ich wahr, wenngleich auch verhalten. Die für Ben Nevis so typischen dunklen Schokoladenaromen hab ich hier kaum, da leistet das Sherryfass dann doch ganze Arbeit. Dieses macht sich durch trockene herbe Holznoten wie eine knarzende abgewetzte Holztreppe in einem etwas heruntergekommenen muffigen Haus bemerkbar. Der kräftige Alkohol ist gut eingebunden, er tritt kühlend wie frische Minze in Erscheinung, sticht kaum in der Nase.

 Gaumen

Ölig, warm und dunkel schwappt der Ben Nevis über die Zunge, im Mund verbreitet sich sogleich eine schöne fruchtig-florale Süße mit würzigen Trockenpflaumen, reifen Mangos und einem schönen Beerenkompott, dazu dunkles Karamell und eingekochtes herb-süßes Malz. Salzige Lakritze und Tabak bringen noch mehr Würze.
Dann schlägt aber auch gleich das alte Fass gnadenlos zu und legt den gesamten Mundraum trocken. Schwer, muffig und alt verbreitet es herbe holzige Aromen, die mit säuerlichen Noten und herben Gewürzen auf der Zunge prickeln – als hätte man eine vollgesogene alte Fassdaube ausgewrungen. Viel länger hätte er wohl nicht im Fass verbleiben dürfen.

 Abgang

Holzige Trockenheit, dunkles süßes Malz, Waldhonig und würzige Trockenfrüchte bilden einen sehr langen und immer trockener werdenden  Abgang.

 Kommentar

Gute alte Abfüllungen werden langsam seltener, immer jüngere Whiskys drängen mit viel Blabla, oft kruden Finishes und Farben zu aberwitzigen Preisen vermehrt auf den Markt. Ich freue mich immer über alte, geradlinige und schön gereifte Whiskys zu einem fairen Preis. Und das hier ist so einer – sofern man kräftige Holzaromen mag. Wunderbar altmodisch, mit Ecken und Kanten und ohne Mainstreamgehabe – anmutig und zart wie eine Nymphe ist er jedenfalls zu keinem Moment. 😉
Wer keine muffig-trockenen Eichenholznoten mag, könnte seine Schwierigkeiten haben, da diese hier wirklich dominant und durchaus grenzwertig vertreten sind. Wen das nicht stört, für den bleibt er lange spannend und wenig süffig, was ihn zu einem hervorragenden Genießerwhisky macht, mit dem man sich einen ganzen Abend beschäftigen kann.
Für mich ein Grenzgänger in seiner herben, aber aromatischen Holzigkeit. In seiner Gesamtheit der Aromen gefällt er mir dann aber doch ausgesprochen gut.
Gerne mehr von solchen Fässern, Arne! 🙂

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DEANSTON Decennary, 46,3%

DEANSTON Decennary, 46,3%

 

Mein 100. Blogbeitrag – ein kleines Jubiläum.

Was läge da näher, als einen Jubiläumswhisky zu verkosten. Noch dazu aus meiner Lieblingsdestillerie.

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Whiskys, die zu einem Destillerie-Jubiläum erscheinen, werden in der Regel intensiv und wortreich beworben und man lockt die Fans mit Zuteilungen und engen Zeitfenstern für die Bestellung an die PCs. Vor allem Laphroaig und Ardbeg demonstrieren diese Art Marketing immer wieder vorbildlich.
Nun wird Deanston keine 200 Jahre alt, sondern erst juvenile 50, aber außer auf der Facebookseite hat man kaum irgendwo überhaupt von diesem Jubiläum erfahren. Und noch weniger von dem Whisky, der speziell dafür kreiert wurde. Echtes Understatement.

So hat auch diese limitierte Abfüllung wieder mal eher leise ihren Weg zu den Whiskyliebhabern gefunden. Zu bekommen ist sie entweder vor Ort im Store des Besucherzentrums oder inzwischen auch im ganz neu eröffneten Online Shop von Deanston.

Deanston legt viel Wert auf Tradition, sowohl in der Herstellung als auch im Marketing. So findet man außer in den Büros keinerlei Computer, die irgendwelche Herstellungsprozesse steuern. Der gesamte Strom, der zum Betrieb der Destillerie benötigt wird, entspringt dem Fluss Teith, der direkt am Gebäude entlangfließt. Man nutzt die Wasserkraft und kann damit sogar noch Teile der Ortschaft mit Strom versorgen.
Die Liebe zur Tradition und zur eigenen Geschichte schlägt sich auch im Design der neu entworfenen Flaschen nieder, wenn man einen genaueren Blick darauf wirft. Auch wenn die eigene Historie im Vergleich zu anderen Destillerien eher recht kurz ist, so hat man die Brennerei in einem historischen Gebäude mit langer und durchaus bedeutender Geschichte erbaut – in einer ehemalige Baumwollfabrik, deren Anfänge bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts zurückreichen.

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Die „Münzen“, die die aktuellen Korken der Flaschen zieren, sind zum Beispiel eine Replik einer alten Währung und weist seltsame Merkmale auf. So fragt man sich, was Karl der Große, der darauf mit „Gratia Carolus“ Erwähnung findet, mit der Geschichte von Deanston oder Schottland allgemein zu tun hat. Forscht man nach, so stößt man auf eine eigene Währung für die Angestellten, die die Adelphi-Weberei – zu der auch die Deanston Mill gehörte – zu Zeiten einer Geldknappheit zum Bezahlen von Lebensmitteln auf zum Teil alte wertlose Münzen prägen ließ. Diese sogenannten Countermarks hatten einen Wert von 5 Shilling. Dass man dafür damals ausdrücklich keinen Alkohol sondern nur Lebensmittel beziehen konnte, mutet bei der aktuellen Huldigung in Whisky-Korken schon ein wenig ironisch an.
Soweit ein kleiner Streifzug durch die Historie der Brennerei. Doch nun zum Whisky. Endlich… 🙂

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Vier Whiskys aus vier Jahrzehnten wurden für den Decennary vermählt. Und für das fünfzigjährige Jubiläum hat Deanston nicht einfach irgendwelche Fässer genommen – die enthaltenen Whiskys kommen einem zum Teil schon recht bekannt vor:

  • 1977 Whisky Refill
  • 1982 American Oak
  • 1996 Port Pipe
  • 2006 Pedro Ximénez

So gibt es bereits einen 40jährigen Deanston exklusiv im Travel-Retail als auch einen 20jährigen mit Portwood-Finish – der ebenfalls nur als Limited Edition erhältlich war – und den allseits bekannten und inzwischen schon legendären 10jährigen aus PX-Fässern. Alle für sich genommen herausragende Whiskys. Insgesamt wurden 1400 einzeln nummerierte Flaschen mit diesem spannenden Vatting befüllt, was nahelegt, dass jeweils nur ein einzelnes Fass jedes Jahrgangs genommen wurde. Flasche Nr. 1350 hat nun ihren Weg ins Glas gefunden. Bei Deanston wie üblich ohne Farbstoff und ohne Kühlfriltration und in der typischen Deanston-Stärke mit 46,3%.

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 Nase

Sofort wird die Nase mit dunklen und sehr aromatischen, leicht säuerlichen Früchten umgarnt. Er erinnert anfangs schon stark an den Portwein-Deanston, den es im letzten Jahr exklusiv im Destillerieshop zu kaufen gab. Aber schnell ist da auch viel mehr. Reife Birnen, dunkles, leicht angebranntes Karamell von einer Creme Brulee – man hört fast das Knacken der harten flambierten Zuckerschicht. Der aromatisch-süße Duft, der einem entgegenströmt, wenn man eine frische Packung Pfeifentabak mit Vanille öffnet. Eingekochtes Beerenobst mit viel Vanille geben eine Vorahnung auf die zu erwartende Süße. Das alles entwickelt sich auf einem permanent wahrnehmbaren dicken Teppich aus vielen dunklen und alten Holznoten, die sich mehr und mehr in den Vordergrund schieben. Immer dunkler und schwerer werdend merkt man neben der leichten süßen Fruchtigkeit auch das tiefe Alter der Fässer. Die Nase kann sich kaum lösen, so abwechslungsreich und bunt schwappen da die Aromen in wechselnder Intensität aus dem Glas.

 

 Der Gaumen als Bühne

Im Mund spielt sich dann wirklich Unglaubliches ab, als würde jedes Fass, losgelöst von der Einheit, um Aufmerksamkeit buhlen – ein wahres Schauspiel in mehreren Akten.

Als Prolog betreten dunkle saftig-klebrige Trockenfrüchte behäbig und schleppend die Bühne des Gaumens. Ihre Darbietung aromatisch-tief und süß und geheimnisvoll, gespickt mit Gewürzen aus 1001 Nacht und kräftigen süßlichen Tabaknoten sorgen sie fast für orientalisches Flair.

Danach hat die Eiche ihren Aufritt. Polternd kommt sie auf die Bühne gestürmt, will der Star sein, läuft knurrig und wild gestikulierend mephistogleich von einer Ecke zur anderen, sorgt mit herben Tanninen und Aromen von alten, schon teils morschen Hölzern, die in feuchten muffigen Kellern lagerten, für Aufsehen und Begeisterung, Ahhs und Ohhs raunen durchs Publikum. Nach einem tiefgründig prickelnden Crescendo wärmender und leicht säuerlicher Holznoten wird sie immer weicher und milder, verbeugt sich schließlich erhaben, um der nächsten Verführung die Bühne zu überlassen.

Der Epilog gehört ganz der Süße. Fast schwebend tänzelnd und honigsüß huscht sie über die knarzenden Bretter, wirft cremige Kräuterbonbons ins Publikum, streut würzigen Muscovado-Zucker und mit einem schönen dunklen Malz-Aroma entschwindet sie der Bühne.

 Abgang

Was bleibt, nachdem der Beifall verhallt ist: Altes rissiges Dielen-Holz mit dem Duft unzähliger aufgeführter Dramen, dunkler Tannenhonig, süßes würziges Trockenobst und eine ganze Flut von Gewürzen bilden einen beeindruckend vollen und langen Abgang – das Kauen und Schmatzen will gar kein Ende nehmen. Die Eichennoten sind schwer und dunkel, bilden feine Röstaromen wie bei einem frisch gebrühten Espresso mit viel Crema und haften mit ihren herben Nuancen und einer wohligen süßen Wärme am längsten und flauen nur langsam ab.
Dann – ehrfürchtige Stille. Der Vorhang zu, keine Fragen offen.

Kommentar

Schon vorletztes Jahr sorgte Deanston mit dem 10yo PX kurz vor Jahresende für ein Highlight, seitdem sind gleich mehrere limitierte und zum Teil nur vor Ort in der Destillerie erhältliche Abfüllungen erschienen, die mir alle durchweg gefallen haben und zum Teil auch richtig begeistern konnten. Den krönenden Abschluss bietet in der Tat dieser Jubiläumswhisky. Er ist zwar nicht in Fassstärke abgefüllt sondern in der sehr angenehmen und für Deanston typischen Trinkstärke mit 46,3%, aber das macht ihn in meinen Augen nur noch angenehmer und ist sicher auch den niedrigeren Alkoholgehalten der alten Abfüllungen geschuldet.
Er vereint wirklich das Beste aus vier Jahrzehnten. Wer die anderen Abfüllungen kennt, wird sie auch hier wiederfinden – und noch viel mehr. Denn er ist deutlich mehr als die Summe der zusammengekippten Einzelwhiskys, sondern eine in sich stimmige, harmonische und ganz eigene Schöpfung, beinahe eine Sinfonie in Perfektion ohne einen Missklang, in der jedes Fass seine eigene unverkennbare Partitur bekommt. Die wunderbare würzige Fruchtigkeit der Port- und PX-Fässer kombiniert mit der aromatischen Tiefe der 40 Jahre. Unglaublich tiefgründig, unglaublich vielschichtig und bei jedem Schluck aufs Neue spannend und mit immer neuen Aromen, die es zu entdecken gilt. Ein ganz und gar perfektes Konglomerat aus großartigen eigenständigen Whiskys, das nicht besser hätte ausfallen können – eine Glanzleistung des Masterblenders!
Mein ganz persönliches Weihnachtsgeschenk 2017 und ohne Frage DAS Highlight des letzten Jahres.

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Glen Garioch 21yo, 55%

Glen Garioch 21yo, 55%

Der Wolf im Schafspelz

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Die Whiskys von Glen Garioch finden eine immer größere Fangemeinde, vor allem der 15jährige aus Oloroso-Fässern erfreut sich noch immer großer Beliebtheit und findet schnell reißenden Absatz, wenn er mal zu vernünftigen Preisen angeboten wird. Nach und nach werden die Standard-Originalabfüllungen um besondere Abfüllungen der Renaissance-Reihe erweitert. Möchte man Abwechslung, muss man auf unabhängige Abfüller zurückgreifen – derer es viele gibt.
Dieser 21jährige wurde vom schottischen Whiskyshop Abbey in einer Rare Cask Serie herausgebracht – die geringe Flaschenzahl spricht für eine Fassteilung.
Gereift ist er in einem nicht näher definierten Hogshead ohne jedes Finish. Er kam ohne Kühlfiltration in voller Fassstärke mit 55% und ungefärbt in die Flaschen.

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 Auge

Ein helles, klares und leuchtendes Gelbgold, die Tropfen laufen sehr langsam die Glaswand herab, bilden nur harnäckig dünne Beinchen.

 Nase

Schwer und ölig schwappen da Aromen aus dem Glas, Olivenöl – aber nicht das scharfe grasige und meist grüne, sondern frisches mildes Olivenöl – lässt ihn beinahe mediterran wirken. Dazu passen die sehr kräftigen Zitrusnoten – die so intensiv und aromatisch scharf riechen wie die Hände, nachdem man eine Zitrone ausgedrückt hat.
Er offenbart auch sein Alter gleich schon in der Nase mit trockenen alten Holznoten – ein spannendes Zusammenspiel zwischen saftig-wässernden Zitrusnoten und knarztrockenem Eichenholz! Dazu umweht eine kühlende Menthol-Frische die Nase. Die aufkommende schöne Vanille hat es schon beinahe schwer, sich durch die ganzen dichten Aromen zu drängen. Ich hab mich füher gern stundenlang in muffigen Kellern von Antiquariaten herumgetrieben und den Duft nach alten abgegriffenen Büchern hab ich auch hier.  Je länger man riecht, desto mehr Aromen entfalten sich, es wird mineralisch, ja fast schon speckig-salzig. Feuchter Waldboden mit Laub, nassen Steinen und alten Baumstämmen – ich rieche jetzt schon über eine halbe Stunde und entdecke immer mehr!

 Gaumen

Kräftig, trocken und süß startet er im Mund, eine Chilinote bringt knackige Schärfe. Gezuckerte Zitronen, eine süße reife Honigmelone und eine fette Ladung Vanille sorgen für eine süße fruchtig-saure Explosion. Und dann auch gleich schon heftiges Eichenholz. Das allerdings nicht beißend und bitter, sondern sehr tief, alt und würzig mit Kardamom, Zimt und Koriander. Es wird wieder mineralisch und erdig, frischer nasser Lehmboden nach einem Gewitterregen kommt mir in den Sinn. Und immer wieder das dominante Eichenholz, alt und abgewetzt und speckig.

 Abgang

Gar nicht enden-wollend! In erster Linie schöne trockene und würzige Holznoten der Eiche, dazu grasige Frische nach getrocknetem Heu, malzige Vanillesüße und herbe Gewürze wie Nelken und Kardamom.

 Kommentar

Eine Abfüllung, die einmal mehr zeigt, dass es keine exotischen Fassexperimente oder Finishes braucht, um einen äußerst komplexen, spannenden Whisky zu bekommen – manchmal ist weniger einfach mehr. Und man soll sich nicht von der hellen Farbe täuschen lassen – dieser Glen Garioch hat es in sich und ist kein leichter Dram. Er ist direkt und geradlinig, wirkt anfangs vielleicht etwas schroff. Man muss sich Zeit nehmen und sich auf ihn einlassen, die komplexe Kraft und Tiefe hinter der anfänglichen Schroffheit erkennen, dann wird man mit einem Whisky belohnt, der einen ganzen Abend beschäftigen kann und ein befriedigendes wohliges Lächeln hinterlässt.

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Deanston 2008 Bordeaux Red Wine Casks, 58,7%

Deanston 2008 Bordeaux Red Wine Casks, 58,7%

 

Inzwischen scheint es schon zur Tradition bei Deanston geworden zu sein, gegen Jahresende fast still und heimlich mit einer limitierten Sonder-Abfüllung auf den Markt zu kommen. Dieser hier tauchte nur kurz mal in einigen niederländischen Shops zu einem sehr angenehmen Preis von ca. 50 Euro auf und war so schnell wieder verschwunden, das gar keine Zeit blieb, ihn zu hypen… 😀
Mit gerade mal neun Jahren Reifezeit allerdings auch relativ weit entfernt von einem Hype-Whisky…
Aber Alter ist bei einem Whisky bekanntlich nicht alles. Ich hatte schon ziemlich alte Whiskys, die mich richtig enttäuscht zurückließen, und sehr junge Whiskys, die mich begeistern konnten – letztlich entscheidet neben anderen Faktoren vor allem die Qualität des Fasses und der richtige Zeitpunkt. Bei Deanston hat das in den letzten Jahren sowohl bei richtig alten Abfüllungen (20 Jahre) als auch bei recht jungen Abfüllungen (10 Jahre) hervorragend funktioniert. Umso gespannter bin ich auf diesen Neunjährigen, der die komplette Zeit in ehemaligen Bordeaux-Fässern reifen durfte – der Farbe nach fanden da nur wenige Refill-Fässer Verwendung.
2016 und 2017 gab es bei Deanston vor Ort auch zwei fast gleichaltrige Handfilled-Whiskys, die ebenfalls jeweils in einem Bordeaux-Fass lagerten. Ich denke, aus verbliebenen Fässern wurde dann diese offizielle Abfüllung kreiert.
In die Flaschen kam der Whisky in voller Fassstärke mit 58,7% und ist üblicherweise nicht gefärbt und nicht kühlfiltriert.

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 Nase

Noch einen guten Meter vom Glas entfernt strömen bereits schon verführerische fruchtig-herbe Rotweinnoten in Richtung Nase. Näher dran verdichtet es sich auf eingekochte rote Grütze und kräftigen Muscovado-Zucker, der Alkohol sorgt für eine minzige Frische. Völlig untypisch hab ich hier eine salzig-ölige Schinkenwürze – sehr spannend! Dann wird es auch gleich schon wieder typisch Deanston mit aromatischem Kräuterhonig und Creme Brûlée mit gekochter Birne, ganz kurz blitzt mal Möbelpolitur auf, und ein Hauch frischer schwarzer Pfeffer kitzelt in der Nase. Der starke Alkohol ist durchaus spürbar, aber erträglich.

 

 Aroma

Ein echter Deanston: fetter süßer Antritt mit würzigen Kräuterbonbons, begleitet von scharfen Chilischoten – der Alkohol zeigt volle Präsenz! Dann gleich reife Johannisbeeren und Himbeeren, Rosinen, eingelegte Amarenakirschen und Saftorangen. Die Honigsüße schmeichelt noch kurz, bevor dann rasch herbe Tannine und trockenes Eichenholz für intensive Röstaromen sorgen. Dunkler herber Kakao, grober Tabak und tiefschwarzer Espresso bestimmen mehr und mehr den Charakter und lassen diesen Deanston deutlich älter erscheinen als die neun Jahre.
Wasser bringt zwar etwas mehr Frucht, betont aber auch die bitteren Noten – neat is beat!

 

 Abgang

Im mittellangen Abgang stechen vor allem zwei Aromen heraus – karamellisiertes Fruchtkompott und herbes Holz, etwas malzige Süße und Vollmichschokolade mit einer Prise Gewürznelke verbleiben dann am längsten.

 

 Kommentar

Verglichen mit dem Handfilled aus der Destillerie ist dieser hier überraschend kantig und schroff geraten. Die europäischen Eichenfässer leisten hier ganze Arbeit und sorgen für eine Trockenheit, die einem rubinroten Bordeaux durchaus gut ansteht. Ob man das in einem Whisky so möchte, muss jeder für sich entscheiden.
Von allen bislang jährlich erschienenen limitierten Abfüllungen ist das für mich die bislang schwierigste geworden, was ihn ja wiederum auch interessant macht. Mich konnte er jedenfalls begeistern, wenngleich er nich ganz an das Neveau der Vorgänger anknüpfen kann. Aber er ist ein weiterer Deanston, der das Prädikat „Lieblingsdestille“ weiter festigen kann!

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Deanston 10 SV Seasons Summer 2017, 47,9%

Deanston 10 SV Seasons Summer 2017, 47,9%

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Mit Whiskys von Deanston ist es immer so ein Ding – eigentlich noch immer eine im Meer der marktschreierischen Whiskywelt unterrepräsentierte Destillerie, entpuppen sich einzelne Abfüllungen dann immer wieder mal als echte Hype-Ware. So vor allem geschehen mit dem sehr intensiven 10jährigen aus PX-Fässern, der ruckzuck ausverkauft war und inzwischen lächerlich hohe Preise erzielt.

Hier kommt nun auch ein 10jähriger Deanston aus einem 1st Fill Oloroso Sherry Butt daher. Und auch dieser macht sich schon kurz nach Erscheinen auf dem Markt rar in den Whiskyshops und wird bereits auf verschiedenen Plattformen hochpreisig gehandelt.
Erschienen als „Summer 2017“ in der Seasons-Serie von Signatory Vintage wurde er ohne Kühlfiltration und in einer seltsam niedrigen Fassstärke mit 47,9% in insgesamt 864 Flaschen gefüllt.

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Nase

In der Nase erstmal ein typischer Sherrywhisky mit allen erwartbaren Aromen wie dunklem Salz-Karamell, Dörrpflaumen, braunem Rohrzucker, süßem Pfeifentabak und netten kandierten Orangenschalen. Und es kommt auch schon eine kräftige, muffig-herbe Eiche durch. Alles in allem nicht wirklich spektakulär. Und auch mit viel Mühe konnte ich Deanston nicht mal ansatzweise erkennen. Alkohol ist kaum spürbar.

 

 Geschmack

Auch im Mund ein zwar schöner aber unspektakulärer Sherrywhisky. Ein kräftiger, leicht scharfer Antritt, gefolgt von süßen dunklen Beeren und Pflaumenmus, viele Gewürze wie Zimt und Nelken. Und nach und nach wird die holzlastige Bitterkeit immer dominanter, ohne jedoch wirklich störend zu wirken.

Abgang

Der Abgang ist für einen so sherrylastigen Whisky erstaunlich kurz geraten. Es verbleiben eine schöne pfeffrige Schärfe an der Zungenspitze, süße Pflaumen, frische süße Orangen und etwas Eiche. Insgesamt wirkt er etwas wässrig im Abgang.

Kommentar

Die Whiskys der exklusiv für Deutschland abgefüllten Seasons-Serie von Signatory Vintage sind allesamt keine schlechten Whiskys, aber es fällt schon auf, dass die letzten zwei Jahre nicht wirklich mit herausragenden Abfüllungen glänzen konnten. Sie kamen nicht selten von großartigen Brennereien, blieben aber meist immer hinter den Erwartungen zurück.
So auch dieser Deanston. Viele erwarteten wahrscheinlich ein Aromenfeuerwerk wie bei der zehnjährigen PX-Originalabfüllung, die mittlerweile schon fast Kultstatus genießt und zu weit überteuerten Preisen angeboten wird. Davon ist dieser hier meilenweit entfernt. Durchaus lecker und kräftig, aber man sollte nicht mit zu hohen Erwartungen an ihn herangehen.

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Deanston Handfilled 8 Jahre Red Wine Cask, 59,7%

Deanston Handfilled 8 Jahre Red Wine Cask, 59,7%

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Dies ist bereits mein zweiter Handfilled, den ich von Deanston verkoste. Einen 11jährigen aus einem Amontillado-Fass vom letzten Jahr fand ich zwar sehr komplex, aber nicht auf ganzer Linie überzeugend. Umso gespannter bin ich nun auf diesen hier.
Leider war ich noch nicht selber vor Ort in der Destillerie und die ganze Atmospähre und das sicherlich unbeschreibliche Gefühl, sich seinen eigenen Whisky selbst aus einem Fass abfüllen zu können, waren mir noch nicht vergönnt, aber ein guter Freund hat mir diese Flasche besorgt.
Der Whisky ist gerade mal 8 Jahre alt und lagerte die gesamte Zeit ein einem französichen Rotweinfass. Welcher Rotwein sich vorher darin befand, wird leider nicht angegeben.
Im Unterschied zu Lagerungen in den sonst üblichen Sherry-Fässern mit ihren oft wuchtigen süßen und fruchtigen Aromen weisen Whiskys aus Rotweinfässern eher mildere säuerliche Fruchtaromen auf und oft werden auch die herberen Tannine des Rotweins und der europäischen Eiche auf den Whisky übertragen. Das mag nicht jeder, da es da oft zu eher kantigeren und schwerer zugänglichen Whiskys kommen kann.
Mal schauen, was dieser Deanston in den 8 Jahren schon mitnehmen konnte. Die Farbe spricht jedenfalls schon mal für einen regen Austausch zwischen Fass und Whisky.
Da direkt aus dem Fass kommend natürlich ohne Farbstoff und irgendeine Filtration und in voller Alkoholstärke mit fast 60% in die Flasche gefüllt.

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Nase

Kandierte rote Früchte, ausgelassener Demerara-Zucker, Salz-Karamell, Blockmalz-Bonbons, Vanilleschoten, mit der Zeit wird das Fruchtpotpourri immer säuerlicher und das Weinfass kommt zum Vorschein, das wie ein Pawlowscher Reiz den Mund wässert. Eichenholz ist nur dezent vorhanden. Der starke Alkohol ist stets präsent und sticht ein wenig in der Nase.

Geschmack

Ein scharfer und warmer Antritt, der viel fruchtige und prickelnde Süße durch den Mund spült, wieder viel kräftiger Rohrzucker, Karamell und Malz und wässernde Fruchtsäure. Je länger er im Mund verbleibt – durchaus eine Herausforderung bei fast 60%! – desto mehr malzige Süße breitet sich aus, die dann aber von herben trockenen Tanninen des Weins und der europäischen Eiche mehr und mehr in ihrer Intensität wieder abgemildert wird.

Abgang

Der mittellange Abgang ist voller holziger Würze, Malzsüße und etwas Frucht, am längsten hält sich das würzig-herbe Aroma von echt Bayrisch Blockmalz.

Kommentar

Die Nase ist geradezu betörend, eine so komplexe, facettenreiche und tiefe Süße hatte ich selten bei einem Whisky. Dazu eine weinige Fruchtsäure, die ihn deutlich von den sonst üblichen Sherry-Aromen unterscheidet.
In einigen der würzigen Aromen erinnert er mich ein wenig an den Springbank Burgundy, ohne jedoch dessen tiefe Komplexität in allen Ebenen zu erreichen.
Für einen so jungen Einzelfass-Whisky sehr schön rund und solide geraten und mit den betörenden Malz- und Weinaromen ein ganz hervorragender Deanston, der sein Alter eigentlich nur durch den wilden Alkohol verrät.

 

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Arran 20 Old Particular DL, 44,4%

Arran 20 Old Particular DL, 44,4%

 

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Nach und nach kommen jetzt die richtig alten Abfüllungen von Arran auf den Markt. Der erste Whisky floss vor fast genau 22 Jahren im Juni 1995 aus den Brennblasen und viele Abfüller kauften sich damals Fässer von der jungen Destillerie oder ließen eigene befüllen.
Dieser hier wurde von Douglas Laing in der Serie „Old Particular“ herausgebracht. Das Design der Flaschen finde ich äußerst ansprechend. Aber es kommt ja auf den Inhalt an! Und der lockt hier auch mit einem satten dunklen Braun. Und ich wollte mich doch nicht mehr von der Farbe eines Whiskys leiten lassen…
Nette 44,4%, natürlich ohne Farbe (man hätte ihn eigentlich nur ent-färben können…) und trotz des geringen Alkoholgehalts ohne Kühlfiltration.

 

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Im Glas

Wie starker Schwarztee liegt er im Glas, schwer und dunkelbraun und verheißungsvoll.

Nase

Eine alte muffige Lederjacke, schwerer Tabak, feucht-modriges Holz, Salzkaramell, Zartbitterschokolade, würziger dunkler Honig, Früchte kommen nicht wirklich durch, ich hab ein paar Rosinen und vielleicht ein paar eingelegte Kirschen. Dazu etwas Gewürznelke und Zimt.  Das ist ein echter Fass-Whisky!

 

 Geschmack

Der Antritt ist nicht warm, sondern regelrecht heiß – trotz der harmlosen 44,4%. Und hier hat das Fass ganz klar die Oberhand, ich hab sofort herbe Holznoten, dunkelste Zartbitterschokolade, lang gezogenen Schwarztee, eine schöne Süße nach ausgelassenem Demerara-Zucker, süßlichen Tabak und ein seltsam blumiges Aroma nach Omas Lavendelseife aus dem Kleiderschrank. Hab ich irgendwelche Früchte? Mit Wohlwollen etwas gewürztes Pflaumenmus. Und wieder jede Menge Holz, manchmal auch schon leicht modrig.
Ach, hab ich schon erwähnt, dass er ziemlich holzlastig schmeckt?

 

 Abgang

Der Abgang ist warm und sehr lang und mit ein wenig dunkler Honigsüße, Pfeifentabak und Karamell nicht so unangenehm wie erwartet. Ach ja – und herbes Holz natürlich.

 Kommentar

Ein Whisky, der mich polarisiert. Einerseits mag ich solche extremen Holznoten eigentlich gar nicht, andererseits finde ich ihn deswegen sehr faszinierend und muss immer wieder daran nippen. Das Eichenfass dominiert hier ganz klar, aber er ist trotz allem noch komplex und es können sich auch andere Aromen durchkämpfen. Und für den doch recht geringen Alkoholgehalt ist er erstaunlich dicht und voluminös. Und je öfter ich ihn probiere, desto mehr mag ich ihn.
Ja, gefällt mir gut!

 

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