Wenn eine Brennerei eine limitierte Abfüllung ankündigt, ist oft Eile geboten, möchte man noch stolzer Besitzer einer solchen Flasche werden. Zumal, wenn sie nur für einem bestimmten Markt vorgesehen ist – in diesem Fall anfänglich nur für den britischen.
Bunnahabhain ist nun nicht gerade bekannt für aufgeblasenes Marketing a la Ardbeg, die alljährlich mit besonderen und exklusiven Abfüllungen die Hype-Mentalität durch wochenlange virale Werbung ganz bewusst zu schüren scheinen. Und es funktioniert ja auch jedes Mal.
Dieser Bunna nun ist eine Vermählung von sieben ehemaligen Oloroso-Fässern, in denen sehr stark rauchiger Bunnahabhain lagerte. Über das Alter der einzelnen Fässer wurde nichts veröffentlicht, somit erscheint diese Abfüllung ohne Altersangabe.

Abgefüllt wurde der Whisky in Fassstärke – die ja eigentlich eine Batch-Stärke ist – und wie bei Bunnahabhain üblich nicht gefärbt und nicht kühlfiltriert.

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Nase

Schon nach dem Plopp des Korkens erahnt man, was einen erwartet – so intensiv drängen die Aromen an die Luft, als bräuchten sie diese zum Atmen…
Milder mineralisch-metallischer Rauch, etwas Schwefel, muffige Algen und teerverschmierte Gummistiefel … puuh – durch dieses zähe Hafen-Dickicht muss sich die Nase erst mal durcharbeiten… dann aber sehr schöne würzige süße Holznoten, Sandelholz, Zeder, sehr dunkler Demerara-Zucker, frischer grob gemahlener Pfeffer, gebackene Salzkruste, frischer Tabak, kräftiges Salzkaramell, Fruchtnoten habe ich nur wirklich sehr dezent in der Nase, ich könnte sie nicht genau aufdröseln.

 Geschmack

Trockener qualmender aschiger Rauch, als hätte jemand schnell ein Lagerfeuer abgelöscht, pfeffrige Schärfe, Karamellsüße, hier kommt auch mehr Frucht als in der Nase, Pflaumenkompott und Rosinen, wieder schöner süßer flambierter Rohrzucker

 Abgang

Wärmend gleitet er die Speiseröhre hinab, Gaumen und Rachen sind wie belegt – oder sollte ich sagen wie betäubt? – mit kalter Asche, eine flüchtige Fruchtsüße nehme ich noch wahr, das war es dann aber auch schon

 Kommentar

„Wir können auch anders“ scheint mir hier die Devise bei Bunnahabhain gewesen zu sein. Mit dieser schon fast hingerotzten schmuddeligen Abfüllung wollte man sich ja vielleicht vom Image des „Milden aus dem Norden Islay’s“ ganz bewusst mal absetzen.
Dieselqualm und Maschinenraum – solche extremen Noten, wie ich sie schon mehrfach lesen konnte, hatte ich jetzt nicht, aber dieser Bunna bedient schon ein paar Extreme und es gibt da durchaus auch Aromen, die ich weniger schön fand. Ich mag ja Whiskys mit Ecken und Kanten, aber hier scheint mir der Wille zum Ungestümen dann doch etwas zu übertrieben. Die Grundstruktur mit den wunderbaren Holznoten finde ich grandios, mir fehlt es aber vor allem an der feinen und unaufdringlichen Komplexität, die ich an Bunna so liebe. Und trotz betonter Oloroso-Lagerung und der dunklen Farbe ist das auch keine rauchende Sherry-Bombe, das Gesamtbild wird eindeutig vom fahlen herben Rauch und einer schönen dunklen und durchaus vielschichtigen Süße dominiert.
Selten brauchte ich derart viele Drams, um mich einem Whisky zu nähern. Die Geduld lohnt sich durchaus, wenngleich es Punktabzug für die anfänglich unsaubere Nase und den überraschend kurzen und klanglosen Abgang geben muss.

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