Bunnahabhain XXV 25yo, 46,3%

 

Ich kam zurück an einen langen Strand,
das geschmiedete Hufeisen einer Bucht,
und fand nur die ewigen
Kräfte des donnernden Atlantiks…

Seamus Heaney

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Wenn eine Brennerei das Thema „Meer“ verinnerlicht hat, dann ist das wohl Bunnahabhain. Bei keinem anderen Whisky finde ich so schöne Aromen nach Meer und rauher See wie hier.
Bunnahabhain gehört für mich zu den sympathischsten und leckersten Brennereien auf Islay. Eher leise und unauffällig produzieren sie dort einen für Islay auf den ersten Blick eher untypischen Whisky mit wenig Rauch, wenngleich sie in letzter Zeit auch immer öfter sehr rauchige Whiskys wie den Moine Oloroso veröffentlichen.
Neben zum Teil stark limitierten Whiskys, die ebenfalls ohne Lautmalerei und Werbetrara veröffentlich werden und die man eher zufällig entdeckt und die dank einer inzwischen großen Fangemeinde schnell reißenden Absatz finden, ist bereits die Standardrange mit den typischen Altersangaben 12, 18 und 25 beeindruckend. Um Letzteren geht es hier.
Dieser 25jährige ist mit seiner edlen und mit Stoff ausgeschlagenen Holzbox und dem beigelegten Pergament-Brief ein echter Eyecatcher. Passt leider nicht in meinen Schrank und sowas macht mich normalerweise auch erst mal skeptisch. Normalerweise – denn bislang wurde ich von Bunna bis auf wenige unabhängige Abfüllungen noch nicht enttäuscht.
Bunna-typisch mit den üblichen 46,3% abgefüllt und wie immer ohne Farbstoff oder Kühlfiltration.

 

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Schwer und ölig wie Schiffsdiesel bei Seegang schwappt er im Glas, die Farbe würde ich als sattes Altgold mit einem deutlichen Kupferton bezeichnen.

 Nase

Aus der Flasche strömen mir sofort tiefe dunkle Sherrynoten entgegen, mit weicher Backpflaume und Gewürzen. Im Glas dann aber erst mal hellere Früchte wie Mirabellen, gärige Trauben und auch gelbgrüne Äpfel und Birnen. Eine frische Meeresbrise mit salziger Gischt und nassem Holz – ich hab gleich einen alten kleinen Fischkutter mit verwitterten Planken und Seepocken am Rumpf vor Augen, der sich durch die tief-dunkle See kämpft. Immer tiefer werdend kommen dann auch wieder die würzigen Trockenpflaumen, kandierte Früchte vom Rummelplatz, krümeliges Karamell und eine fette Vanille. Knarzende alte Lederriemen und altes feuchtes Eichenholz setzen sich nach und nach immer deutlicher durch. Einer dieser wunderschönen Whiskys, an dem man ewig weiter riechen könnte.

Geschmack

Auch hier schlagen die dunklen Früchte gleich voll zu, ohne allzu sherrylastig zu sein, sehr schön! Wärmend und ölig läuft er über die Zunge, kerniges Karamell, sämige Vanille und eingelegte Rosinen machen den Anfang. Gefolgt von Amarena-Kirschen aus dem Glas, kandierte saftige Pflaumen und Demerarazucker. Etwas dunklen würzigen Tabak hab ich auch. Die Komplexität der Nase kann er allerdings nicht ganz halten, die Aromen sind nicht so fein strukturiert. War die Nase ein fein gewebter Seidenteppich mit klaren Mustern und Konturen, gleicht der Gaumen eher einem gröberen Wollteppich. Tief und rund und schön, aber eben etwas diffiziler zu ergründen. Die Eiche ist auch hier kräftrig und prägnant, aber trotz des hohen Alters nicht dominant, sondern rundet das komplexe Gesamtbild sehr schön ab.

 Abgang

Im Abgang vor allem altes Eichenholz, würziger Honig und wieder kandierte dunkle Früchte. Lang und fett zieht sich das hin.

Kommentar

Die Nase ist hinreißend, wie ein Rundgang über einen Rummelplatz am windigen Fischerhafen. Voll, komplex und tief wie die See an einer stürmischen Steilküste. Am Gaumen auch sehr komplex und erhaben, aber mit etwas weniger Tiefgang und Fülle. Alles in allem aber ein wunderbar runder Malt mit den nötigen Ecken, ohne dass irgendwas störend dominieren würde. Teuer – ja, aber eben auch sehr schön! Es gibt deutlich lautere, aber auch langweiligere Hype-Malts, die zu ähnlichen Preisen gehandelt werden. Zum stillen Genießen nicht nur an stürmischen Abenden sehr empfohlen!

 

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2 Gedanken zu “Bunnahabhain XXV 25yo, 46,3%

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