Bruichladdich 26 Jahre Whiskybroker, 47,3%

Colour matters! Das zeigt sich auch und vor allem wieder mal an diesem Whisky. Behandelte meine letzte Rezension einen extrem jungen Malt,so hat dieser hier mehr als die fünffache Reifezeit vorzuweisen.
Ein 26 Jahre alter Einzelfass-Bruichladdich in Fassstärke zu einem unglaublich günstigen Preis, der nicht sofort ausverkauft ist, sagt alles. Im Verhältnis dazu war ein vergleichsweise deutlich teurerer und nur 10 Jahre alter Laddie dieses Abfüllers aufgrund seiner dunkleren Farben quasi binnen Minuten nach Erscheinen ausverkauft und der Server des Shops kam zum Erliegen.
Die Farbe ist für einen 26 Jahre alten Whisky aus einem Hogshead tatsächlich erstaunlich hell. Das dürfte wohl dem schon mehrfach benutzten Refill-Fass geschuldet sein, das hier augenscheinlich zum Einsatz kam – was grundsätzlich kein Nachteil sein muss, denn ein sehr frisches Fass liefert zwar meist eine beeindruckende Farbe, überlagert aber mit seinen dominanten Aromen nicht selten den kompletten Charakter eines Whiskys und lässt ihn dadurch schnell mal beliebig werden. Refill-Fässer geben dem Eichenholz deutlich mehr Chancen auf differenziertere leichtere Aromen und lassen dem Whisky Platz für Eigenheiten. Zudem weiß man bei einem Hogshead nie so recht, aus was für Dauben es zusammengesetzt wurde, da kann im Grunde alles Mögliche aufgearbeitet worden sein.

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 Aroma

Helle Früchte wie Birne, grüner Apfel, deutliche Zirusfrüchte, vor allem Orangen und Orangenschalen, cremiger Blütenhonig. Anfangs ist er sehr zaghaft und leicht und zeigt kaum was von der typischen Laddie-Würze – man könnte ihn fast für einen leichten Speysider halten. Nach reichlich Zeit im Glas kommt dann aber doch noch etwas von der salzigen Schinkenwürze, wenn auch weiterhin sehr verhalten. Eichennoten nehme ich trotz des hohen Alters nur dezent wahr. Trotz der relativ geringen Fassstärke ist der Alkohol die ganze Zeit spürbar.

 Geschmack

Kräftiger Antritt, extrem süß und cremig,  auch hier wieder eher helle Fruchtnoten, vor allem Trauben und Mirabellen, dann aber auch würziger salziger Schinken und kräftige trockene Eiche. Da zeigt sich schon deutlicher, aus welcher Brennerei dieser Whisky stammt.

 Abgang

Hier wieder eine schöne cremige Honigsüße und würzige Eichennoten, die relativ lange aber unspektakulär nachhallen.

Kommentar

Ein ziemlich leiser und feiner Vertreter dieser für viel Würze und Meeresaromen bekannten Destillerie, dem man sein hohes Alter zu keinem Zeitpunkt anmerken kann. Durchaus interessant, mal einen so alten Whisky zu probieren, der derart wenige Aromen übernehmen konnte. Normalerweise wäre so ein Fass ein typischer Kandidat für eine Nachreifung gewesen und das hätte diesem Whisky auch gut getan. Mir ist er deutlich zu unspannend und seicht in seinem Charakter – vor allem für einen so alten Bruichladdich.
Nett“ ist hier das passende Adjektiv. Kann, aber muss nicht.

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