„Williamson 5 Jahre“ von A.D. Rattray, 61,3% (Laphroaig…)

In Ermangelung alter Abfüllungen geht der Trend vor allem bei unabhängigen Abfüllern zusehends in Richtung junge Whiskys. Vor ein paar Jahren hätte sich kaum jemand getraut, als Altersangabe eine dicke fette „5“ auf’s Etikett zu drucken. Das umging man mit den mittlerweile ziemlich ungeliebten NAS. Aber mittlerweile ist Juvenilität schon fast chic und trendy und man muss selbst für solche extrem jungen Malts schon Preise hinlegen, für die man auch hochwertige zweistellige Abfüllungen bekommen kann. Hier scheint das Angebot (und die dazugehörige hippe Werbung) die Nachfrage zu bestimmen…

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Auf diese Flasche des unabhängigen Abfüllers A.D. Rattray wurde ich mit einiger Vehemenz aufmerksam gemacht, als ich zum Stöbern mal wieder im kleinen örtlichen Whiskyladen vorbeischaute. Frisch angeliefert und nur sehr wenige Flaschen vorrätig wurde eine Flasche sodann gleich geöffnet und ich wurde schon fast genötigt, als Erster daran zu schnuppern. Große Ehre. Und dann – Rauch!
Das Etikett ist hier erst mal ziemlich verwirrend. Ein Blended Malt mit dem Namen Williamson. Noch nie gehört! Dazu dann aber die Info „Individual Cask“, eine Fassnummer und exakte Daten, wann destilliert und wann abgefüllt wurde.

Ein wenig Recherche bringt dann Klarheit. Es handelt sich um einen sogenannten „Teaspooned Whisky“ – ein Kniff, wenn Destillerien die Namensnennung aus Markenschutzgründen untersagen. Dann kippt man obligatorisch einen Teelöffel eines anderen Whiskys – in diesem Fall soll es Bowmore gewesen sein – in das Fass und hat dann somit keinen Single Malt mehr, sondern einen Blended Malt, der nun noch einen netten Namen erhalten muss, der am besten mehr oder weniger offensichtlich auf den tatsächlichen Inhalt hindeutet.

Dass sich nun Laphroaig in dieser Flasche befindet, auch darauf gibt es genügend Hinweise. Als Herkunft wird Islay genannt und in der Geschichte von Laphroaig gab es eine Bessie Williamson, die als Bürokraft bei Laphroaig ihre Karriere begann und nach dem Tod des Gründers Ian Hunter von 1954 bis 1972 Besitzerin und Managerin von Laphroiag wurde. Ihre strikten Brennvorgaben gelten bis heute. Und sie gilt inzwischen als eine Ikone und Vorreiterin der selbstbewussten Frauen vor allem – aber nicht nur – in der Whiskywelt. Ihr zu Ehren fand dieser Whisky seinen Namen.
Dieser Laphroaig lag nun also fünf Jahre lang in einem Sherry-Butt und wurde ohne Farbstoff und ohne Kältefiltration mit starken 61,3% auf Flaschen gezogen. Und hat schon eine ansehnliche Farbe mitgenommen. Honiggolden leuchtet er im Glas, mal schauen, was er an Aromen zu bieten hat.

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 Nase

Eher mineralischer als phenolischer Rauch mit einer leicht metallischen Note, darunter dann schon dunkle und säuerliche Früchte, vor allem Beeren, ein schöner Demerara-Zucker, verkrustetes Salz, ein paar Rosinen, alles nicht sehr tiefgründig, aber für 5 Jahre hat er neben der Farbe auch schon eine Menge Aromen entwickeln können.

 Geschmack

Im Mund dann kräftiger trockener aschiger Rauch, ein scharfer Antritt und eine schöne malzige Süße, wieder ein paar Beeren, frisch geschälte Orangen, geröstete Pinienkerne, salzig-maritime Würze. Je länger er im Mund weilt – was bei der Alkoholstärke schon Überwindung kostet – desto vollmundiger wird er und die Süße tendiert immer mehr Richtung Karamell und Rohrzucker. Und selbst nach erst 5 Jahren hab ich schon dezente Eichennoten am Gaumen.
Wasser – auch gering dosiert – schwächt ihn leider merklich, also in voller Stärke genießen!

 Abgang

Im Abgang dominiert erwartungsgemäß der Rauch, der auch hier eher trocken und wie ein fahles erloschenes Holzfeuer schmeckt, eine schöne Süße und sehr dezente Früchte sorgen aber für ein abmilderndes Gegenstück.

 Kommentar

Dieser Laphroaig kam bei Einigen nicht gut an, er war ihnen zu eindimensional. Ich brauchte auch einige Drams, um sein Potential zu entdecken. Ihm fehlt natürlich die Komplexität älterer Abfüllungen, aber er ist ein faszinierendes und recht seltenes Beispiel aus der Kinderstube von Laphroaig, ein noch ziemlich wilder und ungehobelter Malt, der aber schon ganz klar zeigt, dass er ein Kind Islays ist. Ich mag ihn.
Solch extrem junge Malts sind aber nicht mein Trend, ich betrachte sie persönlich als interessante Kuriosität und fassmanagementbedingte Zwangsmaßnahme. Aber es geht halt nun mal nichts über einen anständig gereiften Malt! Amen.

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