Bruichladdich 9yo Château Pétrus, 63,3%

Ein Rotweinfass kann einem Whisky großartige Aromen spendieren – oder ihn zerstören. Es gehört offenbar viel Geschick und noch mehr Erfahrung dazu, zu erkennen, wann ein Whisky lange genug in einem solchen Fass verbracht hat. Und die Mode, offensichtlich frisch geleerte Fässer mit reichlich Restwein sofort mit Whisky zu befüllen, sorgt vielleicht für eine beeindruckend schöne Farbe, aber nicht selten auch für beeindruckend versaute Whiskys. Ein gutes Beispiel dafür ist ein ebenfalls noch junger Glen Garioch, der von „The Creative Whisky Company“ abgefüllt wurde. Meine Sinne weigern sich bis heute, das noch als Whisky zu bezeichnen.
Dieser Bruichladdich ruhte ganze 9 Jahre in einem ganz besonderen Fass. Weinkenner horchen bei dem Namen Château Pétrus ehrfurchtsvoll auf – ist es doch einer der begehrtesten und teuersten Weine der Welt. Angebaut in den Pomerol-Spitzenlagen im Bordeaux mit seltenen eisenhaltigen Lehmböden ist der Ertrag vergleichsweise gering und jede Flasche heiß begehrt. Jede Beere ist handverlesen und in traditionellen Verfahren gekeltert und so bringt es eine Flasche schon bei Erscheinen auf viele hundert Euro. Und je nach Jahrgang bezahlt man auch gern mal mehrere tausend Euro für einen dreiviertel Liter Wein.
Entsprechend selten und teuer dürften auch die Fässer sein, die erst dem Wein und nun auch diesem Whisky zu seinen Aromen verhalfen. Das relativiert dann vielleicht auch ein wenig den doch abschreckenden Preis für einen derart jungen Whisky. Whisky und sein „Wert“ – ein Thema, zu dem man lange philosophieren kann.
Dass ausgerechnet das Château Pétrus als einziges Haus der gesamten Region die Fensterrahmen und –läden in typischem Laddie-Türkis gestrichen hat, ist eine zusätzliche nette Anekdote dieser Abfüllung.
In die Flaschen kam dieser Laddie dank der schwedischen Abfüller „Eldvatten“ (=Feuerwasser), die in Göteborg ein Lager betreiben und schon einige beachtliche Abfüllungen auf den Markt gebracht haben. Er hat stolze 63,3% Alkohol und ist nicht gefärbt und nicht kühlfiltriert.

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Für diese Review hab ich ihn extra mit nach Schweden in den Urlaub genommen und auch erst dort in der einsamen Weite der schwedischen Fjälls aufgemacht – ein Re-Import quasi. 🙂

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Auge

Der Einfluss des Rotweinfasses ist nicht zu übersehen: eine satte Farbe wie reife Kastanien – tiefes leuchtendes Kupfer-Rotbraun und dünne zähe Schlieren an der Glasinnenwand.

 Nase

Der erste Riecher ist erst mal ernüchternd – harsch, stechend scharf und leicht schwefelig dünstet er aus dem Glas. Verbunden mit der manchmal recht schmuddeligen Laddie-Würze bleibt die Nase fast in diesem Dunst stecken – das englische Wort „sticky“ trifft diesen Eindruck ziemlich gut. Pause.
Und dann: volle Wucht! Der Schwefel und der Schmuddel-Dunst sind verzogen und bereits ein paar wenige Tropfen Wasser drücken auch den Alkohol in den Hintergrund und öffnen diesen Whisky wie eine welke Blume, die man in die Vase stellt.
Dünne Rauchfahnen umspielen die aufsteigende süße rote Fruchtigkeit, die der Nase entgegenströmt. In erster Linie rote Johannisbeeren, die mit ihrer Säure schlagartig die Speicheldrüsen aktivieren. Dazu reife Stachelbeeren und gezuckertes Rhababerkompott mit viel Vanille und viele saftige Zitrus-Noten. Vor allem süße Orangen werden immer kräftiger. Dazu schwappt eine breite Welle von Meeresaromen mit salziger Gischt und knarzigen feuchten Planken der Nase entgegen und lässt diesen Laddie trotz aller süß-sauren Verlockungen dann doch unverkennbar einen Laddie sein. Das Eichenholz kommt trocken und leicht muffig daher und der Alkohol sticht recht deutlich und kühlend wie ein Windhauch in der Nase, passt aber ganz gut zum ungestümen Rest.

 Geschmack

Auch auf der Zunge geht es gleich richtig rund. Sauer und süß halten sich die Waage, kämpfen regelrecht um die Oberhand, und der Fight geht klar zugunsten der faszinierenden säuerlichen Früchte aus. Auch hier wieder in erster Linie rote Beeren und reife Orangen. Dunkler malziger Rohrzucker und Karamell lassen ihn süßer werden, und dazu wieder schöne schmuddelige Meeresaromen mit kräftigem Salz und ausgetretenen muffeligen Gummistiefeln mit reichlich Strandresten am Absatz. Herbe und muffig-feuchte Eichennoten und die Tannine des französischen Fasses treten immer mehr in den Vordergrund, belegen die Zunge mit einem trockenen Pelz. Der starke Alkohol wird zunehmend schärfer und ich kann ihn kaum länger im Mund belassen. Und freue mich schon auf den nächsten Schluck…

 Abgang

Für sein sehr junges Alter hängt dieser Laddie erstaunlich lange nach. Die typische Würze gepaart mit richtig schönen roten und schwarzen Johannisbeeren, wie frisch vom Strauch gepflückt und schnell in den Mund gesteckt. Dazu noch ein Hauch dunkles Karamell und weit entfernt ein knisterndes Lagerfeuer mit schönen Röstaromen.

 Kommentar

Wow, das ist ohne Frage einer der intensivsten Rotwein-Whiskys, die ich kenne! Der typische wuchtige Bruichladdich-Charakter ist jederzeit erkennbar, das offenbar recht alte Rotweinfass überlagert nicht, sondern ergänzt ganz hervorragend! Kein Whisky für jeden Abend, aber wenn es mal etwas exklusiv und besonders sein soll, greife ich zu dieser Flasche.
Schmeckt man den exlusiven Château Pétrus nun heraus? Sicher nicht. Macht dieses seltene Fass diesen Bruichladdich zu einem Spitzen-Whisky? Noch mal nein. Aber wie beim Wein selber bekommt man das Gefühl mitgeliefert, etwas ganz besonderes im Glas zu haben. Und das ist für den ganz persönlichen Genuss ein nicht unerheblicher Faktor.
Insgesamt und objektiv betrachtet ist er etwas unausgewogen und harsch und sicherlich kein Whisky für Einsteiger, aber von den Rotweinnoten und dem Laddie-Schmuddel gehen hier eine fast unwiderstehliche Faszination aus, der man sich kaum entziehen kann und die ich richtig lecker finde! Kommt schon recht nah an meinen Lieblings-Rotwein-Whisky, den Springbank Burgundy, heran, ohne jedoch dessen schöne Reife und feine Komplexität zu besitzen.

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