Kaum stand der 21jährige Glen Garioch von Abbey im Schrank, kam mir dieser junge, gerade mal ein drittel so alte Glen Garioch aus einem Rotweinfass unter die Finger. Er wurde vom unabhängigen Abfüller „The Creative Whisky Company“ in der Serie Exclusive Malts mit gerade mal sieben Jahren Reifezeit in die schön etikettierten und unverwechselbaren Flaschen gefüllt. Um was für ein Rotweinfass es sich handelt, erfährt man nicht, aber der Farbe nach dürfte da kurz vor der Befüllung noch Rotwein drin gewesen sein – mit reichlich Resten im Fass…
Der großartige Serge macht ja mittlerweile einen großen Bogen um solche Farbwunder-Whiskys, mich reizen sie nach wie vor. Kaum hatte ich ihn ausgepackt, musste er auch schon ins Glas.
Ach ja – Fassstärke mit 58,2%, keine zusätzliche Farbe (warum auch…) und ohne Kühlfiltration.

 

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 Auge

Dünner Hagebuttentee… Die Beinchen haben es recht eilig, die Glaswand herabzulaufen.

 Nase

Ist das noch Whisky oder schon Waldbeerbowle? Der legt der Farbe entsprechend gleich mit sehr reifen süßen Erdbeeren und Kirschen los, dazu zerdrückte herb-süße rote Johannisbeeren und püriertes Him- und Stachelbeerkompott – kurz: rote Grütze aus dem Fass. Das schmeichelt verführerisch in der Nase – einen derart aufdringlich fruchtigen Whisky hatte ich selten. Ein alter Strathclyde war so ähnlich vom Profil und den mochte ich ziemlich gern. Aber außer dieser Beeren-Invasion ist da zum Glück noch mehr zu entdecken: Rohrzucker, ein wenig alter Blechnapf aus Omas Küchenschrank und dann kommt auch noch satte Vanille. Das alles angerichtet in einer Schale aus ziemlich trockenen Eichenholz. Der Alkohol hält sich sehr angenehm im Hintergrund, sorgt allenfalls für etwas kühlende Frische in der Nase.

 Gaumen

Der erste Schluck birgt keine großen Überraschungen – süß und erdbeerig geht es nahtlos weiter, wobei es hier vor allem zuckrige Erbeermarmelade mit ordentlich Vanille ist (dazu jetzt ein Croissant mit gesalzener Butter…hmmm..) Der starke Alkohol bringt eine schöne Schärfe und Wärme mit und herbe Tannine aus dem Rotweinfass bremsen die Süße und bringen sie rasch auf ein erträgliches Maß zurück. Einen Glen Garioch vermag ich in all dem nicht herauszuschmecken. Und fast vermag ich auch keinen Whisky herauszuschmecken. Schon ziemlich strange, was da in den Flaschen gelandet ist.

 Abgang

Für das Alter länger als erwartet. Süß, zuckrig, beerig und trockener als am Gaumen mit einem leicht metallischen Nachgeschmack. Hier kommt das Rotweinfass am stärksten durch.

 Kommentar

Bei manchen Abfüllungen, die sich mit interessanten Reifungen und/oder Finishes abheben wollen, hab ich immer öfter das Gefühl, man nimmt einfach ein Fass mit viel Rest-Flüssigkeit drin, füllt den Whisky rein, schüttelt kräftig und fertig ist der Whisky-Wein-Cocktail. Dieser hier mutet mir genauso an. Ich hab einfach zuviel Ehrfurcht vor Whisky, als dass ich als Experiment einfach mal einen Schluck Wein in einen Whisky kippen würde – aber ich würde vermuten, das Ergebnis wäre ziemlich ähnlich.
Bye the way – ich hab auch Ehrfurcht vor gutem Wein. 😉
Tja, wie soll man diesen Glen Garioch nun bewerten? Er macht mächtig Eindruck in der Vitrine und wirklich übel schmeckt er nicht – sofern man keinen Whisky erwartet.

Coole Farbe, surrealer Geschmack und trinkbar. It’s your decision… 🙂

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Ein Gedanke zu “Glen Garioch 7 Jahre Red Wine Cask, 58,2%

  1. Schön, dass du noch eine Flasche bekommen hast. Schön auch, dass deine Eindrücke genau den meinen entsprechen. Da ich diese aus einem Sample zog, war es für mich aber ein Grund, von der ganzen Flasche Abstand zu nehmen. Zu wenig Whisky – und zu viel gute andere Abfüllungen.

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