Deanston 12 Palo Cortado Finish, 55,8%

Deanston gehört neben Bunnahabhain und Tobermory/Ladaig seit 2013 zum südafrikanischen Sprituosenkonzern Distell und es wurde vor ein paar Jahren offenbar ein Großeinkauf an außergewöhnlichen Fässern gemacht. Denn von allen drei Brennereien sind in den letzten Monaten Whiskys mit Nachreifungen in den gleichen Fasstypen – u.a. Muscat, Palo Cortado, Marsala, American Craft Ale und Sauternes –  erschienen. Der Palo Cortado ist dabei der wohl seltenste Fasstyp, da auch diese Sherry-Variante – eigentlich ein unbeabsichtigtes Zwischending von Fino und Oloroso mit zuviel Oxydation – eher selten vertreten ist. So trifft bei diesem trocken ausgebauten Sherry Nussigkeit auf dunkle Fruchtaromen.
Wie lange das Finish gedauert hat, erfährt man leider nicht. Ebensowenig, ob es sich um eine Single-Cask-Abfüllung handelt, aber die Gesamtmenge von nur 618 Flaschen legt dies zumindest nahe, da ein typisches Sherry-Butt 450-500 Liter fasst. Abgefüllt wurde dieser Whisky mit einer Alkoholstärke von 55,8%, ist wie üblich nicht gefärbt und nicht kühlfiltriert. Er erschien als „Distillery Exclusive“ und war anfangs nur vor Ort in der Destillerie erhältlich, später auch im neu eröffneten Online-Shop von Deanston. Wegen der großen Nachfrage und der Limitierung ist er inzwischen erneut nur noch vor Ort erhältlich.

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Auge

Satt orange leuchtendes Altgold strahlt aus dem Glas, mit einer öligen Textur beim Schwenken des Glases.

Nase

Die Nase empfängt mich sehr vertraut mit viel Deanston-Süße. Und ich habe gleich ganz wunderbare karamellisierte knusprige Walnüsse eingelegt in Honig, die wohl vom Palo Cortado stammen, der für diese nussigen Aromen bekannt ist. Dazu passen sehr schön die aromatischen Rum-Rosinen, die getrockneten Aprikosen und dunkles Karamell, das ebenfalls sofort präsent ist. Hin und wieder huscht ein Hauch von krautigem Liebstöckel durch, vor allem aber immer wieder die Walnüsse, wie man sie ähnlich von schönen Madeira-Lagerungen her kennt. Von der europäischen Eiche kommt eine gewisse Kantigkeit, die ihn einerseits spannend, andererseits anfangs etwas unzugänglich erscheinen lässt. Ein paar wenige Tropfen Wasser lösen die Spannungen und es kommt deutliche Harmonie ins Spiel. Alles wirkt ausgeglichen und rund, die knackigen herben Eichennoten ergänzen das schwere süße Gesamtbild, ohne es mit zuviel Bitterkeit zu überladen.

Geschmack

Eine Süße, als hätte man flüssigen Waldhonig aus dem Glas genippt. Dazu wieder eine ölige Nussigkeit von frischen Walnüssen und Mandeln. Auch hier blitzt würziges Liebstöckel auf und weckt Erinnerungen an den inzwischen legendären 10er PX Deanston. Eingedickter Orangensaft und frisch abgeschälte Zesten bringen die Speicheldrüsen noch mehr auf Touren. Auch die eingelegten hellen Rosinen und getrocknete Aprikosen finden sich hier wieder, geben eine schöne fruchtig-würzige Komponente dazu. Die europäische Eiche erkennt man an den kräftigen herben Tanninen, die –  passend zu den Walnüssen – eine schöne leichte Pelzigkeit auf die Zunge legen und die Süße deutlich abmildern. Alles ist sehr frisch und wohlschmeckend und ölig-kräftig und schön aufeinander abgestimmt.

 Abgang

Der Abgang führt alles ohne Bruch fort, lässt alles sehr harmonsich süß und würzig langsam und lange ausklingen. Man leckt sich noch eine ganze Weile die Lippen – so sehr hängt die nussige Süße dieses Whiskys im gesamten Mundraum nach.
Das muss man schon mögen. Ich mag es und es begeistert mich jedes Mal aufs Neue.

 Kommentar

Erneut ein kleines Kunstwerk aus der alten Baumwollfabrik in Deanston. Da hat die Lagerung im Palo-Cortado-Fass ganz eindeutige und individuelle Spuren hinterlassen, die ich so noch bei keinem Deanston hatte. Ich kann kaum in Worte fassen, wie sehr mich vor allem die schönen Walnussaromen begeistert haben – man hätte vielleicht einen Warnhinweis für Allergiker auf die Flasche kleben sollen…
Aber ernsthaft – dieser Whisky bietet von Anfang bis Ende ein einheitliches Aromenspektrum, wie ich es nicht oft erlebt habe. Von der Nase bis zum Abgang geht alles fließend ineinader über und bildet hier ein in sich geschlossenes Gesamtwerk. Inzwischen leider nur noch vor Ort in der Destillerie erhältlich.
Von allen vier Abfüllungen, die in den letzten Monaten als Distillery Exclusives mit diversen Wein-Finishes (Sauternes, Muscat und Marsala) erschienen sind – und die mich nicht alle wirklich überzeugen konnten – sticht dieser hier deutlich heraus.

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