Deanston 2008 Brandy Cask Finish, 56,4%

Deanston macht es einem in letzter Zeit nicht leicht. Es erscheinen soviele Abfüllungen wie nie zuvor, meist als stark limitierte Exklusivabfüllungen für den eigenen Online-Shop und den Verkauf vor Ort im Destillerie-Shop. Daneben gibt es aber auch jedes Jahr eine Sonderabfüllung, die mit mehreren tausend Flaschen deutlich einfacher zu erwerben ist, und dazu auch zu einem wirklich moderaten Preis. Im letzten Jahr sorgte der 2008er aus Bordeaux-Fässern für Furore, dieses Jahr ist es ein identischer Jahrgang, allerdings mit einem Finish in spanischen Brandy-Fässern. Hmmm – gab es da nicht schon was? Ja –  es gibt seit gut einem Jahr auch den 14jährigen Spanish Oak, der ebenfalls ein Finish in Brandy-Fässern erfuhr, dem ich aber nicht wirklich viel abgewinnen konnte. Daher bin ich sehr gespannt, wie dieser deutlich jüngere Kandidat mit ähnlichen Randdaten abschneidet. Erster Unterschied ist schon mal die deutlich dunklere Farbe, und dann natürlich auch der Preis.
Anfangs war er nur bei britischen und einigen niederländischen Händlern erhältlich, inzwischen gibt es ihn auch in einigen deutschen Shops.
Mit kräftigen 56,4% und ohne Farbstoff und ohne Kühlfiltration fand er den Weg in die Flaschen.

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 Auge

Kupfer und ein tiefes leuchtendes Braun strahlt aus dem Glas, kleine Perlen sammeln sich am benetzten Schwenk-Rand und laufen zäh herab. Da erwarte ich Volumen und Fülle.

 

Nase

Dieser Deanston zieht einen schon beim ersten Riechen sensorisch in würzige Tiefen, schon beim Einschenken ist er im ganzen Raum präsent. Kräftiger Waldhonig, süßer Pfeifentabak und geröstete Haselnüsse mit dunkel karamellisiertem Demerara-Zucker legen gleich mit voller Wucht los. Man zweifelt an der Jahreszahl auf dem Etikett – alles wirkt bedeutend reifer und älter.  Eingekochte dunkle Trauben und Mirabellen geben zusätzlich noch eine kräuterartige Süße obendrauf. Die spanischen Fässer bringen eine äußerst delikate dunkle Holznote mit und setzen schöne herbe kantige Akzente. Der Alkohol ist schon ziemlich dominant, vor allem anfangs sticht er noch störend in der Nase. Er lässt sich mit etwas Wasser bändigen – was allerdings auch den Faktor Süße noch erhöht.

 

 Gaumen

Süßer eingedickter Traubenmost und Rum-Rosinen sind die ersten Eindrücke, die auf der Zunge und am Gaumen wahrgenommen werden. Warm, stark und würzig brandet das alles durch den Mundraum. Wieder viel süßer dunkler Honig und Rohrzucker, dazu die Fruchtsüße, die mehr und mehr durch säuerliche Grapfruits und Orangen abgelöst wird. Die zunehmende Fruchtsäure und die starken Tannine des spanischen Fasses wirken mächtig adstringierend und ziehen einem förmlich die Zunge zusammen. Aber dank der mächtigen Süße animiert das Ganze nicht zu einem Schweppes-Gesicht, sondern bleibt im erträglichen Rahmen. Dazu schöne Eichennoten und Röstaromen mit dunkler Zartbitterschokolade. Und auch hier habe ich dank einer pfeffrigen Liebstöckelnote und der starken Würze viele Assoziationen zum 10jährigen PX.

 

 Abgang

Hier merkt man dann doch das noch junge Alter, der Abgang ist eher mittellang und weniger spektakulär als am Gaumen. Weiterhin eine schöne würzige Trauben-Süße mit Tabaknoten und dunklem Rohrzucker. Cremiger werdend entschwindet er dann rasch mit schönen Kräuternoten.

 

 Kommentar

Gute Brandys lagern meist sehr lange in Fässern, und hier waren offenbar auch einige richtig alte Fässer im Spiel. Anders kann ich mir diese ausgesprochen reife Würze nicht erklären. Auch der vorher in den Fässern gelagerte Brandy konnte schöne süße Traubennoten an den Whisky abgeben.
War der letztjährige Bordeaux-Deanston ein Paradebeispiel für einen wunderbar ausgewogenen Whisky mit Rotwein-Reifung, so prescht dieser hier ungstüm mit einer Breitseite an Würze heran. Alles sehr dunkel und tief und mit einigen Déjà-vu’s an den 10jährigen Pedro Ximenez, der viele Whiskytrinker mit seiner krautigen Würze polarisiert hat. Wer ihn aufgrund der vielbeschworenen „Maggi“-Noten nicht mochte, wird auch mit dem hier seine Probleme haben. Wer den 10er aber großartig fand – wie ich – wird auch den Brandy-Cask mögen, wenngleich er wegen des nicht ideal eingebundenen Alkohols weniger ausgewogen und ruppiger daherkommt. Aber dadurch passt er gut in die Ahnenreihe der eher unangepassten Deanston-Whiskys.

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