Bunnahabhain 2001 Abfüllung für Pfeifen & Cigarrenhaus Bonn, 58,5%

Da geht man in seinen kleinen Whisky-Stammladen um nach Neuigkeiten zu schauen und stolpert über eine kleine unscheinbare Flasche mit einer Sonderabfüllung nur für diesen  Laden und allein schon die Farbe nötigte mir einen Kauf ab. Es handelt sich um einen 2001 gebrannten und 2015 in besagte kleine 350ml-Fläschchen abgefüllten Single Cask Bunnahabhain.

Die Geschichte hinter dieser Abfüllung ist so interessant wie die endgültige Fassauswahl: ein eigentlich auf Wein spezialisierter deutscher Importeur wollte sich auch einmal an einem Whisky versuchen und scheiterte beinah an den britischen Ausfuhrbestimmungen für schottischen Whisky. Zum Exportieren des ausgesuchten Oloroso-Butts musste der Whisky in Glasbehälter umgefüllt und das Fass komplett zerlegt werden, in Deustchland dann landete der Tropfen erst wieder in seinem Oloroso Butt und danach in einem frischen Bordeaux-Fass, das ihm schließlich diese wunderschöne tief rotbraune Farbe schenkte. Er wurde ohne Kühlfiltration, ohne Färbung und in Fassstärke abgefüllt.

Aroma:

Allein die Farbe ist schon grandios: ein tiefes rotbraunes holziges Kupfer schmiegt sich fett an die Glaswand

In der Nase gleich eine schöne säuerliche holzig-ölige Würze mit kräftigen Eichennoten und einem Anflug von Rauch, man spürt sofort die fruchtige Süße des Sherrys und die herbe Trockenheit des Bordeaux‘, dunkle Rosinen, altes Leder, eingelegte Kirschen, Demerara Zucker, Bourbon Vanille, Sahnekaramell, reife Früchte, einen Hauch Banane nehme ich noch wahr. Mit etwas Wasser wird er fruchtiger, reife Pfirsiche kommen noch dazu.

Geschmack/Abgang:

Ich erliege der Versuchung und probiere ihn erst mal in voller Stärke und bin über seine Milde überrascht! Zuerst strömt der süßsaure Saft sonnengereifter Orangen und reifen Mangos über die Zunge und führt sofort zu einer Speichelflut, dazu eine speckige Ledrigkeit, ölige Würze, die typischen salzigen Meeresaromen, Süßholz, ein Säckchen frisch geöffneter Pfeifentabak, tiefdunkle Eichentöne, Johannisbeergelee, frische Stachelbeeren, die dunkelrote fast schon tropische Fruchtigkeit des Oloroso und wunderbar herbfruchtige Weinnoten des Bordeaux verbinden sich zu einem wahren Gaumenschmaus. Mit Wasser auf knapp 50% Trinkstärke verdünnt kommt dann eine kräftige wärmende Süße und dunkle Schokolade hinzu, die lange anhalten und in Verbindung mit der Frucht, den herben Fasstönen und etwas Rauch für einen langen berauschenden Nachklang sorgen.

Fazit:

Gäbe es so was wie einen Zungen-Orgasmus – hier hatte ich einen! Solche Perlen begegnen einem nicht oft und die Gewissheit, dass es diesen Whisky nirgends sonst gibt und so nie wieder geben wird, macht ihn damit zu einem kleinen Juwel in meinem Whiskyschrank und jeden Schluck zu einem echten Erlebnis, über den man wunderbar – wie bei einem tibetischen Sand-Mandala – über die Endlichkeit und Vergänglichkeit aller Dinge philosophieren kann. Ommmmm

95/100

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