Michel Couvreur ‚Cœur de Cave‘ Triple Wood, 53%

Die Whiskys von Michel Couvreur sind schon eine kleine Besonderheit. Faktisch sind sie ein Blend aus schottischen Single Malt Whiskys, da sie aber nicht komplett in Schottland gelagert und abgefüllt wurden, dürfen sie sich nicht „Scotch“ nennen. Gelagert wurden sie zu einem Großteil nämlich in zum Teil sehr alten Wein- und Sherryfässern in noch älteren Gewölbekellern im Burgund. Ob der Ort des Lagerns sich letztendlich nachweisbar auch auf den Geschmack des Fassinhalts auswirkt, ist reine Spekulation, aber ein schönes Storytelling und die dazugehörigen Bilder im Kopf machen auch einen Großteil des Genießens aus und beeinflussen mehr oder weniger bewusst natürlich auch das Geschmacksempfinden. Nicht umsonst werden um viele NAS-Abfüllungen einprägsame Geschichten erfunden oder mystische Namen oder Orte bedient.
Die Abfüllung Overaged  aus bis zu 27 Jahre alten Single Malts verschiedener Destillerien war jedenfalls überaus gelungen.

Diese Abfüllung hier ruhte über einen Zeitraum von insgesamt 13 Jahren in drei verschiedenen Fässern – in ehemaligen Bourbon- und PX-Fässern und in einem sehr alten Oloroso-Fass. Das verspricht eine reiche Palette an Aromen.

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Nase

Direkt nach dem Einschenken erst mal Ernüchterug – der ist etwas flau im Glas, da kommen vor allem dumpfe erdige und etwas sprittige Töne. Ein Whisky also, dem man etwas Zeit gönnen sollte. Nach gut 30 Minuten Standzeit dann tatsächlich ein völlig anderer Whisky, da erwartet die Nase ein wunderbares Kompott aus süßsauren Früchten, richtig lange gekocht und leicht angesetzt, dazu eingelegte Rosinen, Marzipan, ein würziger Waldhonig und frischer Tabak. Und dann kommt das Holz – säuerlich-muffig, durchtränkt und erdig – als stünde man wirklich andächtig im alten Gewölbekeller der Couvreurs im Burgund und hat den Staub und die kühlen dicken Steinwände samt Spinnweben im schummrigen Licht vor Augen.

Geschmack

Im Mund zuerst eine zuckrige Süße, wieder schöner Pfeifentabak und ein ganzes Gewürzregal mit süßem Zimt und herben Nelken und Cardamom, Piment und etwas Pfeffer. Die Früchte – vor allem kandierte Pflaume und trockene Pfirsiche – halten sich hier etwas zurück. Dagegen ist hier das Holz sehr dominant, aber nicht so bitter und alles trockenlegend wie bei so manch anderer holzlastigen Abfüllung. Hier spürt man wirklich das Alter des Holzes, nicht die lange Lagerzeit des Whiskys.

Abgang

Auch im Abgang ist das Eichenfass vordergründig, untermalt von einer malzig-cremigen Süße und etwas Anis. Sehr lange hält das leider nicht an, dann bleibt noch etwas süßliche Bitterkeit übrig.

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Kommentar

Hätter er länger in diesem ausgesucht alten Fass gelegen, wäre er sicherlich bald weniger genussvoll geworden. So ergänzen sich hier ein noch recht junger Blend aus Malts und ein altes Fass zu einem spannenden Endprodukt, das durchaus begeistern kann. Nicht überaus komplex, aber mit sehr schönen Holznoten, die ich hier trotz ihrer Dominanz nicht störend empfand. Sehr schön ausbalanciert.

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