Whiskys aus einem Amarone-Fass landen bei mir automatisch in der Einkaufstüte – mein ganz persönlicher Pawlow’scher Reflex. Amarone ist ein äußerst delikater, kräftiger und voluminöser trockener Rotwein, der aufwendig hergestellt wird und leider entsprechend teuer ist.

Dieser Glen Elgin wird exklusiv für ein örtliches Tabakwarengeschäft veröffentlicht. Bisher erschienen unter diesem Label zwei Bunnahabhains, von denen der erste aus einem Bordeaux-Fass ein absoluter Kracher war. Außerdem noch ein 20jähriger Arran und ein 13 jähriger Speyside-Whisky mit Portwein-Finish.

Dieser Glen Elgin wurde 2008 destilliert, reifte erst in einem Refill-Hogshead und erhielt ein Finish in einem frischen Amarone-Fass. Wie lange er in den jeweiligen Fässern lag, steht leider nicht auf der Flasche. Er wurde weder gefärbt noch kühlfiltriert und wurde diesmal auf nur 46% Alkoholstärke verdünnt. Bis auf den fassstarken ersten Bunna hatten die Anderen alle kräftige 50%.

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 Nase

Im Glas leuchtet er in einem satten kupferbraun mit einem deutlichen Stich ins Rot-Orange, und bei der dunklen Farbe erwartet man gleich typische kräftige Sherry-Noten. Aber dieser hier präsentiert sich erst mal nicht so opulent und wuchtig, wie seine Vorgänger. Am Anfang leicht wachsig und verschlossen, wie ich es von einigen Deanston kenne. Nach etwas Zeit im Glas kommt dann aber eine süße nussige Würze mit viel dunklem Demerara-Zucker, speicheltreibende Orangenzesten, gezuckerte Grapefruit, süße Vanille, Amarenakirschen, gekochtes säuerliches Beerenkompott, süßer Pfeifentabak und geröstete Haselnüsse. Das Fass macht sich durch harmonisch eingebundene Eichennoten bemerkbar. Alkohol stört zu keiner Zeit.

Geschmack

War die Nase anfangs noch zurückhaltend, legt er am Gaumen gleich los, eine sehr schöne fruchtige Süße mit viel Karamell und Vanille umspült die Zunge, ich hab gezuckerte Erdbeeren und Kirschen, Rosinen, dunkle reife Beerenfrüchte und weiche Dörrpflaumen – so typisch für Amarone. Reife saftige Zitrusfrüchte lassen die Speicheldrüsen ackern und die Säure des Weins sorgt für ein leichtes Prickeln auf der Zunge. Unterlegt ist das alles mit schönen kräftigen Tanninen aus dem Weinfass, süß-herben Tabaknoten und deutlicher Eiche. Alles kommt sehr kräftig und fett und ausgewogen.

Abgang

Im mittellangen Abgang verbleiben eine dezente Melange aus Kirschen und Beeren, eine schöne malzige Würze, etwas Tabak und ein ganz leichter Anflug von Anis, Zimt und Gewürznelken.

Kommentar

Es gab unter den vier bisherigen Abfüllungen für das Bonner Pfeifenhaus wirklich herausragende Stars, die es zu überregionaler Berühmtheit gebracht haben. Dieser Glen Elgin wird es da schwerer haben. Er zeigt seine Fülle nicht sofort von Beginn an, die Nase ist anfangs eher verhalten, verrät nicht gleich, was in ihm steckt. Am Gaumen wird er dann aber wirklich groß und breit. Da schlägt das Weinfass voll durch, verpasst ihm viele schöne Aromen, ohne zu arg zu dominieren.
Sind 46% nun zu wenig? Bei einigen Vorgängern war die Alkoholstärke durchaus spürbar, ließ Spielraum zum Experimentieren. Ich finde, 46% ist eine sehr angenehme Trinkstärke, Wasser ist hier auch nicht nötig. Mäkeln kann man natürlich immer, aber hier passt es einfach. Einzig der Preis in Höhe von 39,90 EUR für eine halbe Flasche Whisky finde ich für einen neunjährigen Malt schon recht sportlich.
Insgesamt finde ich, er passt sehr gut in die Reihe der bisherigen Abfüllungen, es müssen ja nicht alles immer wilde Klopper sein. Mit etwas Zeit zeigt er seine wahre Größe, ich finde ihn toll!

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