Aultmore 18, 46%

Aultmore führte viele Jahre lang ein echtes Schattendasein, produzierte nach diversen Schließungen dann lange Zeit ausschließlich für die Blend-Industrie. Bis auf eine paar Abfüllungen unabhängiger Abfüller gab es lange nichts originales aus der Destillerie. Bis sich Bacardi als neuer Eigentümer entschloss, im Rahmen der „Last great Malts of Scotland“ auch Single Malt Abfüllungen dieser Speyside-Destillerie herauszubringen. Den Anfang machte 2004 ein zwölfjähriger, dem schnell ein 21jähriger für den Travel-Retail folgte. Ein 25jähriger und später dieser 18jährige erweiterten die Range dann nochmals.
Den 12jährigen, der ausschließlich in zumeist Refill-Bourbonfässern reifte, fand ich sehr schön, ein würziger weicher Frühlingswhisky.
Daher bin ich gespannt, wie sehr sich die zusätlichen fünf Jahre im Fass auswirken werden. Zusätzlich wurden für den 18er auch einige Sherry-Fässer verwendet, die aufgrund der Farbe wohl Refill-Fässer gewesen sein dürften.
Wie alle Originalabfüllungen wurde dieser Aultmore mit 46% und ohne Farbstoff und ohne Kühlfiltration abgefüllt.

Die Farbe ist ein schönes leuchtendes Goldgelb und die dünnen und sich langsam bildenden Beinchen an der Glaswand verraten seine lange Lagerung in den Fässern.

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 Nase

In der Nase ähnelt er schon stark seinem jüngeren Bruder, aber wo der 12jährige noch luftig leicht war, zeigt sich der 18er deutlich gesetzter und schwerer, die Aromen strömen ölig aus dem Glas, vor allem eine betörende Vanille, Karamell, Demerara-Zucker, grüne Äpfel, reife Birnen und helle Trauben, herzhafte Wiesekräuter, Thymian und blühender Rosmarin, aber auch sehr schöne tropische Früchte wie würzige Papaya und Mango – fast wie bei einer Rumfasslagerung. Dazu ein dezenter Pfeifentabak. Auch die Eiche ist hier deutlich dominanter als beim 12jährigen und unterlegt die Frucht mit einer kräftig holzigen Würze

 Geschmack

Ölig und voll füllt er den Mundraum, eine wärmende Schärfe breitet sich aus, gefolgt von einer heftigen Honig-Süße, dunkel gebackene Butterkekse, an Früchten habe ich vor allem wieder eher helle reife Trauben, schöne Beeren und ein paar saftige Kirschen. Dann wunderbar kräftige und schön eingebundene Eichennoten, die die lange Reifung sehr plastisch hervorheben, ohne den Whisky zu bitter werden zu lassen.  Einen typischen Einfluss durch die Sherry-Fässer kann ich kaum wahrnehmen.

 Abgabg

Im Abgang verbleibt eine schöne Malzigkeit und leichte Frucht, frisches Heu und dazu wieder etwas trockene Eiche, aber weniger dominant. Insgesamt eher mittellang.

 Kommentar

Im Grunde ist das hier wirklich einfach ein deutlich reiferer 12jähriger mit ein wenig Zugewinn an Aromen – wohl dank der verwendeten Sherryfässer. In der Nase deutlich komplexer, aber am Gaumen dann doch weniger spannend, als erwartet. Alles ist reifer und ausgeprägter und die juvenilen Ecken wurden etwas abgerundet, aber für ein wirkliches Aha-Erlebnis will er nicht sorgen. Ein sehr schön gereifter und typischer Speyside-Whisky, der für sich genommen einen schönen Abendausklang begleiten kann – um seine Geschmacksknospen auszureizen ist er aber sicher weniger geeignet.

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