Glenrothes 2006 Single Cask #5469, 67,1%

 

Fassstarke Original-Abfüllungen sind eher rar gesät bei Glenrothes und meist Sonderabfüllungen für spezielle Jubiläen von Whisky-Shops oder Messen oder sie sind für einen bestimmten Markt limitiert. Es gibt einige Vintage-Casks in Fassstärke, bei denen ein besonders gelungenes Fass für ein Batch eines Jahrgangs gesondert abgefüllt wird. Bei den üblichen Vintages wird in der Regel mit 43% abgefüllt. Einige Second-Editions besonders gelungener Jahrgänge wie der 1992, 1995 oder der 1988 bekommen etwas mehr Alkohol spendiert, wobei ich bezweifle, dass es sich tatsächlich um die echte Fass- bzw. Batchstärke handelt, da Glenrothes den New Spirit mit knapp 70% in die Fässer füllt und auch nach so vielen Jahren dann mehr als 45% übrig sein sollten. Aber selbst diese wenigen Prozente mehr machen in der Tat schon einen Unterschied im Geschmacksbild aus. Je höher desto intensiver werden die Aromen transportiert.

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Die wenigen jüngeren Einzelfass-Abfüllungen bringen es auch immer auf deutlich über 60% – unverdünnt schon eine kleine Herausforderung. Diese Abfüllung aus dem Fass Nr. 5469 wurde exklusiv für das zehnjährige Jubiläum des schottischen Abbey-Whisky-Shops im Januar 2017 abgefüllt und stammt aus einem nicht näher bezeichneten Sherry-Cask. Glenrothes färbt nicht und ich denke, dass er ohne Kühlfiltration seinen Weg in die Flaschen fand.

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 Nase

Wie beim Öffnen einer frischen Packung Shortbread strömen mir hier buttrige und fette Vanillenoten mit einem Hauch Salz entgegen – so typisch für Glenrothes seit der Erweiterung Ende der achtziger Jahre. Dunkles cremiges Salz-Karamell, Rohrzucker und leicht geröstete Haselnüsse unterstreichen den süßen und ölig-schweren Keks-Eindruck. Je länger man schnuppert, desto mehr entwickeln sich nach und nach auch typische Sherry-Aromen. In erster Linie feuchter und süßer Pfeifentabak, geschwefelte Trockenaprikosen, Rosinen und würzige Backpflaumen. Das Eichenholz vom Fass bringt auch nach zehn Jahren schon kräftige herbe Noten mit, die sich wunderbar in das ansonsten eher süße Gesamtbild einbinden. Auch Gewürze wie Zimtrinde, Muskat und Nelken nehme ich dezent wahr. Trotz der über 67% Alkohol sticht da kaum etwas in der Nase. Wasser lässt alles etwas milder und runder werden ohne zu verwässern. In der Nase ist dieser Glenrothes schon mal ganz großes Kino!

Gaumen

Scharf, warm und süß setzt sich das Schauspiel beeindruckend auch am Gaumen fort. Anhaltende wärmende Ingwer-Schärfe kombiniert mit den öligen süßen Teignoten, satte Vanille und gesalzene Butter bilden hier das Grundgerüst. Darauf bauen sich dann auch wieder sehr volle und würzige Aromen aus dem Sherry-Fass auf, ohne zu dominieren. Leichte Gewürze, dunkle Trockenfrüchte und Rosinen auch hier. Mehr als in der Nase kommt hier noch der urtümliche Glenrothes-Kick mit seiner recht erdig-schmuddeligen Note durch. Würziger Waldhonig und leicht herbes Malz drücken noch mehr Süße nach vorn, deutliche Holznoten der Eiche dämpfen die aufkommende Panik vor Karies und bringen eine schöne herbe Trockenheit mit.
Bei so jungen Whiskys bin ich eher zurückhaltend mit der Zugabe von Wasser, da dabei nicht selten eher unangenehme Fehlnoten nach vorn gedrückt werden, die während der kurzen Lagerung noch nicht ab- bzw. aromatisch umgebaut werden konnten, aber auch hier lässt etwas Wasser alles nur schön weiter aufblühen und nimmt dem Alkohol die schneidende Schärfe.

Abgang

Im Abgang zieht er sich trotz des recht jungen Alters richtig lang und ist immer noch ölig und es verbleiben hier wieder vor allem buttrige Vanillenoten, etwas dunkles Trockenobst, Eichenholz und süßes Malz.

Kommentar

„It’s ready, when it’s ready“ wusste schon Jim McEwan.
Das ist nicht mein erster junger Glenrothes aus dem Einzelfass im Glas, aber ein solches voluminöses Erlebnis konnte mir bislang noch keiner bieten! Wer auf richtig satte Aromen aus der schottischen Backstube steht, kommt hier auf seine Kosten. Viel Typisches aus dem Hause Glenrothes, nur sehr konzentriert und vom Sherryfass nur wunderbar abgerundet, statt überlagert.

Alles in allem ein sehr fetter, vielschichtiger und für ein junges Einzelfass beeindruckend ausgewogener Whisky ohne echte Extreme. Ich finde ihn herausragend!
Da hat Michael Sharples von Abbey-Whisky ein sehr gutes Händchen bewiesen bei der Auswahl des Fasses! Alle Daumen hoch!
Der bekommt von mir ohne Zögern den „Dramned!“-Stempel!

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