Bunnahabhain Handfilled 13yo Oloroso Cask 1490, 59,9%

 

Bei einer Tour durch eine Destillerie hat man manchmal die Gelegenheit, sich selber eine Flasche Whisky direkt aus einem bereitgestellten Fass abzufüllen. Mit Sicherheit ein tolles Erlebnis. Ich hatte bislang leider noch nicht das Glück, habe mir aber von Freunden schon mal so ein Fläschchen mitbringen lassen.

Dieses hier stammt aus der Destillerie Bunnahabhain von der Insel Islay. Bekannt für extrem rauchige Whiskys ist Bunnahabhain da eher ein Leisetreter. Zwar haben sie auch einen rauchigen Whisky im Programm, aber das gros der Produktion besteht aus nur sehr leicht getorftem Whisky.

Bis vor knapp drei Wochen ruhte dieser Whisky nach 13 Jahren Reifezeit noch in einem ehemaligen Oloroso-Sherry-Fass und wurde am 2.12.2016 dann per Hand mit 59,9% in die Flasche abgefüllt.

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Farbe/Glas

Tiefstes Tabakbraun, der Whisky schmiegt sich fett und ölig an die Glaswand.

 Aroma

In der Nase zuerst eine dunkle säuerliche Fruchtigkeit, die an eine saftige Trockenpflaume erinnert, dahinter süße schwere Pfeifentabaknoten, eingelegte Rosinen, das Eichenholz kommt kräftig mit etwas herben erdigen Tönen durch, dann eine schöne malzig-würzige Süße von Muscovada-Zucker. Die Bunnahabhain-Meeresbrise nehme ich nur als sehr laues Lüftchen wahr. Kaum stechender Alkohol!

 Geschmack

Wooaah – der hat eine Menge Holz vor der Hüttn! Kräftige herbe Eiche mit etwas Muff und ganz leicht Schwefel, konterkariert von einer enormen malzig sämigen Süße verbunden mit dem Pfeifentabak. Dann mogeln sich auch noch wunderbar saftige Orangen und würziges Pflaumenmus mit Zimt und Nelken nach vorn und halten sich die Waage mit der trockenen Bitterkeit des Holzes. Und deutliches Salz hab ich auch, wie am Meer, wenn man sich die salzigen Lippen leckt. Trotz fast 60% Alkohol kaum Schärfe oder Brennen.

 Abgang

Wärmend kriecht er langsam die Speiseröhre hinab, hängen bleiben vor allem die herben Eichentöne und etwas Blockmalz.

 Kommentar

Single Casks sind immer ein kleines Wagnis. Ist sich der Abfüller treu und fügt nichts hinzu (Wasser, Farbe) oder nimmt nichts weg (Kühlfiltration), bekommt man so ziemlich den reinsten Whisky, direkt aus dem Fass, unverfälscht, rau und pur. Das kann durchaus ein einmaliges Erlebnis sein. Hier wurde von keinem Masterblender etwas abgemildert oder betont oder ausgeglichen. Andererseits können dadurch so manche Aromen aus dem Holzfass derart prägnant sein, dass sie jede Komplexität überdecken oder es gar zu Fehlnoten kommt. Bei einigen Whiskys ist das nicht selten ein penetrantes Schwefelaroma, das viele durchaus mögen – ich nicht.
Bei diesem Bunnahabhain muss man Holz schon mögen, das ist hier schon ganz schön intensiv. Aber auch eine schöne Süße und würzige Frucht machen diesen Single Cask zu einem Erlebnis. Vor allem der kaum spürbare Alkohol hat mich wirklich überrascht, der war hier trotz hoher Fassstärke wunderbar eingebunden und dient hier einem vollmundigen Aromentransport. Lediglich das typische Bunnahabhain-Feeling habe ich zum Teil vermisst, da war das Fass dann doch sehr dominant.

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