Deanston 11 Amontillado Handfilled,60,1%

 

Deanston gehört leider zu den am meisten unterschätzten Destillerien Schottlands, und das, obwohl sie eigentlich alles richtig machen: der Whisky wird auf sehr traditionelle handwerkliche Art hergestellt, die Gerste kommt aus der Umgebung, es wird sehr ökologisch mithilfe von Strom aus Wasserkraft des direkt an der Brennerei vorbeifließenden Flusses Teith produziert, der Whisky wird weder gefärbt noch kühlfiltriert und die Non-Hype-Werbung ist überaus sympathisch. Und jeder, der die Brennerei vor Ort besucht hat, berichtet von einer sehr familiären Atmosphäre.

Typisch für diesen südlichen Highland-Whisky sind seine helle Fruchtigkeit, die Honigsüße und eine schöne kräftige Würze, die ihn dadurch trotz anfänglicher Leichtigkeit vollmundig und komplex und ziemlich unverwechselbar machen. Als Standard gibt es einen 12jährigen, einen 18jährigen und einen ganz hervorragenden NAS Virgin-Oak. Ab und zu bringen sie auch echte Perlen in limitierten Abfüllungen heraus, wie den 20jährigen aus Oloroso-Fässern oder den 15jährigen aus Bio-Gerste.

Dies hier ist ein Handfilled, den man sich selber vor Ort in der Destillerie direkt aus einem Fass abfüllen kann. Purer und authentischer geht Whisky nicht. Er ist elf Jahre in einem Amontillado-Fass gereift und hat eine Fassstärke von beeindruckenden 60,1%.

Aroma

Zu Beginn kommen gleich viele Früchte, neben dem üblichen Deanston-Fruchtkorb mit Birnen und Mirabellen hab ich auch schöne säuerlich-herbe dunklere Früchte mit frisch geöffneten Pflaumen, saftigen Zitronen und herb-sauren Orangenschalen, aber auch aromatische Trockenfrüchte, dazu eine ledrig-speckige Salzigkeit, Mandeln und Nüsse. Insgesamt für einen Deanston überaus komplex, vielschichtig und kräftig.

 Geschmack

Ein scharfer alkoholischer Antritt und ein schönes gäriges Prickeln auf der Zunge, so extrem hatte ich das bislang noch nie. Dazu eine starke Fruchtnote, die ich gar nicht im Einzelnen aufdröseln kann, würziges Heidekraut, Blütenhonig, Salz-Karamell, winterliche Gewürze, und die für Deanston so typische Honigsüße. Das alles unterlegt mit einer kräftigen leicht salzigen öligen Würze und schönen Holznoten. Im Ganzen aber nicht ganz so komplex wie die Nase.
Etwas Wasser mildert die Schärfe des Alkohols, steigert aber die Honigsüße ins Dramatische, dass es einem fast die Plomben aus den Zähnen holt.

 Abgang

Als Nachklang bleiben vor allem süßsaure Früchte, eine eher malzige Süße und ein Anflug von Anis und Würze, das alles eher mittellang.

 Kommentar

In der Nase ist dieser Deanston ein echtes Schauspiel! Derart komplex war kaum ein Deanston bislang. Auch am Gaumen großes Kino, da treibt der starke Alkohol die Aromen wild über die Zunge. Die hohe Fassstärke ist hier mit ihrer Schärfe schon ziemlich dominant, etwas Wasser mildert das und lässt die deanston-typische Honigsüße aufspielen.
Insgesamt vielleicht ein wenig unausgewogen und ruppig, das ist halt ein Single Casks, die eben sind, wie sie sind und bei denen der Master Distiller keinen Einfluß nehmen kann (und möchte). Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, in Sachen Komplexität übertrifft er andere Deanston locker, alles ist überaus vollmundig und intensiv.

deanstonkopie-sm

 


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