Ben Nevis 16 Jahre PX-Single Cask 1406, 46%

Ben Nevis ist eine nicht ganz so bekannte Destillerie in den westlichen Highlands, was sicherlich an der spärlichen Eigenproduktion an Single Malts liegt. Das Meiste landet in Blends, vor allem im eigenen gleichnamigen. Gerade Mal einen zehnjährigen Single Malt gibt es als ständig verfügbare Eigenabfüllung der Brennerei. Daneben einige Special Editions und seltene „Forgotten Bottling“, die aufgrund ihrer starken Limitierung nicht lange auf dem Markt verweilen.

Umso größer ist das Angebot durch sogenannte UA – unabhängige Abfüller. Kaum ein namhafter Abfüller, der nicht mindestens einen Ben Nevis im Programm hat.

Typisch für Ben Nevis ist eine kräftige komplexe Würzigkeit verbunden mit einer wunderbaren Süße, typische Zartbitterschokolade und deutlichen Meeresaromen.

An diese sechzehnjährige Ben Nevis Single Cask Abfüllung kam ich durch eine nette Whisky-Forum-Teilnehmerin. Er stammt aus einem der inzwischen vielen Läden, die neben eigens abgefüllten Spirituosen auch Weine, Öle und Liköre anbieten. Man mag von diesen Geschäften und ihren nicht selten überteuerten Waren halten, was man mag – aber es gibt hin und wieder auch echte Perlen mit engagierten Mitarbeitern unter ihnen. Und schließlich begann meine Whiskyleidenschaft in genau so einem Laden während eines Tastings, an dem ich eher widerwillig und nur einem Freund zuliebe teilnahm.

Die satte braune Farbe verrät, dass das Pedro Ximenez-Fass frisch und kein Re-Fill gewesen sein muss. Er ist nicht gefärbt und nicht kühlfiltriert und wurde mit 46% abgefüllt.

Eigentlich ergehe ich mich nur selten in poetischen Reviews, aber dieser Whisky verleitet Einen mit seiner Farbe und dem schweren Körper geradewegs, in seine Geschichte einzutauchen und Bilder tun sich auf, sobald er im Glas sein Wesen entfaltet.

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 Im Glas

In langen öligen Tropfen schmiegt sich der tiefbraune Whisky an die Glaswand und man ahnt schon, was in ihm steckt!
Und dann Glas an die Nase, Augen zu, Tür auf und man betritt das dunkle Zimmer…

 Aroma

… mit den dicken Tapeten und riecht sich von einer Ecke in die andere. Und sofort ist sie da – die typische ölige Würzigkeit von Ben Nevis, gleich gefolgt vom trockenen Sherry, eine leicht modrige Meeresbrise weht vom Fenster heran, gepökeltes Dörrfleisch auf dem knarzigen schweren Eichentisch, daneben Salzkaramell, frisch aufgeschnittene Bourbon-Vanille-Stangen, eingelegte Kirschen, Pflaumenkompott, speckiges Leder auf den Stuhlbezügen, tiefdunkle reife Früchte in einem Korb aus Weidenholz, ein wenig süßer Pfeifentabak liegt noch in der Luft. Das alles arrangiert auf einem dicken alten Teppich aus schwerer Malzsüße, die mit etwas Wasser geradezu unwiderstehlich wird.

Geschmack

Im Mund ein starker Antritt und man findet vieles aus der Nase wieder. Eingebettet in eine Wärme spült sich der Alkohol in einer schönen Schärfe durch den Mund, der Sherry wässert und die Süße und die Würzigkeit spalten sich immer feiner auf, je länger er im Mund verweilt.

Abgang

Im Abgang dann dunkel kandierte Zucker-Kirschen, sahniges Butterkaramell, trockener Sherry, und bittere Holz- und Karamellnoten legen sich langanhaltend an den hinteren Gaumen.

Man verlässt den Raum und alles klingt noch lange nach während man über den langen Flur in die Realität zurückfindet. Diese Zimmernummer merke ich mir!

93/100

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