Springbank Gaja Barolo 9 Jahre, 54,7%

Dieser Springbank steht schon lange ungeöffnet in meinem Schrank. Ich suche immer gern nach Anlässen, eine Flasche zu öffnen. Und einen Springbank – zumal einen, der so interessante und ambivalente Bewertungen erhalten hat, wie dieser – trinkt man nicht zu irgendeinem Anlass. Eine Examensprüfung, die eher durchwachsen verlief, war mir nun ein passender Anlass. Man gönne mir meine Macken.

Die Eckdaten lassen Spannendes erwarten. Ein Finish in frischen Rotweinfässern der Sorte Gaja Barolo. Moment – ein Finish, das länger dauert, als die Reifung davor? Dann doch eher doppelt gereift. Vier Jahre in Refill Bourbon-Fässern und eben fünf Jahre in den Weinfässern und abgefüllt in Fassstärke mit 54,7%. Bei Springbank selbstredend ohne Farbstoff und ohne Kühlfiltration. So muss das!
Also, Flasche auf und Frust vergessen.

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Aroma

Eine seltsam würzig-säuerliche Fruchtigkeit, am ehesten Tamarinde (ja, ich hatte die schon in echt in der Nase!), unreife Pfirsiche und Limetten, dahinter kommen dann süße karamellige Noten, Mandel und ganz wenig Marzipan, und auch die Früchte werden immer süßer, Birne und jetzt reifere Pfirsiche und Orangen. Nach etwa 15 Minuten kommen dann die typische salzige Meeresluft von Springbank und schöne Gewürze wie Zimt. Der sehr dezente Rauch rundet die ungewöhnlich spannende Nase wunderbar ab.

 Geschmack

Im Mund eine ölige Flut von speichelfördernden süßen Aromen, Demerara-Zucker, Salz-Karamell, kandierte Zitronenschalen, Saft-Orangen. Der Rauch ist hier schon dominanter als in der Nase und wirbelt mit einer schönen Würzigkeit dazwischen.
Waren die ersten Noten noch verführerisch wässernd, so schieben sich nach und nach herbe Tannine hinterher und legen adstringierend alles wieder trocken.

 Abgang

Im ziemlich kurzen Abgang kommt kräftige Lakritze, etwas muffige herbe Eiche, exotische Gewürze aus der Asia-Küche und etwas Rauch. Von Frucht ist nicht die Bohne übrig.

 Kommentar

Müsste ich diesen Springbank mit einem Wort beschreiben: Strange! In der Nase locken seltene Früchte und ein harmonisches und sehr spannendes Konglomerat aus der Experimentierküche. Im Mund dann satter vollmundiger Start, zum Ende hin bitterer werdend und zum Abschied dann nur ein relativ kurzes holziges „Tschüs, das war’s“.
Alles in allem – nix Wein, nix dunkle Früchte.

Für Viele, die ihn probiert haben, war er deshalb zu unausgewogen und „hochgradig andersartig“. Aber hey – es ist ein Springbank! Wer erwartet da Mainstream? Ich liebe ihn!
Einzig der zu kurze Abgang hindert ihn an der 90er Marke.

88/100

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