Auf die Brennerei Deanston bin ich eigentlich durch den großartigen Film „Angel’s Share“ aufmerksam geworden, der zum Teil in den Lagerräumen der Destillerie gedreht wurde. Seitdem liegt dort ein Fass mit den Unterschriften des Filmteams.

Dass Deanston auch sonst keinen so großen Bekanntheitsgrad besitzt, zeigt unter anderem auch diese Flasche – bei anderen Destillerien wäre sie längst als Mega-Hype gepusht und ausverkauft.

Und das ist wirklich schade, denn Deanston ist in vielerlei Hinsicht eine Ausnahme-Brennerei. Ausgebaut in einer alten Baumwollfabrik wird dort Whisky fast rein ökologisch hergestellt. Der Strom für die gesamte Produktion und das Wasser kommen aus dem Fluss Teith, der direkt neben der Destillerie fließt. Und Deanston ist selbst bei solchen limitierten Abfüllungen wie diese hier angenehm zurückhaltend beim Bewerben ihrer Produkte. Echtes Understatement beim Blick auf Konkurrenten, die bei jedem NAS ein Heidenbrimborium veranstalten und ihn zu fast jedem Preis unters hypewillige Volk bringen. Deanston verlässt sich da ganz auf Qualität und eine eingeschworene Fan-Gemeinde und deren Mundpropaganda. Wie diese hier.

Die Daten sind auch alles andere als Standard: 20 Jahre lang in Oloroso-Fässern, nicht gefärbt, nicht kühlfiltriert und abgefüllt in Fassstärke.

Aroma

Einerseits unverkennbar ein Deanston, andererseits kaum noch die typischen hellen Früchte wie Birne oder Mirabellen wahrnehmbar. Dagegen dominieren eine dunkle Würzigkeit mit Kirschen, eingelegten Rosinen, Eiche, eine schwere Honigsüße, Vanille, gebrannte Mandeln, frischer würziger Pfeifentabak und dann – ganz ungewöhnlich für einen Deanston –  kräftige salzige Meeresaromen! Der Alkohol ist trotz Fass-Stärke kaum wahrnehmbar. Mit etwas Wasser mehr Süße und Würzigkeit

Geschmack

Auch pur nur wenig dominanter Alkohol, eine schöne Süße, alle Aromen spiegeln sich auch hier wider. Der Oloroso ist kräftig und sorgt für jede Menge Speichelfluss, viele starke Gewürze, eine schöne holzige Eichennote. Etwas Wasser verstärkt die Süße noch, die an kräftigen Honig erinnert.

Finish

würzig-warm, eine leichte Schärfe und der herbe Sherry klebt noch lange am hinteren Gaumen.

Fazit

WOW!! Der mit Abstand beste Deanston und überhaupt einer der besten und schönsten Whiskys, die ich in letzter Zeit im Glas hatte! Wunderbar ausgewogen, spannend, facettenreich und voller Überraschungen. Da hat Burn Stewards Master Distiller Ian MacMillan ein wahres Meisterstück abgeliefert! Chapeau!

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