Deanston 9 Jahre Jack Wiebers, 59,6%

 

Als ausgewiesener Deanston-Fan kam ich um diese schöne Flasche nicht herum. Das Etikett und das Siegelwachs auf dem Verschluss wirken sehr Oldschool und sind allein schon ein enormer Kaufanreiz. Der Inhalt ist allerdings jung. Ganze neun Jahre alt – in Zeiten mangelnder alter Whiskys und der zunehmenden Abneigung gegen überteuerte NAS-Whiskys scheut man sich auch nicht mehr, einstellige Jahreszahlen auf die Etiketten zu drucken. Ein ehrlicher und sympathischer Trend, wie ich finde. Ich hatte schon zahlreiche hervorragende junge Whiskys, als dass mich solche Zahlen abschrecken könnten. Und immerhin – es ist ein Deanston! 🙂
Es wurden insgesamt 294 Flaschen mit starken 59,6% abgefüllt, ohne Farbstoff und ohne Kühlfiltration.

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 Auge

Strohgelb mit einem Goldschimmer und leicht trüb liegt er im Glas, die langen Beine laufen ziemlich eilig zurück.

 Nase

Süß, aber verschlossen und mit etwas ranzigem Bienenwachs wirkt er erst mal zäh und etwas dumpf.  Auch der für Deanston so typische Honig ist hier eher hart und krümelig, als ob er schon zu lange im Vorratsschrank steht. Eine grasig-metallische Note bestätigt das junge Alter. An Früchten kann ich mit etwas Konzentration ein paar Birnen, Quitten und reife Trauben ausmachen. Auch ein paar Tropfen Wasser wollen ihn nicht wirklich öffnen – er bleibt seltsam zurückhaltend und insgesamt irgendwie unreif.

 Geschmack

Der hohe Alkoholgehalt bringt eine pfeffrige wärmende Schärfe. Eine zuckrige Süße verbreitet sich schnell im gesamten Mundraum. Die Nase wird hier fast 1:1 gespiegelt, allerdings ist der Honig hier deutlich cremiger und sehr dominant. Weiterhin wachsig, staubig und irgendwie muffig, aber nicht vom Holz. An Frucht habe ich vor allem überreife und fast gärige helle Trauben und reife Quitten. Mit etwas Wasser wird er deutlich süßer und teigig und hefig wie diese unfertigen Knack&Back Brötchen aus der Pappdose. Dann frisch gemähtes Heu mit etwas Würze und süßer Eierpunsch wie bei einem Grain. Eiche kommt nur marginal zum Tragen und bringt ein wenig herbe Trockenheit ohne echte holzige Nuancen.

Abgang

Im recht kurzen Nachklang vor allem malzige grasige Süße und wieder cremiger Honig. Etwas trockenes Holz und dunkles Malz klingen länger nach.

Kommentar

Bei einer Blindverkostung hätte ich wohl auf einen Grain-Whisky oder Blend getippt. Er wirkt unfertig, in sich unreif und unausgewogen, die Jugend merkt man ihm an. Mal ein Deanston, der mir so gar nicht zusagt. Der Honig ist schon typisch, wirkt hier aber zu wachsig und verharzt. Er kam eindeutig zu früh aus dem Fass. Auch ein Finish hätte ihm womöglich gut getan.
Ein wunderschönes Etikett, macht sich sehr hübsch im Regal, der Inhalt kann mich leider nicht überzeugen.

 

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