Woodford Reserve Double Oaked, 45,2%

Whisky war für mich früher immer nur Jack-Daniels-Plörre – Feten-Gesöff mit reichlich Cola und noch reichlicher Aspirin tags drauf. Das alles hat mir Whisky für viele Jahre vergrault – bis ich bei einem Tasting die wunderbare Welt der schottischen Single Malts kennen lernte. Und ihnen seitdem restlos verfallen bin.

Mein Bruder nun flog kürzlich nach New York und er fragte, ob er mir etwas Nettes aus dem Duty Free mitbringen könne. Ich durchstöberte die Internetseite und stieß auch auf einige Angebote von Single Malts.
Aber dann dachte ich mir:  New York – warum nicht mal einen Bourbon. Was Typisches! Also, diverse Foren und einschlägige Whiskyseiten durchforstet und diesen hier gefunden. Ein Kentucky Straight Bourbon, gebrannt in schottischen Post Stills (einzigartig!) und zweimal gereift in neuen Eichenfässern. Klingt spannend! Und jetzt steht er hier, also Mut und los.

Die Farbe ist schon mal beeindruckend, die Auswirkung der zweifachen Reifung in neuen Eichenfässern wird eindrucksvoll demonstriert. Das Färben von Whiskey ist in den USA verboten, da sollten sich die Schotten ein Beispiel nehmen…!

unbenannt-0308-Bearbeitet-2.jpg

 

Aroma

Frisch im Glas hab ich erst mal Nagellackentferner – und darunter bekannte Anflüge von Grain-Aromen. Alles wirkt recht ruppig und streng. Aber solche anfänglich derben Öl- oder Aceton-Noten kenne ich schon von einigen Iren. Also, erst mal Zeit im Glas geben, atmen lassen.
Und dann kommen sie auch, die interessanten Sachen! Sehr kräftige Holznoten, die weniger an Fässer als an würziges und schon leicht angekokeltes Feuerholz erinnern. Auch die zunehmende Süße hat holzige Noten und man riecht quasi die Arbeit im Fass. Dann gleich saftige triefende Süße von reifen Orangen, dass es mir schon beim Riechen den Speichel aus den Drüsen treibt. Und eine richtig saure Würzigkeit, die ich noch nie hatte – ist wohl typisch Bourbon. Je länger er im Glas verweilt, desto cremiger, fruchtiger und süßer wird er. Dunkle reife Pflaumen, Rohrzucker, harziges dumpfes Holz, schöne Vanille und exotische Gewürze wie Zimt und Nelken gesellen sich dazu. Und dann kommt auch noch ledriges Salz ins Spiel.
Schon in der Nase ein unglaublich komplexes Erlebnis und für meine nur Single Malts gewohnten Rezeptoren eine wahre Karussellfahrt an neuen und ungewohnten Aromen! Das alles hat absolut nichts mit schottischem Whisky zu tun! Und auch nichts mit grausigen Jack-Daniels-Erinnerungen. Großartig!

unbenannt-0317-Bearbeitet

 Geschmack

Holy shit – Flower-Power rules!! Mit 45,2% nicht besonders stark, aber dafür legt er kräftig los. Süße florale Noten wie Veilchen, Lavendel, Heidekraut, dunkle Gewürze, Vanille und kräftiges Karamell. Cremig und süß wie eine Nachspeise breitet er sich im Mund aus. Der Alkohol wärmt und herbe dunkle Holznoten setzen einen schönen Kontrapunkt.

 Abgang

Im Abgang überwiegen duftende florale Noten, der braune Rohrzucker, leicht angebrannte Karamell-Noten und das muffig-herbe Holz. Und das alles schmecke ich noch richtig lange nach.

 Kommentar

Alles in allem ein für mich überraschend beeindruckendes Geschmackserlebnis! Obwohl ich kein Freund von Blütenaromen in Whisky bin, stören sie mich hier weit weniger als bei anderen Whiskys, da sie hier sehr schön von den anderen Aromen konterkariert werden.  Mag sein, dass ich ihn nach einer Gewöhnungsphase nüchterner betrachten werde, aber aktuell finde ich diesen Ami wirklich klasse.
Howdy!

88/100

unbenannt-0316-Bearbeitet


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s