Sild Crannog 2014, 48%

 

„Matured by the sea“

Bayerischer Inselwhisky – klingt schon ziemlich verrückt. Gebrannt in der bayerischen Destillerie Slyrs mit Gerste, die auf den Feldern im nördlichen Sylt der salzigen Meeresluft ausgesetzt war. Zum Reifen dann in kleine, nicht näher definierte Eichenfässer gefüllt und am Sylter Hafen in List unter Deck des Schiffes „Angel’s Share“ gelagert – den Gezeiten, den Wettern und Temperaturen der rauhen Nordsee folgend.
Viele Whiskys werben mit Meeresaromen, hier sollen sie nun tatsächlich enthalten sein.
Ganze drei Jahre jung und somit knapp ein Whisky wurde er mit Sylter Quellwasser auf 48% reduziert und in insgesamt 2743 Flaschen gefüllt. Ohne Farbe und ohne Kühlfiltration.
Dann mal Leinen los!

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 Nase

Da ist dem Maat wohl die brennede Pfeife in den Gummistiefel gefallen – ein Dunst von verkokeltem Schwefel und Autoreifen schreckt meine empfindsame Nase. Also erst mal stehenlassen und Zeit gönnen. An der See hat man es eh nicht eilig.
Nach einem gedanklichen Inselrundgang ist der Schwefel zwar noch da, aber deutlich angenehmer. Milder Rauch mit leicht metallischen Noten mischt sich mit hinein, unterlegt von einer wirklich schönen malzigen Süße. Und ja – eine richtig salzige Brise Hafenluft kommt da aus dem Glas geweht. An Früchten hab ich helle Pflaumen und leicht vergorene Weintrauben und ein paar Zitrusfrüchte. Alles nicht tiefer als das Hafenbecken bei Ebbe, aber – bis auf den Schwefel – durchaus gefällig.

 

 Gaumen

Sehr würzig und voll startet er durch, süßer Honig mit einer leichten Pfeffernote. Und dann auch gleich wieder der Rauch, hier schon kräftiger als in der Nase und auch wieder mit einem Hauch Schwefel versetzt. Sehr fruchtig ist er nicht mehr, dafür kommt hier die Eiche mit herben trockenen Holznoten und einer würzigen Salzkruste mit voller Breitseite zum Vorschein.

Abgang

Da bleibt bis auf den Rauch, etwas Malz und einer leichten süß-herben Gewürznelke nicht viel.

 Kommentar

Tja – alles in allem bin ich wirklich positiv überrascht. Mein erster Slyrs Whisky, und ich bin nach vielen vernichtenden Kritiken schon mit dem einen oder anderen Vorurteil an diesen Whisky gegangen. Aber die Neugier und die Liebe zu See haben gesiegt und ich hab es nicht bereut.
Kein Whisky, der lange in Erinnerung bleiben wird, aber er wirkt insgesamt älter und reifer als nur drei Jahre und bietet genug Eigenheiten, um in der Flut der Whiskys – ich kann den maritimen Metaphern hier einfach nicht widerstehen – ein Zeichen zu setzen.

 

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