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Das ist die zweite eigene Abfüllung, die sich die Whiskybotschaft unter dem Signatory Vintage Label abgefüllt hat. Bei Facebook wurde sie schon Wochen vor dem Erscheinen geschickt mit einem Ratespiel beworben und zumindest mir entfuhr ein leicht enttäuschtes „Schon wieder ein Glenlivet…?!„.
Die Nr.1 war nämlich ebefalls ein Glenlivet aus einem Sherryfass und ich konnte mir davon ein Sample ergattern. Satter Sherry, aber für mich auch wirklich nicht viel mehr. Mir fehlten da ein wenig die Ecken und Kanten, die ihn aus dem Meer der Sherry-Whiskys hervorgehoben hätten.
Glenlivet hat mich auch sonst bislang noch nicht wirklich zu einem Kauf einer ganzen Flasche überzeugen können. Die wenigen Originalabfüllungen, die ich im Glas hatte, bekamen von mir allenfalls ein „nett“.
Tim Tünnermann, der Inhaber der Whiskybotschaft, lobte diese Nr.2 zumindest als noch besser und verpasste ihr aufgrund des Alkoholgehalts von 66,6% den reizenden Beinamen „The Number of the Beast„. Wer könnte da noch widestehen?
Erneut ganze 10 Jahre jung und wieder stark limitiert auf 318 Flaschen kommt er aus einem 1st-Fill Sherry Hogshead.

 

Nase

Im Glas leuchtet mir ein sattes herbstliches Kastanienbraun entgegen, eine wirklich bezaubernde Farbe!
Dann erwarte ich schon typische schwere Sherrynoten wie schon bei der Nr.1, aber hier habe ich erst mal überraschende Düfte von saftigen frisch geschälten Zitronen und dunkel kandierten Streifen von Orangenschalen in der Nase. Würziger Demerarazucker vertieft die Süße und wird von schönem Karamell ergänzt. Bei einem Imker konnte ich mal tiefdunklen und ziemlich teuren Tannenhonig probieren und diese sehr würzig-harzigen Noten hab ich auch hier. Immer mehr Strukturen bauen sich auf, jetzt kommen auch die Trockenpflaumen und ein frisch geöffnetes Glas Amarenakirschen, dazu der Tabak und ein Fetzen altes Leder. Die empfohlenen paar Tropfen Wasser verstärken eigentlich nur den Alkohol und bringen zumindest mir keinen wirklichen Zugewinn an Aromen.

Geschmack

Scharf und wärmend baut er sich auf, wird immer ungestümer – da merke ich das erste Mal die teuflischen 66,6%. Eine ölig-schwere Würze mit einer Menge Eichenholz und eine Ladung dunkler Früchte belagern den gesamten Mundraum. Wellenförmig wechslen sich die Aromen ab, die Süße kommt wieder von viel braunem Rohrzucker und dunklem, leicht angebranntem Salzkaramell. Ein ganzes Gewürzregal tut sich auf – herbes Muskat und Nelke, Zimt und Kardamom. Eine feine Säure von eingekochten Beeren und Pflaumen, wieder saftige reife Orangen und frisch geröstete Espressobohnen.
Auch hier bringt Wasser allenfalls mehr Süße.

Abgang

Auf einem Röntgenbild könnte man sicher kleine Flammen in der Speiseröhre lodern sehen! Wärmend bis zum Magenpförtner spürt man ihn und er hinterlässt eine schöne herbe Eichenwürze und dunkles würziges Pflaumenkompott mit Zimt und Nelken. Der Abgang ebbt schneller ab als erwartet und ist insgesamt eher mittellang.

Kommentar

Die Nr.2 der Botschafts-Eigenabfüllung ist tatsächlich eine ordentliche Steigerung. War mir der erste ein wenig zu sehr Sherry-Mainstream, so ist hier tatsächlich The Beast entfesselt. Wunderbar komplex und sehr voluminös weiß er sich abzuheben vom allgegenwärtigen Sherry-Allerlei.
Sowohl die Farbe als auch die wärmende Würzigkeit machen ihn zu meinem derzeitigen idealen Herbstwhisky, wenn draußen der Wind durch die kahler werdenden Bäume pfeift und das bunte Laub raschelnd über die nassgrauen Straßen treibt. Eine tolle Abfüllung, der man das junge Alter nicht anmerkt.

 

 

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