Glenlivet 18, 43%

Das ist so ein typischer Verlegenheitswhisky. Ich wollte mir auf dem Weg in den Urlaub in Schweden neben den eingepackten Whiskys zum Verkosten im Bordershop Rostock noch etwas für gemütliche Abende zum Genießen kaufen – und war leider 10 Minuten nach Ladenschluss da.
Also im schwedischen Monopol-Schnapsladen Systembolaget Ausschau gehalten und neben altbekannten Standards als einzigen mir noch unbekannten Kandidaten den 18er Glenlivet gefunden. Unbekannt vor allem deshalb, weil ich den Standard-Abfüllungen bislang nichts abgewinnen konnte. Dagegen zeigen unabhängige Abfüllungen wie der 10jährige von Signatory Vintage für die Whiskybotschaft das Potential dieses Whiskys – wenn die Fassauswahl stimmt. Da stand ich also vor den Regalen und dachte mir, mit einem 18jährigen Whisky kann man ja nix verkehrt machen.
Die Daten klingen nicht alle überzeugend, aber bodenständig. 18 Jahre alt, ob er gefärbt ist, steht hier in Schweden leider nicht auf den Flaschen, aber bei Glenlivet würde ich mal davon ausgehen. Ebenso, dass er bei den mageren 43% auch kühlfiltriert wurde.

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Nase

Der Alkohol ist trotz der 43% ziemlich kräftig und sticht in der Nase. Wenn man aufmerksam daran vorbeiriecht, kommt eine schöne würzige und malzige Süße, etwas Honig und mit viel Wohlwollen so etwas wie Quittengelee und reife Birnen. Die Eichenfässer halten sich vornehm zurück, an einer schönen trockenen holzigen Würze, wie ich sie bei 18 Jahren Lagerung erwarten würde, finde ich so gut wie nichts.

Geschmack

Auch am Gaumen fällt gleich ein scharfer Alkohol auf, der leicht brennend und wärmend den ganzen Mund ausfüllt. Hier ist alles so ziemlich spiegelverkehrt im Vergleich zur Nase, trocken und herb, geprägt in erster Linie vom Holz der Fässer…  Mühsam kämpft sich eine schöne Fruchtigkeit den Weg durch den Eichenwald. Vor allem reife Birnen und Bananen und ein paar tropische Früchte wie bei einem Rum-Finish. Dazu süßer Honig mit ein paar Kräutern. Aber alles recht versteckt hinter der allgegenwertigen Eiche. Alles in allem ist hier deutlich mehr los, als in der Nase, vor allem die trockene Eiche gibt hier den Ton an. Spricht insgesamt für die Verwendung vieler Re-Fill-Fässer, die außer Holzaromen kaum noch etwas an den Whisky abgeben.

Abgang

Auch der Abgang ist trocken und holzig und wieder mit süßen Quitten und etwas hellem Malz und insgesamt eher kurz bis mittellang.

Kommentar

Zum Glück muss ich meine Meinung zu Glenlivet nicht groß revidieren, sondern kann in Zukunft weiterhin gelassen einen Bogen um die Originalabfüllungen der Brennerei machen. Ich hatte einige wenige von unabhängigen Abfüllern, die einfach nur großartig waren, aber damit hat dieser hier rein gar nichts zu tun. Die 18 auf der Flasche klingt toll, hat aber angesichts der offensichtlich recht ausgelaugten Fassauswahl keinerlei Bedeutung. Dieser Whisky ist weder elegant, noch vollmundig, wie es die Beschriftung auf dem Karton verspricht. Dafür ist er zu scharfkantig und unausgewogen und für das Alter erstaunlich langweilig und farblos. Kein echter Charakter erkennbar, kein nennenswerter geschmacklicher Einfluss der Fässer auf den Whisky – trotz der langen Lagerung. Zum Glück habe ich nur eine 20cl-Flasche gekauft.

Da Geschmäcker sehr individuell und verschieden sind, ist es immer spannend, auch andere Eindrücke zu lesen. So fand der von mir sehr geschätzte Björn Bachirt in seinen Whisky Diaries deutlich wohlwollendere Worte als ich.

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2 Gedanken zu “Glenlivet 18, 43%

  1. Sehr interessante Tasting Note zum Glenlivet 18y. Habe ihn dieser Tage auch erstmals erkostet. Nicht nur, bin ich in diesem Metier eher neu, war meine Nase und Geschmackssinn durch eine abflauende Verkühlung nicht ganz am Damm. Aber im Gegensatz zum von mir vor zwei Tagen verkosteten 18y Glendronach – eine wahre Wucht in der Nase und im Glas, der auch trotz Verkühlung mir das Staunen lehrte – war ich vom Glenlivet eher überrascht. Ich habe es meinem reduzierten Geruchs- und Geschmacksinn zugeschrieben, dass ich vom Sherry und den genannten Früchten so wenig wahrnahm. Aber offenbar haben auch Sie als Profi hier weniger gerochen und geschmeckt. Die Eiche im Abklang jedoch, habe ich weniger wahrgenommen, als zb beim Glendronach. Auch im Mund fand ich ihn neutraler.

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